{"id":1460,"date":"2014-05-30T08:29:37","date_gmt":"2014-05-30T08:29:37","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/05\/30\/mozart-bearbeitet-fugen-aus-dem-wohltemperierten-klavier\/"},"modified":"2014-05-30T08:29:37","modified_gmt":"2014-05-30T08:29:37","slug":"mozart-bearbeitet-fugen-aus-dem-wohltemperierten-klavier","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/05\/30\/mozart-bearbeitet-fugen-aus-dem-wohltemperierten-klavier\/","title":{"rendered":"Mozart bearbeitet Bach-Klavierfugen"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"images\/bilder2014\/1505mozartbach.jpg\" border=\"0\" alt=\"CD Cover\" width=\"100\" height=\"100\" style=\"float: left; margin: 8px;\" \/>23.05.2014 &#8212; Wie Welten aufeinanderprallen. Man k\u00f6nnte sich ja vorstellen, dass Unglaubliches entstanden w\u00e4re, h\u00e4tte das Jahrtausendgenie Wolfgang Amadeus Mozart Werke des Jahrtausendgenies Johann Sebastian Bach bearbeitet. M\u00fcsste das nicht eine Potenz der Vollendung ergeben? Vollendete Vollendung, ins \u00dcberzeitlose extrapolierte zeitlosigste Zeitlosigkeit, zur allerg\u00fcltigsten G\u00fcltigkeit verschmolzene Tonkunst? So ist es aber nicht. Die musikalischen Universen Mozarts und Bachs durchdringen sich nicht, sie sperren sich gegen jegliche Versuche der Deckungsgleichheit und Synergie, mit Blick auf welche Aspekte auch immer.<\/span><\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\"><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"images\/bilder2014\/1505mozartbach.jpg\" border=\"0\" alt=\"CD Cover\" width=\"100\" height=\"100\" style=\"float: left; margin: 8px;\" \/>23.05.2014 &#8212; <span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">Wie Welten aufeinanderprallen. Man k\u00f6nnte sich ja vorstellen, dass Unglaubliches entstanden w\u00e4re, h\u00e4tte das Jahrtausendgenie Wolfgang Amadeus Mozart Werke des Jahrtausendgenies Johann Sebastian Bach bearbeitet.<\/span> M\u00fcsste das nicht eine Potenz der Vollendung ergeben? Vollendete Vollendung, ins \u00dcberzeitlose extrapolierte zeitlosigste Zeitlosigkeit, zur allerg\u00fcltigsten G\u00fcltigkeit verschmolzene Tonkunst? So ist es aber nicht. Die musikalischen Universen Mozarts und Bachs durchdringen sich nicht, sie sperren sich gegen jegliche Versuche der Deckungsgleichheit und Synergie, mit Blick auf welche Aspekte auch immer.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">Mozarts Adaption von Fugen aus dem Wohltemperierten Klavier II (WK II) und seine eigenen kontrapunktischen Kreationen unter dem Eindruck des barocken Kompendiums (KV 426, KV 546) \u00a0l\u00f6sen denn auch Irritation aus. Die barocke Bibel des gottgef\u00e4lligen und weltabgewandten Widerscheins einer Musica mundana des Thomaskantors vertr\u00e4gt sich nicht mit den sinnlich-weltlichen Tr\u00f6stungen klassischer Diesseitigkeit des einstigen Wunderkindes. In keiner Art und Weise.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">Die Auseinandersetzungen Mozarts mit Bachs Kontrapunktik (in einer Zeit, in welcher der Thomaskantor in der \u00d6ffentlichkeit kaum noch im Bewusstsein war!) gehen auf Besuche im Haus des Baron Gottfried van Swieten zur\u00fcck, wo auch Beethoven ein- und ausging und dort auf dem Klavier Ausz\u00fcge aus dem Wohltemperierten Klavier zum besten gab. Mozart hat einigen der Fugen aus dem WK II \u00a0eigene Einleitungen vorangestellt. Vermutlich waren ihm die originalen Pr\u00e4ludien unbekannt. Seine Alternativen g\u00e4ben ein h\u00fcbsches vergleichendes Kompositionsseminar: Wie haben zwei Giganten der Musikgeschichte dieselbe Aufgabe individuell gel\u00f6st? Aber auch der Rest der Mozartschen Bachbearbeitungen ist im Grunde genommen typische <em>Musician\u2019s Music<\/em> zum Selbststudium<em>.<\/em> \u00a0\u00a0\u00a0 <br \/><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">Die \u00e4sthetischen Unvereinbarkeiten dieser Klangwelten vermag auch ein Ensemble wie die Akademie f\u00fcr Alte Musik Berlin nicht aufzul\u00f6sen. Sie zeichnet die in sich widerspr\u00fcchlichen Konstruktionen aber in nicht minder sperrigen, asketischen Klangbildern des kahlen vibratolosen Nonespressivos nach und f\u00fcgt (respektive fugt\u2026) damit verst\u00f6rende, beinahe pathologisch anmutende Anomalien in die Idyllen heutiger Barock- und Klassikrezeptionen. Sand im Getriebe. Wie sch\u00f6n. <em>(wb)<\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\"><strong>Info:<\/strong> Adagios &amp; Fugues, W.A.Mozart after J.S.Bach, Akademie f\u00fcr alte Musik Berlin, CD, Booklet frabz.\/engl.\/deutsch, Harmonia Mundi, HMC 902159<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"images\/bilder2014\/1505mozartbach.jpg\" border=\"0\" alt=\"CD Cover\" width=\"100\" height=\"100\" style=\"float: left; margin: 8px;\" \/>23.05.2014 &#8212; Wie Welten aufeinanderprallen. Man k\u00f6nnte sich ja vorstellen, dass Unglaubliches entstanden w\u00e4re, h\u00e4tte das Jahrtausendgenie Wolfgang Amadeus Mozart Werke des Jahrtausendgenies Johann Sebastian Bach bearbeitet. M\u00fcsste das nicht eine Potenz der Vollendung ergeben? Vollendete Vollendung, ins \u00dcberzeitlose extrapolierte zeitlosigste Zeitlosigkeit, zur allerg\u00fcltigsten G\u00fcltigkeit verschmolzene Tonkunst? So ist es aber nicht. Die musikalischen Universen Mozarts und Bachs durchdringen sich nicht, sie sperren sich gegen jegliche Versuche der Deckungsgleichheit und Synergie, mit Blick auf welche Aspekte auch immer.<\/span><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4],"tags":[],"class_list":["post-1460","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-im-gespraech","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1460","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1460"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1460\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1460"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1460"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1460"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}