{"id":1397,"date":"2014-05-04T08:34:39","date_gmt":"2014-05-04T08:34:39","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/05\/04\/mozart-im-dienst-des-kaisers\/"},"modified":"2014-05-04T08:34:39","modified_gmt":"2014-05-04T08:34:39","slug":"mozart-im-dienst-des-kaisers","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/05\/04\/mozart-im-dienst-des-kaisers\/","title":{"rendered":"Mozart im Dienst des Kaisers"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"images\/bilder2014\/mozart3514.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"images\/bilder2014\/mozart3514.jpg\" border=\"0\" alt=\"Cover Buch\" width=\"100\" height=\"144\" style=\"float: left; margin: 8px;\" \/><\/a>02.05.2014 &#8212; Verarmt, vereinsamt, vom Gl\u00fcck verlassen, die Schaffenskraft erlahmend, von Salieri oder S\u00fc\u00dfmayr oder Hofdemel vergiftet, von Freimaurern ermordet \u2026 Die romantischen Legenden und Anekdoten um seine letzten Lebensjahre und das fr\u00fche Ende holen Mozart vom Podest des Genies auf eine fassbare N\u00e4he hinunter. Doch l\u00e4ngst sind diese Ammenm\u00e4rchen durch Fakten widerlegt \u2013 Mozart starb eines nat\u00fcrlichen Todes, vermutlich infolge Nierenversagens.<\/p>\n<p> Dass sich in den letzten vier Lebensjahren nicht der Geist des Abschiednehmens, der Resignation \u00fcber Mozarts Leben und Schaffen legte, wie vielmehr frische k\u00fcnstlerische Impulse wirksam wurden, Mozart sich neue Richtungen in seiner musikalischen Arbeit erschloss, energisch neue Wege erkundete, hat Christoph Wolff zum Inhalt seiner j\u00fcngsten, 2012 publizierten Studie gemacht. Sie liegt nun in sorgf\u00e4ltiger \u00dcbersetzung auch in Deutsch vor.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><a href=\"images\/bilder2014\/mozart3514.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"images\/bilder2014\/mozart3514.jpg\" border=\"0\" alt=\"Cover Buch\" width=\"100\" height=\"144\" style=\"float: left; margin: 8px;\" \/><\/a>Verarmt, vereinsamt, vom Gl\u00fcck verlassen, die Schaffenskraft erlahmend, von Salieri oder S\u00fc\u00dfmayr oder Hofdemel vergiftet, von Freimaurern ermordet \u2026 Die romantischen Legenden und Anekdoten um seine letzten Lebensjahre und das fr\u00fche Ende holen Mozart vom Podest des Genies auf eine fassbare N\u00e4he hinunter. Doch l\u00e4ngst sind diese Ammenm\u00e4rchen durch Fakten widerlegt \u2013 Mozart starb eines nat\u00fcrlichen Todes, vermutlich infolge Nierenversagens.<\/p>\n<p> Dass sich in den letzten vier Lebensjahren nicht der Geist des Abschiednehmens, der Resignation \u00fcber Mozarts Leben und Schaffen legte, wie vielmehr frische k\u00fcnstlerische Impulse wirksam wurden, Mozart sich neue Richtungen in seiner musikalischen Arbeit erschloss, energisch neue Wege erkundete, hat Christoph Wolff zum Inhalt seiner j\u00fcngsten, 2012 publizierten Studie gemacht. Sie liegt nun in sorgf\u00e4ltiger \u00dcbersetzung auch in Deutsch vor.<\/p>\n<p> Der renommierte amerikanische Mozart-Experte nimmt die letzten vier Lebensjahre des Komponisten unter die Lupe, den Zeitraum zwischen 1788 und 1791. Ab 1781 wohnte Mozart in Wien; Ende 1787ernannte ihn Kaiser Joseph II. zum \u00abKomponisten der kaiserlich-k\u00f6niglichen Kammermusik\u00bb, ein angesehenes, gut besoldetes Amt mit m\u00e4ssigen Verpflichtungen. Eine hoffnungsvolle Lebens- und Schaffensphase begann. \u00abNun stehe ich vor der Pforte meines Gl\u00fcckes\u00bb, frohlockte Mozart in einem Brief aus dem Jahr 1790.<\/p>\n<p> Der Autor beleuchtet Mozarts letzte Lebensjahre nicht vom Ende her, nicht von einer k\u00fcnstlerischen Zukunft, die es h\u00e4tte geben k\u00f6nnen; er widerlegt die weit verbreitete Ansicht, dass Mozarts Musik vom Geist des Abschiednehmens gepr\u00e4gt sei: Der Tod Ende 1791 war ein unerwartetes Ereignis, das keine Schatten vorauswarf. Wolff gewinnt aus dieser Perspektive eine Reihe spannender Einsichten in Leben und Schaffen, in die neue Richtung der musikalischen Arbeit, die neue Klangsprache, den, wie er ihn nennt, \u00abimperialen Stil\u00bb und dessen Charakteristika. Und er verschafft nicht zuletzt der Interpretationspraxis anregende Impulse.<\/p>\n<p> Im ersten Teil widmet sich Christoph Wolff Biografischem, konzentriert auf die Zeit ab Ende der Achtzigerjahre, die Auswirkungen von Mozarts kaiserlicher Berufung und sein Umfeld \u2013 das ambivalente Verh\u00e4ltnis zu Salieri, Repr\u00e4sentationen und die finanzielle Lage, Publikation vieler Werke, der Musikbetrieb in der kaiserlichen Residenzstadt und die Ver\u00e4nderungen in der Wiener Hofmusik, der Siebenj\u00e4hrige Krieg, der 8. T\u00fcrkenkrieg: \u00abMozart hatte das gro\u00dfe Pech, eine Periode der \u00f6sterreichischen Geschichte mitzuerleben, die von einer tiefen Wirtschaftskrise, verbunden mit politischer Instabilit\u00e4t und Ungewissheit, gepr\u00e4gt war.\u00bb (Seite 33)<\/p>\n<p> Pr\u00e4gende Einfl\u00fcsse erfuhr Mozart auf seinen Konzertreisen, die hier ab 1762 res\u00fcmiert werden: das Musikleben mit den tonangebenden Exponenten, M\u00e4zenen, Verlegern und die Bach-Kreise in Berlin und Leipzig. \u00abAnstatt auf den retrospektiven Stil zur\u00fcckzugreifen, der in den konservativeren, eher theoretisch und philosophisch orientierten Bach-Kreisen in Leipzig und Berlin bevorzugt wurde, entwickelte Mozart eine F\u00fclle innovativer Kompositionsverfahren, die auf Bachs satztechnischen Modellen gr\u00fcndeten, womit er die lebendige, weitgehend vom Adel getragene und einflussreiche Wiener Bach-Tradition in eine sp\u00fcrbar neue, kreative Richtung lenkte.\u00bb (Seite 78)<\/p>\n<p> Die ehrgeizigen Pl\u00e4ne und die kompositorische Leistung Mozarts nach seiner Ernennung analysiert Wolff im zweiten Teil: \u00e4sthetische Fragen, Auseinandersetzungen mit dem Schaffen Haydns, Kammermusik und Sinfonien, Klavierkonzerte, B\u00fchnenwerke, geistliche Musik, angeregt durch Partituren von H\u00e4ndel und Bach.<\/p>\n<p> \u00abKomponirt ist schon alles \u2013 aber geschrieben noch nicht\u00bb, hielt Mozart Ende 1780 in einem Brief an seinen Vater fest. Und manches blieb im Entwurfsstadium: 54 Kompositionsfragmente sind erhalten aus den Jahren 1788 bis 1791. Besonderen Nachdruck legt Wolff anhand einer Reihe von Skizzen einzelner Kammermusiks\u00e4tze (Trio, Quartett, Quintett) auf Mozarts Kompositionsprozess, den Akt des Niederschreibens. Mozart, so fasst der Autor zusammen, \u00abdurchdachte einen ganzen Satz im Voraus, formulierte rasch ein Incipit als mnemotechnischen Behelf, entwarf die kontrapunktischen Konturen in einem Partiturger\u00fcst des ganzen St\u00fcckes und f\u00fcllte schlie\u00dflich die noch fehlenden Details aus, die oft f\u00fcr den Klang des St\u00fcckes entscheidend waren.\u00bb (Seite 168)<\/p>\n<p> Optisch nachvollziehen l\u00e4sst sich die im Detail beschriebene Arbeitsweise an den Reproduktionen der Manuskripte. Zudem: Eigens f\u00fcr dieses Buch wurde eine Website eingerichtet, die Farbscans der analysierten Autographe und die Einspielungen dieser Skizzen enth\u00e4lt.<\/p>\n<p> Besser als andere Dokumente geben die Fragmente laut Wolff Aufschluss dar\u00fcber, wie Mozart arbeitete. Sie bieten, zusammen mit den vielen vollendeten Werken, \u00abeinen konkreten Einblick in das, was der Komponist als Schl\u00fcssel zur ,Pforte meines Gl\u00fcckes\u2019 betrachtete, seine Kompositionskunst\u00bb. (Seite 159)<\/p>\n<p> Mozarts Aufbruch zu neuen Horizonten \u2013 Christoph Wolff erschliesst dank profunder und inspirierter Besch\u00e4ftigung mit \u00abworks in progress\u00bb erkenntnisreiche Einblicke in die Merkmale des reifen Stils von Mozarts imperialen Jahren. <em>(ws)<\/em><\/p>\n<p> <strong><em>Zitat aus dem Buch: <\/em><\/strong><br \/> \u00abNach Mozarts \u00dcbersiedlung nach Wien werden die wachsende kompositorische Komplexit\u00e4t, die differenzierte Kontrapunktik und die ausgedehnteren Formate seiner Musik immer sp\u00fcrbarer, trotz aller melodischen Eleganz und allen rhythmischen Flusses, die nach wie vor dominieren. Komponieren war zu einem anspruchsvolleren und anstrengenderen Gesch\u00e4ft geworden. Das Tempo, in dem neue Werke entstanden, verlangsamte sich, Strukturen und Texturen wiesen gr\u00f6\u00dfere Dichte und Subtilit\u00e4t auf, und die harmonische Sprache wurde nuancierter. Insgesamt nahm die gedankliche Tiefe der musikalischen Substanz ganz wesentlich zu, sodass der Kompositionsprozess einfach mehr Zeit verlangte.\u00bb (Seite 168f.)<\/p>\n<p> <strong>Info:<\/strong> <br \/> Christoph Wolff: \u00abVor der Pforte meines Gl\u00fcckes\u00bb. Mozart im Dienst des Kaisers (1788\u20131791). Aus dem Amerikanischen von Matthias M\u00fcller. Gemeinschaftsausgabe der Verlage B\u00e4renreiter, Kassel, und J. B. Metzler, Stuttgart 2013. 228 Seiten mit Abbildungen und Notenbeispielen. \u20ac 29,95. Fr. 40.90.<\/p>\n<p> <em>siehe auch:<\/em><br \/> <a href=\"http:\/\/www.codexflores.ch\/index.php\/component\/content\/article\/16-kritiken\/buchbesprechungen\/594-mozart-briefe-und-aufzeichnungen\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Mozart: Briefe und Aufzeichnungen<\/a><br \/> Neue Mozart-Ausgabe (NMA):\u00a0<a href=\"http:\/\/dme.mozarteum.at\/DME\/main\/index.php\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">http:\/\/dme.mozarteum.at\/DME\/main\/index.php <\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><a href=\"images\/bilder2014\/mozart3514.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"images\/bilder2014\/mozart3514.jpg\" border=\"0\" alt=\"Cover Buch\" width=\"100\" height=\"144\" style=\"float: left; margin: 8px;\" \/><\/a>02.05.2014 &#8212; Verarmt, vereinsamt, vom Gl\u00fcck verlassen, die Schaffenskraft erlahmend, von Salieri oder S\u00fc\u00dfmayr oder Hofdemel vergiftet, von Freimaurern ermordet \u2026 Die romantischen Legenden und Anekdoten um seine letzten Lebensjahre und das fr\u00fche Ende holen Mozart vom Podest des Genies auf eine fassbare N\u00e4he hinunter. Doch l\u00e4ngst sind diese Ammenm\u00e4rchen durch Fakten widerlegt \u2013 Mozart starb eines nat\u00fcrlichen Todes, vermutlich infolge Nierenversagens.<\/p>\n<p> Dass sich in den letzten vier Lebensjahren nicht der Geist des Abschiednehmens, der Resignation \u00fcber Mozarts Leben und Schaffen legte, wie vielmehr frische k\u00fcnstlerische Impulse wirksam wurden, Mozart sich neue Richtungen in seiner musikalischen Arbeit erschloss, energisch neue Wege erkundete, hat Christoph Wolff zum Inhalt seiner j\u00fcngsten, 2012 publizierten Studie gemacht. Sie liegt nun in sorgf\u00e4ltiger \u00dcbersetzung auch in Deutsch vor.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[11],"tags":[],"class_list":["post-1397","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-buchbesprechungen","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1397","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1397"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1397\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1397"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1397"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1397"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}