{"id":1461,"date":"2014-05-30T14:52:51","date_gmt":"2014-05-30T14:52:51","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/05\/30\/das-srf-und-seine-kultursendungen\/"},"modified":"2014-05-30T14:52:51","modified_gmt":"2014-05-30T14:52:51","slug":"das-srf-und-seine-kultursendungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/05\/30\/das-srf-und-seine-kultursendungen\/","title":{"rendered":"Das SRF und seine Kultursendungen"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\"><em>von Wolfgang B\u00f6hler<\/em><\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\"><img decoding=\"async\" src=\"images\/kolumnewb.jpg\" border=\"0\" alt=\"Portr\u00e4t Wolfgang B\u00f6hler\" style=\"float: left; margin: 4px;\" \/>30.05.2014 &#8212; Wir outen uns hier somit als ewiggestrige Langweiler (schon nur durch den anbiedernden Anglizismus). Wir schauen gerne in die R\u00f6hre, die heute allerdings keine mehr ist, sondern vielmehr eine d\u00fcnne Wand mit Internetanschluss, und wir freuen uns \u00fcber das \u00fcberaus reiche Kulturangebot auf unz\u00e4hligen Kan\u00e4len. Wir staunen auf Sendern wie BR-alpha \u00fcber jahrzehntealte, unscharfe und (technisch) \u00fcber- oder unterbelichtete Belehrungen Joachim Kaisers zu Opernklassikern, vergessen die Zeit ob klugen Gespr\u00e4chen in billig improvisierten Museumsfundusdekors zwischen dem Physiker Harald Lesch und dem Philosophen Wilhelm Vossenkuhl, wir k\u00f6nnen uns nicht sattsehen an den zahllosen Konzertmitschnitten, die uns Arte zur Zeit zur Verf\u00fcgung stellt (lassen Sie sich den sensationellen Mitschnitt eines Konzertes des Jazzgeigers Didier Lockwood mit Gr\u00f6ssen wie Patricia Petibon, Vadim Repin und Bireli Lagrene im Th\u00e9\u00e2tre du Ch\u00e2telet nicht entgehen!).<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\u00a0<em>von Wolfgang B\u00f6hler<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\u00a0<\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\"><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\"><img decoding=\"async\" src=\"images\/kolumnewb.jpg\" border=\"0\" alt=\"Portr\u00e4t Wolfgang B\u00f6hler\" style=\"float: left; margin: 4px;\" \/>30.05.2014 &#8212; Wir outen uns hier somit als ewiggestrige Langweiler (schon nur durch den anbiedernden Anglizismus). Wir schauen gerne in die R\u00f6hre, die heute allerdings keine mehr ist, sondern vielmehr eine d\u00fcnne Wand mit Internetanschluss, und wir freuen uns \u00fcber das \u00fcberaus reiche Kulturangebot auf unz\u00e4hligen Kan\u00e4len. Wir staunen auf Sendern wie BR-alpha \u00fcber jahrzehntealte, unscharfe und (technisch) \u00fcber- oder unterbelichtete Belehrungen Joachim Kaisers zu Opernklassikern, vergessen die Zeit ob klugen Gespr\u00e4chen in billig improvisierten Museumsfundusdekors zwischen dem Physiker Harald Lesch und dem Philosophen Wilhelm Vossenkuhl, wir k\u00f6nnen uns nicht sattsehen an den zahllosen Konzertmitschnitten, die uns Arte zur Zeit zur Verf\u00fcgung stellt (lassen Sie sich den sensationellen Mitschnitt eines Konzertes des Jazzgeigers Didier Lockwood mit Gr\u00f6ssen wie Patricia Petibon, Vadim Repin und Bireli Lagrene im Th\u00e9\u00e2tre du Ch\u00e2telet nicht entgehen!).<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">Wir geben sogar zu, dass wir uns ab und an am fr\u00fchen Sonntagmorgen in die Teleakademie des SWR einklinken. Nur eines tun wir uns mittlerweile fast nicht mehr an: Kultursendungen des \u00f6ffentlich-rechtlichen Schweizer Fernsehens SRF. Wir sind halt eben hoffnungslos vorgestrig, mit unserer Skepsis gegen\u00fcber einem \u00aberweiterten Kulturbegriff\u00bb, der alles und jedes an Deutungen und Analysen rechtfertigt, so lange sie bloss sich engagiert geb\u00e4rden. Allenfalls finden wir Gefallen an Nicolas Senns vers\u00f6hnlich-entspannter Volksmusiksendung Potzmusig. Im Ernst.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">Wir wollen Kultur nicht vermittelt bekommen. Uns interessieren Selbstinszenierungen engagierter Moderatoren und Diskussionsrunden nicht. Uns langweilen Sendungen wie Kulturplatz oder Literaturclub mehr und mehr, die in Social-Media-Manier rationales Argumentieren durch Daumen-hoch-und-runter-Geschmacksurteile ersetzen. Wir m\u00f6chten mehr von den Interviews, wie sie die Sternstunden-Moderatorin Barbara Bleisch mit Alice Schwarzer gef\u00fchrt hat.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">Das Zweifel-Heidenreich-Aff\u00e4rchen hat uns nun den Rest gegeben. Es hat die Doktrinen im SRF-Kulturprogramm best\u00e4tigt: Frau Heidenreich bringt ihre Abneigung gegen\u00fcber dem Philosophen Martin Heidegger (die wir im \u00fcbrigen teilen) mit einem interpretierenden Pseudozitat zum Ausdruck. Der Literaturclub-Moderator Zweifel zweifelt (v\u00f6llig zu recht) an der Authentizit\u00e4t des Zitats. Die Kulturredaktion von SRF findet es nicht n\u00f6tig, den Sachverhalt zu kl\u00e4ren und zieht (ob urs\u00e4chlich oder nicht, ist egal) Heidenreichs ruppige Rechthabereien aus dem Bauch Zweifels analytischer Skepsis sine ira et studio vor.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">Im Privatfernsehen k\u00f6nnte so etwas noch angehen, in einem \u00f6ffentlich-rechtlichen Sender darf\u00a0 Urteilen aus dem Bauch nicht \u00fcber faktenbasiertes Analysieren gestellt werden. Gesinnungsethik darf in einem \u00f6ffentlich-rechtlichen Sender nicht \u00fcberhandnehmen. Es w\u00e4re der erste Schritt weg vom demokratischen Auftrag.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">Wir hoffen, dass die fr\u00fcher so angenehme Doktrin in den Kulturabteilungen von SRF, dass nichts so sehr zu fesseln vermag wie authentisches rationales Denken und kritisches Nachfragen, sich wieder durchsetzt. Die h\u00f6here Gewichtung des Unterhaltungswertes gegen\u00fcber der Wahrheitssuche, wie sie sich zur Zeit dort breitzumachen scheint, ist beunruhigend.\u00a0<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\"><em>von Wolfgang B\u00f6hler<\/em><\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\"><img decoding=\"async\" src=\"images\/kolumnewb.jpg\" border=\"0\" alt=\"Portr\u00e4t Wolfgang B\u00f6hler\" style=\"float: left; margin: 4px;\" \/>30.05.2014 &#8212; Wir outen uns hier somit als ewiggestrige Langweiler (schon nur durch den anbiedernden Anglizismus). Wir schauen gerne in die R\u00f6hre, die heute allerdings keine mehr ist, sondern vielmehr eine d\u00fcnne Wand mit Internetanschluss, und wir freuen uns \u00fcber das \u00fcberaus reiche Kulturangebot auf unz\u00e4hligen Kan\u00e4len. Wir staunen auf Sendern wie BR-alpha \u00fcber jahrzehntealte, unscharfe und (technisch) \u00fcber- oder unterbelichtete Belehrungen Joachim Kaisers zu Opernklassikern, vergessen die Zeit ob klugen Gespr\u00e4chen in billig improvisierten Museumsfundusdekors zwischen dem Physiker Harald Lesch und dem Philosophen Wilhelm Vossenkuhl, wir k\u00f6nnen uns nicht sattsehen an den zahllosen Konzertmitschnitten, die uns Arte zur Zeit zur Verf\u00fcgung stellt (lassen Sie sich den sensationellen Mitschnitt eines Konzertes des Jazzgeigers Didier Lockwood mit Gr\u00f6ssen wie Patricia Petibon, Vadim Repin und Bireli Lagrene im Th\u00e9\u00e2tre du Ch\u00e2telet nicht entgehen!).<\/span><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[],"class_list":["post-1461","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-editorials","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1461","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1461"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1461\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1461"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1461"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1461"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}