{"id":135,"date":"2014-01-09T13:37:27","date_gmt":"2014-01-09T13:37:27","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/09\/solos-und-so-von-jarrett-und-corea\/"},"modified":"2014-01-09T13:37:27","modified_gmt":"2014-01-09T13:37:27","slug":"solos-und-so-von-jarrett-und-corea","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/09\/solos-und-so-von-jarrett-und-corea\/","title":{"rendered":"Solos und so von Jarrett und Corea"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2012\/120217rio.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/><em>17.02.2012 &#8212;<\/em> Mit dem legend\u00e4ren \u00abK\u00f6ln Concert\u00bb hat der Jazzpianist Keith Jarrett 1975 die Form der abendf\u00fcllenden Solo-Jazzimprovisation neu definiert (nicht zuletzt, weil er von einem deutlich weniger als erstklassigen Fl\u00fcgel kreativ herausgefordert wurde). Vergleichbare Solokonzerte hat er sp\u00e4ter auch in zahlreichen japanischen St\u00e4dten, in Paris, Wien, Bregenz, M\u00fcnchen, in Mailand (an der Scala) und London gegeben, und alle sind sie vom M\u00fcnchner Edellabel ECM ins Polycarbonat gebrannt worden.<\/p>\n<p> Nun hat sich Jarrett auch in Brasilien alleine auf die B\u00fchne gewagt. In S\u00e3o Paulo mit weniger Gl\u00fcck, in Rio de Janeiro, bei den warmherzigeren und begeisterungsf\u00e4higeren Cariocas in alter Frische. Da finden sich die typischen Jarrett-Lyrismen (inkl. Mitsingen und -st\u00f6hnen), das charakteristische Arbeiten mit kleinen rhythmischen Zellen und melodischen Motiven. Sie f\u00fcgen die zwischen drei und neun Minuten langen St\u00fccke zu Abfolgen zusammen, die etwas an barocke Tanzsuiten denken lassen oder Mendelssohns \u00abLieder ohne Worte\u00bb.<\/p>\n<p> \u00abPart VII\u00bb erinnert in gewisser Hinsicht gar an ein Chopin-Charakterst\u00fcck, allerdings mit Melismen \u00fcber Jazzskalen, einer der inspiriertesten Momente der Doppel-CD. Wirklich Neues h\u00f6rt man in \u00abRio\u00bb kaum, ab und zu scheint sich Jarrett mittlerweile immer auch wieder selber zu zitieren. Der Gig vom 9. April 2011 im Teatro Municipal unter dem Zuckerhut bietet aber doch einiges an H\u00f6rvergn\u00fcgen.<\/p>\n<p> <img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2012\/120217corea_1.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/>Auch von Jarretts Alter Ego Chick Corea gibt\u2019s Neuigkeiten: Auf dem Album \u00abThe Continents\u00bb stellt er ein \u00abConcerto for Jazz Quintet &amp; Chamber Orchestra\u00bb vor, das er im Juni 2011 in den Manhattan Center Studios mit einem Ad-hoc-Ensemble eingespielt hat. Die CD best\u00e4rkt den Eindruck, dass Corea nicht als Komponist in die Musikgeschichte eingehen wird, schon gar nicht als notenschreibender Wanderer zwischen den Welten. Seine Behandlung des klassischen Klangk\u00f6rpers mutet unbeholfen an, etwa so, wie wenn Studierende am Sequencer Motive zusammenst\u00fcckeln und mehr oder weniger beliebig instrumentieren.<\/p>\n<p> Schon nach der Eingangsfanfare ist klar, auf was das Ganze hinausl\u00e4uft. Es gibt da viel melodische Motorik, die ohne den subtilen Klangkosmos des Orchesterapparates auszunutzen, mehr oder weniger willk\u00fcrlich auf die Register verteilt wird, immer wieder auch Unisonopassagen, die in reinen Jazzarrangements reizvoll und stimmig wirken, hier aber bloss (buchst\u00e4blich) einf\u00e4ltig. \u00dcber dieses Concerto ist man versucht, das M\u00e4ntelchen der Barmherzigkeit zu legen. <\/p>\n<p> Und dennoch lohnt sich der Kauf des Albums wegen der \u00abB-Seite\u00bb, wenn man so will, der zweiten CD, auf der Improvisationen der Jazzquintetts und Coreas am Fl\u00fcgel solo nachgeschoben werden, die am Rande der Aufnahmesession entstanden sind.<\/p>\n<p> Da h\u00f6rt man entspannt-witziges Interplay, das etwas an eine Wynton-Marsalis-Formation erinnert, und als H\u00f6hepunkt eine fantasiereiche Interpretation des Klassikers \u00abBlue Bossa\u00bb (hier rhythmisch wohl eher eine \u00abBlue Habanera\u00bb oder \u00ab-Milonga\u00bb). Die CD schliesst ab mit wunderbaren Miniaturen Coreas, die verspielter und weniger emphatisch, und dennoch hintergr\u00fcndiger klingen als Jarretts Solol\u00e4ufe. <\/p>\n<p> <img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2012\/120217corea_2.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/>Zeitgleich mit \u00abThe Continents\u00bb macht die Deutsche Grammophon ein Album wieder verf\u00fcgbar, dass Corea mit dem (1993 bei einem Autounfall) leider viel zu fr\u00fch verstorbenen zypriotischen Pianisten Nicolas Economou auf zwei Klavieren eingespielt hat \u2013 anl\u00e4sslich des M\u00fcnchner Klaviersommers 1982. Diese Silberscheibe mixt im Gegensatz zu den etwas brachial ineinandergeschobenen Kontienten Jazz und Klassisches auf gelungene Art: Improvisationen und Kompositionen Coreas werden da durch sechs St\u00fccke f\u00fcr zwei Klaviere aus Bartoks \u00abMikrokosmos\u00bb erg\u00e4nzt. <\/span><\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><\/p>\n<p> <em><span class=\"txt-s-black\" style=\"font-size: x-small;\">Keith Jarrett: Rio, Doppel-CD, ECM\/Universal 2198\/99.<br \/> Chick Corea: The Continents, Concerto for Jazz Quintet &amp; Chamber Orchestra, Doppel-CD, Deutsche Grammophon\/Universal, Best.-Nr. 477 9952.<br \/> Chick Corea &amp; Nicolas Economou: On Two Pianos, Deutsche Grammophon\/Universal, Best.-Nr. 479 0011. <\/span><\/em><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>17.02.2012 &#8212; Mit dem legend\u00e4ren \u00abK\u00f6ln Concert\u00bb hat der Jazzpianist Keith Jarrett 1975 die Form der abendf\u00fcllenden Solo-Jazzimprovisation neu definiert&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4],"tags":[],"class_list":["post-135","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-im-gespraech","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/135","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=135"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/135\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=135"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=135"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=135"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}