{"id":1368,"date":"2014-04-19T08:28:27","date_gmt":"2014-04-19T08:28:27","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/04\/19\/die-schweiz-sucht-mit-europa-den-kulturdialog\/"},"modified":"2014-04-19T08:28:27","modified_gmt":"2014-04-19T08:28:27","slug":"die-schweiz-sucht-mit-europa-den-kulturdialog","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/04\/19\/die-schweiz-sucht-mit-europa-den-kulturdialog\/","title":{"rendered":"Die Schweiz sucht mit Europa den Kulturdialog"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\"><em>von Wolfgang B\u00f6hler<\/em><br \/><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\"><img decoding=\"async\" src=\"images\/kolumnewb.jpg\" border=\"0\" alt=\"Portr\u00e4t Wolfgang B\u00f6hler\" style=\"float: left; margin: 8px;\" \/>18.04.2014 &#8212; Die Schweizer Kulturwirtschaft hat mit Blick auf die europ\u00e4ische Zusammenarbeit ein Problem. Die Betonung liegt dabei auf \u00abKulturwirtschaft\u00bb. Die Schweizer Kulturschaffenden, insbesondere die K\u00fcnstler (pardon, K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstler) haben eher keines, oder sollten keines haben. K\u00fcnstlerische Zusammenarbeit schert sich nicht um Finanzierungsfragen, sie ist \u2012 oder sollte zumindest \u2012 bloss von der \u00e4sthetischen Neugier angefacht werden, und sie sollte sich \u00fcber implizite oder explizite Lenkungen via institutionelle und staatliche Anerkennungen h\u00f6chstens entr\u00fcsten. Die Schweizer Kulturwirtschaft wird durch die schwieriger gewordene Zusammenarbeit mit dem Umland hingegen deutlich ausgebremst. Sie hat vor allem zwei Motive zum Dialog mit der EU.<\/span><\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\"><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">18.04.2014 &#8212; Die Schweizer Kulturwirtschaft hat mit Blick auf die europ\u00e4ische Zusammenarbeit ein Problem. Die Betonung liegt dabei auf \u00abKulturwirtschaft\u00bb. Die Schweizer Kulturschaffenden, insbesondere die K\u00fcnstler (pardon, K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstler) haben eher keines, oder sollten keines haben. K\u00fcnstlerische Zusammenarbeit schert sich nicht um Finanzierungsfragen, sie ist \u2012 oder sollte zumindest \u2012 bloss von der \u00e4sthetischen Neugier angefacht werden, und sie sollte sich \u00fcber implizite oder explizite Lenkungen via institutionelle und staatliche Anerkennungen h\u00f6chstens entr\u00fcsten. Die Schweizer Kulturwirtschaft wird durch die schwieriger gewordene Zusammenarbeit mit dem Umland hingegen deutlich ausgebremst. Sie hat vor allem zwei Motive zum Dialog mit der EU.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">Es geht dabei nicht, wie man zun\u00e4chst meinen k\u00f6nnte, um Geld. Die internationale Zusammenarbeit in Sachen Kultur ist f\u00fcr die Schweiz pekuni\u00e4r unter dem Strich in etwa ein Nullsummenspiel. Um was es tats\u00e4chlich geht, bringt eine Medienmitteilung des Bundes auf den Punkt. Sie berichtet \u00fcber ein Verhandlungsmandat zur Teilnahme am Kulturf\u00f6rderungsprogramm der EU (siehe dazu auch die Codex-flores-<a href=\"index.php?option=com_content&amp;view=article&amp;id=1362&amp;catid=2\">Nachricht<\/a>). Da steht ziemlich eindeutig: \u00abDas Programm Kultur ist darauf ausgerichtet, die kulturelle und sprachliche Vielfalt sowie das kulturelle Erbe in Europa zu f\u00f6rdern und die Wettbewerbsf\u00e4higkeit der Kultur- und Kreativwirtschaft zu st\u00e4rken\u00bb.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">Lassen wir die kulturelle und sprachliche Vielfalt mal beiseite, auch wenn man sich fragen kann, ob die Willensnation Schweiz in dieser Hinsicht tats\u00e4chlich Defizite hat und wie mit zentralen F\u00f6rdermassnahmen Vielfalt gef\u00f6rdert werden soll (wir stellen da mal die These in den Raum, dass eine Vielfalt gef\u00f6rderter kultureller \u00c4usserungen direktes Spiegelbild einer Vielfalt der F\u00f6rderinstitutionen w\u00e4re).<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">Es geht also um wirtschaftliche Wettbewerbsf\u00e4higkeit und das kulturelle Erbe in Europa. Wenn man etwas spitzfindig ist, und wir sind gerade in der Laune dazu, muss man ersteres deuten als \u00abWettbewerbsf\u00e4higkeit der europ\u00e4ischen Kultur- und Kreativwirtschaften\u00bb gegen\u00fcber nicht europ\u00e4ischen Kultur- und Kreativwirtschaften. W\u00fcrde die Schweiz da abseits stehen, w\u00e4re sie im Fokus der EU ein nichteurop\u00e4ischer Konkurrent, gegen den es zu bestehen g\u00e4lte, um es mal nicht-kriegerisch auszudr\u00fccken. Das \u00abkulturelle Erbe in Europa\u00bb kann man genauso spitzfindig als \u00abeurop\u00e4isches Kulturerbe\u00bb lesen, also als identit\u00e4tsstiftendes Element des Gesamtgebildes Europ\u00e4ische Union und nicht als lockere Kollektion unterschiedlichster, teils unverbundener nationaler Kulturerbschaften. Legitimiert wird die Lesart dadurch, dass Br\u00fcssel nicht m\u00fcde wird, die herausragende Bedeutung der Kultur f\u00fcr die europ\u00e4ische Identit\u00e4t und das Unions-Projekt zu betonen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">Kulturelle Zusammenarbeit ist sch\u00f6n und gut. Das ist jetzt ganz ironiefrei gemeint. Sie hat aber ihren Preis. Sie verschiebt den Schwerpunkt des Kulturschaffens von der St\u00e4rkung nationaler Identit\u00e4t auf eine solche \u00fcbernationaler Identit\u00e4t. Nationale Identit\u00e4t bedeutet in der Schweiz vor allem Koh\u00e4sion mit Blick auf die Sprachregionen oder noch feinere K\u00f6rnungen lokaler Identit\u00e4ten. Die Intensivierung der Europ\u00e4ischen Zusammenarbeit k\u00f6nnte damit zum Paradox f\u00fchren, dass das Land sich verst\u00e4rkt als Teil europ\u00e4ischer Identit\u00e4t versteht, daf\u00fcr aber den inneren Zusammenhalt schw\u00e4cht. Fragt sich, ob wir das wollen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">Eben, wir fragen ja nur.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\"><em>von Wolfgang B\u00f6hler<\/em><br \/><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\"><img decoding=\"async\" src=\"images\/kolumnewb.jpg\" border=\"0\" alt=\"Portr\u00e4t Wolfgang B\u00f6hler\" style=\"float: left; margin: 8px;\" \/>18.04.2014 &#8212; Die Schweizer Kulturwirtschaft hat mit Blick auf die europ\u00e4ische Zusammenarbeit ein Problem. Die Betonung liegt dabei auf \u00abKulturwirtschaft\u00bb. Die Schweizer Kulturschaffenden, insbesondere die K\u00fcnstler (pardon, K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstler) haben eher keines, oder sollten keines haben. K\u00fcnstlerische Zusammenarbeit schert sich nicht um Finanzierungsfragen, sie ist \u2012 oder sollte zumindest \u2012 bloss von der \u00e4sthetischen Neugier angefacht werden, und sie sollte sich \u00fcber implizite oder explizite Lenkungen via institutionelle und staatliche Anerkennungen h\u00f6chstens entr\u00fcsten. Die Schweizer Kulturwirtschaft wird durch die schwieriger gewordene Zusammenarbeit mit dem Umland hingegen deutlich ausgebremst. 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