{"id":140,"date":"2014-01-09T14:56:47","date_gmt":"2014-01-09T14:56:47","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/09\/rachel-kolly-d-alba-french-impressions\/"},"modified":"2014-01-09T14:56:47","modified_gmt":"2014-01-09T14:56:47","slug":"rachel-kolly-d-alba-french-impressions","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/09\/rachel-kolly-d-alba-french-impressions\/","title":{"rendered":"Rachel Kolly d\u00b4Alba: French Impressions"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\">25.11.2011 &#8212; Die Instrumentalmusik der franz\u00f6sischen Spatromantik hat offenbar nichts an sinnlicher Attraktivit\u00e4t verloren. Auf dem deutschen Markt l\u00e4sst sich damit punkten. Der Oboist Albrecht Mayer hat es mit dem Album \u00abBonjour Paris\u00bb, die Geigerin Janine Jansen mit \u00abBeau Soir\u00bb getan (siehe Codex-flores-<a href=\"http:\/\/212.60.37.143\/rezensionen_ind2.php?art=664\">Rezensionen<\/a>), ihre Kollegin Julia Fischer hat auf einem Album mit dem franz\u00f6sischen Titel \u00abPo\u00e8me\u00bb (siehe Codex-flores-<a href=\"http:\/\/212.60.37.143\/popular.php?art=131\">Rezension<\/a>) Ernest Chaussons gleichnamigem Konzertst\u00fcck op. 25 Reverenz erwiesen.<\/p>\n<p> Dasselbe tut die Welschschweizer Geigerin Rachel Kolly d\u2019Alba. Auf ihrer CD mit \u00abFrench Impressions\u00bb (wieso englisch?) kombiniert sie das Konzertst\u00fcck mit Camille Saint-Sa\u00ebns\u2019 drittem Violinkonzert op. 61, zwei Werken von Eug\u00e8ne Ysa\u00ffe (einem ihrer Lieblingskomponisten, von dem sie fr\u00fcher bereits die sechs Solosonaten auf CD eingespielt hat) sowie Ravels \u00abTzigane\u00bb.<\/p>\n<p> Sie amtet dabei als ihre eigene Produzentin und brennt Aufnahmesitzungen rund um Konzerte mit dem Orchestre National des Pays de la Loire unter der Leitung John Axelrods und dem Sinfonie Orchester Biel unter Jean-Jacques Kantorow ins Polycarbonat. Mit John Axelrod realisiert sie dem Vernehmen nach auch ihre n\u00e4chste CD mit Werken amerikanischer Tonsch\u00f6pfer.<\/p>\n<p> Kolly d\u2019Alba, die bereits mit f\u00fcnfzehn Jahren am Conservatoire de Lausanne ein Lehrdiplom erworben hat, geh\u00f6rt zu der jungen, offenen Generation von Musikerinnen und Musikern, die ihr Klanggef\u00fchl und Strukturbewusstsein genauso an der zeitgen\u00f6ssischen Musik schulen wie am kanonischen Repertoire.<\/p>\n<p> Sie hat denn auch nicht nur als Meistersch\u00fclerin von Igor Ozim an der Hochschule f\u00fcr Musik und Theater in Bern ihr Solistinnendiplom abgelegt, sondern auch mit Komponisten wie Tristan Murail, Eric Gaudibert oder J\u00fcrg Wyttenbach gearbeitet und sich selber ein solides Handwerk in Sachen Komposition und Analyse erworben. <\/p>\n<p> Interpretations-Vergleiche haben immer etwas M\u00e4klerisches, in Falle Fischers und Kolly d\u2019Albas lohnt sich das Querh\u00f6ren aber, weil die beiden jungen Geigerinnen in gewisser Weise paradigmatisch f\u00fcr deutsche und franz\u00f6sische Musik\u00e4sthetik stehen.<\/p>\n<p> Die Bayerin pr\u00e4sentiert ein in jeder Hinsicht perfektes Chausson-Po\u00e8me, mit nicht zuletzt der Leitung des Dirigenten Yakov Kreizberg und des Orchestre Philharmonique de Monte-Carlo geschuldetem Nationalkolorit. Kolly d\u2019Albas Chausson wirkt bei aller fanz\u00f6sischer Artifizialit\u00e4t aber lebendiger und z\u00fcgiger (interessant, dass die Zeitdauerangaben ein langsameres Tempo als bei der deutschen Kollegin suggerieren). <\/p>\n<p> Sie spielt technisch nicht weniger souver\u00e4n als Fischer, aber erdiger, vibrierender und zugleich dunkler und fahler im Klang \u2013 was allerdings auch damit zu tun haben kann, das ihre Geige eher zu nah mikrophoniert scheint. Das Orchesterklangbild ist weniger transparent als dasjenige der Fischer-Aufnahme, scheint aber authentischer. <\/p>\n<p> Auch Ravels k\u00fchl-diszipliniertes feines \u00abTzigane\u00bb-Seismogramm erf\u00fcllt Kolly d\u2019Alba mit W\u00e4rme und Leben, ohne die gl\u00e4serne Distanziertheit des Komponisten zu ignorieren. Da scheint eine selbstbewusste und -bestimmte K\u00fcnstlerin heranzureifen, die viele angesagte und heute vermutlich mit mehr Aufmerksamkeit versorgte smarte Jungtalente fr\u00fcher oder sp\u00e4ter hinter sich lassen d\u00fcrfte. <em>(wb)<\/em><\/p>\n<p> <em><span class=\"txt-s-black\" style=\"font-size: x-small;\">Rachel Kolly d\u2019Alba: French Impressions. Camille Saint-Sa\u00ebns: Violinkonzert Nr. 3 in h-Moll. Eug\u00e8neYsa\u00ffe: Berceuse de l&#8217;enfant pauvre op. 20, R\u00eave d&#8217;enfant op. 16 (orchestriert von Rachel Kolly d\u2019Alba), Ernest Chausson: Po\u00e8me f\u00fcr Violine und Klavier op. 25; Maurice Ravel: Tzigane. Orchestre National des Pays de la Loire (Leitung John Axelrod, Saint-Sa\u00ebns, Ysa\u00ffe), Sinfonie Orchester Biel (Leitung Jean-Jacques Kantorow, Chausson, Ravel). Warner Classics &amp; Jazz, Best.-Nr. 2564 67181-4. <\/span><\/em><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>25.11.2011 &#8212; Die Instrumentalmusik der franz\u00f6sischen Spatromantik hat offenbar nichts an sinnlicher Attraktivit\u00e4t verloren. 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