{"id":137,"date":"2014-01-09T13:39:44","date_gmt":"2014-01-09T13:39:44","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/09\/geigenkonzerte-chatschaturjans-und-barbers\/"},"modified":"2014-01-09T13:39:44","modified_gmt":"2014-01-09T13:39:44","slug":"geigenkonzerte-chatschaturjans-und-barbers","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/09\/geigenkonzerte-chatschaturjans-und-barbers\/","title":{"rendered":"Geigenkonzerte Chatschaturjans und Barbers"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2012\/120120simonyan.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/>20.01.2012 &#8212; Philip Marlowe, der Krimiheld des amerikanischen Autors Raymond Chandler \u2013 im Film 1946 von Humphrey Bogart unnachahmlich dargestellt \u2013 bezeichnete Rauch einer Filterzigarette gerne als \u00abin Watte getauchter Novembernebel\u00bb. Der zynische Gutmensch vom Dienst hatte aber durchaus auch einen eigenen musikalischen Geschmack. Ausgerechnet das Violinkonzert des russischen Staatsk\u00fcnstlers Aram Chatschaturjan h\u00f6rt er sich in Zeiten der Kommunistenhetze in den USA an. Es t\u00f6ne, legt Chandler Marlowe in den Mund, wie ein \u00abausgeleierter Keilriemen\u00bb. Der Mann hat von Sowjetmusik mehr verstanden als mancher hochgebildeter Kulturwissenschaftler. <\/p>\n<p> Zu einer Ikone der russischen Propagandamaschinerie geworden ist Chatschaturjans Ballett \u00abGayaneh\u00bb mit dem ber\u00fchmten S\u00e4beltanz. Chatschaturjan blieb, wie Schostakowitsch und Prokofiev, allerdings der Vorwurf des \u00abFormalismus\u00bb nicht erspart. Soviel Willk\u00fcr musste einfach sein im Sowjetregime.<\/p>\n<p> Praktisch zur gleichen Zeit wie hinter dem Eisernen Vorhang Chatschaturjan schrieb in den USA Samuel Barber ein Geigenkonzert, in \u00e4hnlich volkst\u00fcmlichem Ton gehalten wie dasjenige des Armeniers, wenn auch lieblicher und heller im Ton. Barber sah sich im Westen paradoxerweise dem umgekehrten Vorwurf ausgesetzt: Seine Werke seien zu wenig \u00abformalistisch\u00bb, zu abgedroschen-romantisch.<\/p>\n<p> Solche Musik t\u00f6nte in den Ohren der negativen Dialektiker um Adorno so \u00abfalsch\u00bb wie dies Adorno dem verminderten Septakkord als expressives Ausdrucksmittel attestierte. Das waren halt Zeiten, in denen es Komponisten, die im Avantgarde-Zirkus nicht mittanzten, machen konnten, wie sie wollten, falsch war\u2019s allemal.<\/p>\n<p> \u00abZwei Seelen\u00bb nennt Mikhail Simonyan sein Programm, in dem er die beiden Werke nebeneinanderstellt. Es liegt auf der Hand, oder vielmehr in den Genen, hat der Geiger doch als Sohn eines Armeniers und einer Russin in den USA studiert, bei Victor Danchenko, einem Sch\u00fcler David Oistrachs, dem Chatschaturjan sein Konzert aufs Instrument geschrieben hat. Der Komponist war auch ein guter Freund von Kristjan J\u00e4rvis Vater Neeme J\u00e4rvi, und so schliesst sich der Kreis. <\/p>\n<p> Etwas f\u00e4llt sofort auf, hat man die \u00abOriginalaufnahme\u00bb von Chatschaturians Konzert mit David Oistrach im Ohr: Da schafft eine neue Kadenz Raum f\u00fcr virtuose und expressive Reflektionen, die dem kommunistischer Schreibweise verpflichteten plakativen Stil des Werkes mehr sakralen Tiefgang verleiht. Simonyan hat sie beim jungen armenischen Tonsch\u00f6pfer Artur Vanesov in Auftrag gegeben. Ein gute Wahl. <\/p>\n<p> <em><span class=\"txt-s-black\" style=\"font-size: x-small;\">Mikhail Simonyan: Two Souls, Aram Chatschaturjan: Violinkonzert; Samuel Barber: Violinkonzert op. 14; Adagio for Strings op.11. London Symphony Orchestra, Kristjan J\u00e4rvi (Leitung), Deutsche Grammophon\/Universal Bes.-Nr. 477 9827. <\/span><\/em><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>20.01.2012 &#8212; Philip Marlowe, der Krimiheld des amerikanischen Autors Raymond Chandler \u2013 im Film 1946 von Humphrey Bogart unnachahmlich dargestellt&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4],"tags":[],"class_list":["post-137","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-im-gespraech","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/137","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=137"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/137\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=137"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=137"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=137"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}