{"id":1347,"date":"2014-04-09T11:35:53","date_gmt":"2014-04-09T11:35:53","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/04\/09\/was-kuenstler-verdienen-oder-auch-nicht\/"},"modified":"2014-04-09T11:35:53","modified_gmt":"2014-04-09T11:35:53","slug":"was-kuenstler-verdienen-oder-auch-nicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/04\/09\/was-kuenstler-verdienen-oder-auch-nicht\/","title":{"rendered":"Was K\u00fcnstler verdienen (oder auch nicht)"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\"><em>von Wolfgang B\u00f6hler<\/em><br \/><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\"><em>\u00a0<\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\"><img decoding=\"async\" src=\"images\/kolumnewb.jpg\" border=\"0\" alt=\"Portr\u00e4t Wolfgang B\u00f6hler\" style=\"float: left; margin: 8px;\" \/>04.04.2014 &#8212; Das K\u00f6lner B\u00fcro f\u00fcr Kulturwirtschaftsforschung des Kultursoziologen Michael S\u00f6ndermann (er ist auch Dozent an der Z\u00fcrcher Hochschule der K\u00fcnste), respektive der deutsche Arbeitskreis f\u00fcr Kulturstatistik (ARKStat) hat f\u00fcr eine Tagung zu Kulturberufen im nieders\u00e4chsischen Loccum Daten und empirische Befunde zusammengestellt \u2012 \u00fcber die Einkommenssituation deutscher K\u00fcnstler. Die Zahlen best\u00e4tigen zun\u00e4chst, was man bereits weiss: Die H\u00e4lfte der K\u00fcnstler hat (in Deutschland) ein durchschnittliches monatliches Nettoeinkommen zwischen 1100 und 2000 Euro. Bloss 8 Prozent verdienen monatlich mehr als 3200 Euro netto, ein Viertel 900 Euro und weniger. Sie sind damit \u2012 dies eine Einsicht der Zahlen \u2012 aber nicht alleine: In sozialen Berufen ist die Verdienstpyramide vergleichbar oder gar leicht nach unten breiter. Das Einkommen der erwerbst\u00e4tigen K\u00fcnstler unterscheidet sich sogar im Vergleich zur gesamten Erwerbst\u00e4tigkeit der Bev\u00f6lkerung nicht so dramatisch, dass man allgemein von einem Dasein als Underdogs sprechen k\u00f6nnte.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\u00a0<span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\"><em>von Wolfgang B\u00f6hler<\/em><br \/><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\"><em>\u00a0<\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\"><img decoding=\"async\" src=\"images\/kolumnewb.jpg\" border=\"0\" alt=\"Portr\u00e4t Wolfgang B\u00f6hler\" style=\"float: left; margin: 8px;\" \/>04.04.2014 &#8212; Das K\u00f6lner B\u00fcro f\u00fcr Kulturwirtschaftsforschung des Kultursoziologen Michael S\u00f6ndermann (er ist auch Dozent an der Z\u00fcrcher Hochschule der K\u00fcnste), respektive der deutsche Arbeitskreis f\u00fcr Kulturstatistik (ARKStat) hat f\u00fcr eine Tagung zu Kulturberufen im nieders\u00e4chsischen Loccum Daten und empirische Befunde zusammengestellt \u2012 \u00fcber die Einkommenssituation deutscher K\u00fcnstler. Die Zahlen best\u00e4tigen zun\u00e4chst, was man bereits weiss: Die H\u00e4lfte der K\u00fcnstler hat (in Deutschland) ein durchschnittliches monatliches Nettoeinkommen zwischen 1100 und 2000 Euro. Bloss 8 Prozent verdienen monatlich mehr als 3200 Euro netto, ein Viertel 900 Euro und weniger. Sie sind damit \u2012 dies eine Einsicht der Zahlen \u2012 aber nicht alleine: In sozialen Berufen ist die Verdienstpyramide vergleichbar oder gar leicht nach unten breiter. Das Einkommen der erwerbst\u00e4tigen K\u00fcnstler unterscheidet sich sogar im Vergleich zur gesamten Erwerbst\u00e4tigkeit der Bev\u00f6lkerung nicht so dramatisch, dass man allgemein von einem Dasein als Underdogs sprechen k\u00f6nnte.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">Kulturberufe sind trotz der bescheidenen Verdienstaussichten ungebrochen attraktiv. Ihr Anteil an der Gesamtzahl der Erwerbst\u00e4tigen ist von 1993 auf 2011 von 2,2 auf 3,6 Prozent gestiegen, wobei \u00fcberproportional mehr Frauen als M\u00e4nner in die kreativen Berufe dr\u00e4ngen. Auch der Anteil der Selbst\u00e4ndigen in den k\u00fcnstlerischen Berufen steigt deutlich.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">Wer eine Existenz als Kreativer oder gar als freier K\u00fcnstler w\u00e4hlt, tut dies in aller Regel (es gibt wenige Ausnahmen) freiwillig, mit dem Ziel pers\u00f6nlicher Selbstverwirklichung. Wer sich als Arbeiterin oder Arbeiter Putzkolonnen anschliesst, beim Grossverteiler Regale auff\u00fcllt oder in Altersheimen harte Arbeit verrichtet, tut dies meist nicht freiwillig, sondern aufgrund mangelnder Alternativen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">Damit wir uns richtig verstehen: Die Wahl einer professionellen T\u00e4tigkeit in der Kreativ- und Kulturwirtschaft wider alle \u00f6konomische Vernunft ist in Ordnung, zumindest in der Jugend. Nicht in Ordnung ist es, wenn dabei keine Vorkehrungen getroffen werden, um auch in mittlerem und hohem Alter ein Einkommen zu erwirtschaften, wenn die k\u00fcnstlerische Karriere pekuni\u00e4r nicht ergiebig ist.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">Unbesorgten bleiben dann auch bloss noch die Putzkolonne, die Regale oder harte soziale Arbeit. \u00a0Wenn die subjektiv empfundene Fallh\u00f6he diese Optionen f\u00fcr manchen zur unzumutbaren Dem\u00fctigung macht, dann hat die kreative T\u00e4tigkeit vermutlich bloss zur mangelnden Pers\u00f6nlichkeitsbildung, sprich Realit\u00e4tsverweigerung gef\u00fchrt, die f\u00fcr Adoleszente noch in Ordnung ist, bei nicht mehr ganz so jungen aber eher peinlich anmutet.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">Im Gegensatz zu Raumpflegern, Altenbetreuerinnen, Detailhandelsangestellten und so weiter haben die Kreativen \u00fcberdies einen wesentlichen Vorteil: Sie sind kompetent im Umgang mit Medien und ihre Lebensentw\u00fcrfe wirken so sexy, dass sie gerne medial widerspiegelt werden. Sie geh\u00f6ren also n\u00fcchtern betrachtet und im Vergleich zu den zahlreichen, echt prek\u00e4ren Existenzen eher zu den Privilegierten der Gesellschaft, die ihr Leid \u00f6ffentlich zu beklagen wissen. Man w\u00fcnschte sich von ihnen gerade deshalb etwas mehr Eigenverantwortung in Sachen Lebensplanung.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\"><em>von Wolfgang B\u00f6hler<\/em><br \/><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\"><em>\u00a0<\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\"><img decoding=\"async\" src=\"images\/kolumnewb.jpg\" border=\"0\" alt=\"Portr\u00e4t Wolfgang B\u00f6hler\" style=\"float: left; margin: 8px;\" \/>04.04.2014 &#8212; Das K\u00f6lner B\u00fcro f\u00fcr Kulturwirtschaftsforschung des Kultursoziologen Michael S\u00f6ndermann (er ist auch Dozent an der Z\u00fcrcher Hochschule der K\u00fcnste), respektive der deutsche Arbeitskreis f\u00fcr Kulturstatistik (ARKStat) hat f\u00fcr eine Tagung zu Kulturberufen im nieders\u00e4chsischen Loccum Daten und empirische Befunde zusammengestellt \u2012 \u00fcber die Einkommenssituation deutscher K\u00fcnstler. 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Das Einkommen der erwerbst\u00e4tigen K\u00fcnstler unterscheidet sich sogar im Vergleich zur gesamten Erwerbst\u00e4tigkeit der Bev\u00f6lkerung nicht so dramatisch, dass man allgemein von einem Dasein als Underdogs sprechen k\u00f6nnte.<\/span><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[],"class_list":["post-1347","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-editorials","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1347","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1347"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1347\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1347"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1347"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1347"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}