{"id":145,"date":"2014-01-09T15:14:06","date_gmt":"2014-01-09T15:14:06","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/09\/alice-sara-ott-stellt-sich-beethoven\/"},"modified":"2014-01-09T15:14:06","modified_gmt":"2014-01-09T15:14:06","slug":"alice-sara-ott-stellt-sich-beethoven","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/09\/alice-sara-ott-stellt-sich-beethoven\/","title":{"rendered":"Alice Sara Ott stellt sich Beethoven"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2011\/110916ott2.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/>16.09.2011 &#8212; Die deutsch-japanische Nachwuchspianistin Alice Sara Ott legt \u2013 eher etwas \u00fcberraschend \u2013 eine CD mit Beethoven-Sonaten vor. \u00dcberraschend, weil sie sich bislang mehr als elegante Filigrantechnikern denn als Ausdeuterin deutschen Tiefsinns der eher schroff-kantigen Sorte profiliert hat. Da wagt sie, sich den unvermeidlichen Vergleichen mit Monumenten der Interpretationsgeschichte auszusetzen. Im Booklet l\u00e4sst sie sich so zitieren: \u00abF\u00fcr jede Musikerin und jeden Musiker ist irgendwann der Punkt gekommen, die eigene Auseinandersetzung mit Beethoven zu dokumentieren. In meinem Fall mag dieser Zeitpunkt fr\u00fch erschienen.\u00bb<\/p>\n<p> Mit letzterem ist eigentlich alles gesagt. Den Schritt vom unbek\u00fcmmerten Nachwuchstalent zur reifen Musikerin hat Ott noch nicht vollzogen. Ihre Gestaltungskraft reicht nicht f\u00fcr den beethovenschen Affektenkosmos. Noch nicht erschlossen hat sich ihr vor allem die beredte Differenzierung rhythmischer Artikulation. Vieles schnurrt da vor sich hin wie ein pr\u00e4zises Uhrwerk (selbst wenn der versierten Pianistin stellenweise leichte technische Nachl\u00e4ssigkeiten reinrutschen).<\/p>\n<p> Ihr Beethoven atmet flach, wirkt deshalb manchmal fast ein wenig eilig und ohne Tiefendimension. Momente der Ruhe und Reflexion, des Aufb\u00e4umens, des mit sich K\u00e4mpfens und Widersprechens fehlen, \u00fcberhaupt die einzigartige klassische Balance aus Formvollendung und Leidenschaft des musikalischen Debattierens im Detail, die diese Musik so lebendig machen k\u00f6nnte. <\/p>\n<p> Ott ist durch die Schule des Klavierp\u00e4dagogen Karl-Heinz K\u00e4mmerling am Mozarteum Salzburg gegangen. Wir zitieren dazu einen Artikel der Zeitung \u00abHannoversche Allgemeine\u00bb vom 8. Mai 2010 zum 80. Geburtstag des Mentors: In Pianistenkreisen, schreibt die Zeitung, sei das Etikett \u00abK\u00e4mmerling-Sch\u00fcler\u00bb ein Markenzeichen. Aber manchem gelte es als Synonym f\u00fcr technisch perfekte Klavierspieler. Und dann werde gerne ein leises \u00ababer\u00bb nachgeschoben, das ein Defizit an Seelenst\u00e4rke suggerieren soll. <\/p>\n<p> Otts Beethoven scheint den Branchenklatsch zu best\u00e4tigen. M\u00f6glicherweise steht das smarte Jungtalent hier vor einem Scheideweg: Sich entweder mit einem weiteren Lehrer (oder einer Lehrerin) und damit einem ganz anderen pianistischen Selbstverst\u00e4ndnis zu konfrontieren, das auch ein pers\u00f6nlicher Schock sein k\u00f6nnte. Damit k\u00f6nnte Ott m\u00f6glicherweise zu einer wirklich grossen Interpretin weiter wachsen. <\/p>\n<p> Die Alternative: Mit nahezu perfekter Technik und viel Nettigkeit droht sie fr\u00fcher oder sp\u00e4ter im Heer der Beliebigkeit nachdr\u00e4ngender \u00abSupertalente\u00bb zu versinken. <em>(wb)<\/em><br \/><\/span><\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><em><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-s-black\"><span style=\"font-size: x-small;\">Alice Sara Ott: Beethoven. Klaviersonate Nr. 3 C-Dur op.2 Nr.3; Klaviersonate Nr. 21 C-Dur op.53 \u00abWaldstein\u00bb, Andante favori F-Dur WoO 57; Rondo a capriccioso in G-Dur op.129 \u00abDie Wut \u00fcber einen verlorenen Groschen\u00bb. Deutsche Grammophon\/Universal Best.-Nr. 477 9291<\/span><br \/><\/span><\/span><\/em><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>16.09.2011 &#8212; Die deutsch-japanische Nachwuchspianistin Alice Sara Ott legt \u2013 eher etwas \u00fcberraschend \u2013 eine CD mit Beethoven-Sonaten vor. \u00dcberraschend,&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4],"tags":[],"class_list":["post-145","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-im-gespraech","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/145","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=145"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/145\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=145"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=145"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=145"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}