{"id":1462,"date":"2014-06-01T11:34:31","date_gmt":"2014-06-01T11:34:31","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/06\/01\/haendels-amadigi-di-gaula-im-stadtcasino-basel\/"},"modified":"2014-06-01T11:34:31","modified_gmt":"2014-06-01T11:34:31","slug":"haendels-amadigi-di-gaula-im-stadtcasino-basel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/06\/01\/haendels-amadigi-di-gaula-im-stadtcasino-basel\/","title":{"rendered":"H\u00e4ndels \u00abAmadigi di Gaula\u00bb im Stadtcasino Basel"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">01.06.2014 &#8212; Das braucht schon eine geh\u00f6rige Portion Chuzpe, eine zweieinhalbst\u00fcndige Oper in asketischem Rahmen konzertant darzubieten \u2012 wenn ihre einzige Daseinsberechtigung eingestandenermassen viel Theaterdonner, optisches Spektakel, skurrile Szenen und launische Pappkulissenatmosph\u00e4re ausmachen soll. H\u00e4ndels \u00abAmadigi di Gaula\u00bb (HWV 11) ist auf den ersten Blick Spektakel pur, das Libretto \u00abSchmarrn\u00bb, wie selbst das Programmheft zum Konzert des Kammerorchester Basel \u00a0(KOB) im Basler Stadtcasino einr\u00e4umen muss.<\/span><\/p>\n<p>\u00a0<span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">01.06.2014 &#8212; <span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">Das braucht schon eine geh\u00f6rige Portion Chuzpe, eine zweieinhalbst\u00fcndige Oper in asketischem Rahmen konzertant darzubieten \u2012 wenn ihre einzige Daseinsberechtigung eingestandenermassen viel Theaterdonner, optisches Spektakel, skurrile Szenen und launische Pappkulissenatmosph\u00e4re ausmachen soll. H\u00e4ndels \u00abAmadigi di Gaula\u00bb (HWV 11) ist auf den ersten Blick Spektakel pur, das Libretto \u00abSchmarrn\u00bb, wie selbst das Programmheft zum Konzert des Kammerorchester Basel \u00a0(KOB) im Basler Stadtcasino einr\u00e4umen muss.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\"><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">Vor solchen Aufgaben scheiden sich aber halt eben die mittelm\u00e4ssigen Notenkleckser (die zu solcher Gelegenheit schlampige, auf den vordergr\u00fcndigen Effekt angelegte Tons\u00e4tze schreiben) von den Genies, de gar nicht anders k\u00f6nnen, als auch dem schnellen Fix exzellente Musik zu unterlegen. Erkannt hat dies bereits der massgebende Chronist des 18. Jahrhundert, Charles Burney: Mehr Erfindungsreichtum, Abwechslung und gute Kompositionen seien da enthalten, als in einigen anderen mit kritischem Ohr gepr\u00fcften musikalischen Dramen H\u00e4ndels, schreibt er in seiner \u00abAllgemeinen Geschichte der Musik\u00bb von 1789. \u00a0Wie recht er doch hat.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">Irgendwie geht es in \u00abAmadigi\u00bb um eine Dreiecksgeschichte im dysfunktionalen Milieu mythisch-mediterraner K\u00f6nigsh\u00e4user, angereichert mit Elementen erotischer Verwechslungskom\u00f6dien und dem obligaten Tod in Schande einer b\u00f6sen Hexe. Das Handlungsger\u00fcst bietet aber vor allem die Folie f\u00fcr eine Reihe Arien und Dialoge, in denen Gesangsstars (zu H\u00e4ndels Zeiten vor allem der Kastrat Niccol\u00f2 Grimaldi) zeigen k\u00f6nnen, was sie so drauf haben.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">Und nun wird\u2019s interessant: Die Basler Auff\u00fchrung hat eine Schicht der Musik freigelegt, die in einer historisch getreuen (also effektreichen) szenischen Auff\u00fchrung h\u00f6chstens zugem\u00fcllt werden d\u00fcrfte: Die grossartige Musik steht f\u00fcr sich, die musikalische Dramaturgie hat einen weiten Atem und die Feinzeichnung der emotionalen Befindlichkeiten ist von allerh\u00f6chster G\u00fcte. Hinter dem hippen Eventspektakel seiner Zeit verbirgt sich ein grossartiges St\u00fcck Kantatenkunst.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">Dem muss man zuerst mal gerecht werden, und da haben die Akteure rund um das KOB \u00a0nun wirklich alles richtig gemacht: Das homogene, exzellente Gesangsquartett besteht aus zwei Counterten\u00f6ren (Lawrence Zazzo und Filippo Mineccia) und zwei Sopranistinnen (Karina Gauvin und Roberta Invernizzi), die f\u00fcr die Schlussszenen und ein den Chor markierendes Gesangsquartett vom Bassbariton Valerio Zanelli und dem Tenor Beno\u00eet Haller erg\u00e4nzt werden. Sie haben \u2012 dies ein Nebeneffekt ihrer hohen Kunst \u2012 nie den Hauch eines Zweifels aufkommen lassen, dass der \u00dcberhang an hohen Stimmen das Werk besetzungsm\u00e4ssig aus der Balance bringen k\u00f6nnte.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">Im nicht minder brillanten Instrumentalensemble speziell ausgezeichnet haben sich die Bl\u00e4ser, allen voran Ute Hartwich an der Barocktrompete. (Die Konstellation hat uns neugierig gemacht. In Tat und Wahrheit war gut die H\u00e4lfte der Besetzung des Konzertes \u2012 die Streicherabteilung, nicht aber der Konzertmeister \u2012 Personal des KOB; der Rest, fast alle Bl\u00e4ser und die Basso-continuo-Abteilung, waren zugezogene Spezialisten. Das ist symptomatisch f\u00fcr moderne Markenf\u00fchrung im Orchestergesch\u00e4ft und schm\u00e4lert die Verdienste des KOB selbstverst\u00e4ndlich nicht).<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">Entscheidend mitverantwortet haben d\u00fcrfte den Erfolg der Dirigent Ottavio Dantone. Der musikalische Leiter der Accademia Bizantina in Ravenna steht f\u00fcr eine junge Generation von Barockspezialisten, die \u00fcber exzellente Kenntnisse der Interpretationskunst der Zeit verf\u00fcgen, ohne dem missioniarischen Furor fr\u00fcherer Alte-Musik-Pioniere zu verfallen. Vielmehr gelingt es ihnen, in der Musik H\u00e4ndels und seiner Wiedergabe das zeitlos G\u00fcltige des Ausdrucks herauszuarbeiten (Adepten wie der Barockopern-Kennerin, -Propagandistin und Schriftstellerin Donna Leon d\u00fcrfte das gefallen): eine zweifelssohne aristokratische Geschmackskultur, transformiert in heutige Formen der gehobenen, aber demokratisierten Lebensart.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">Das Konzert in Basel, das vom Publikum mit einer Standing Ovation honoriert wurde, war auch so etwas wie die Hauptprobe f\u00fcr Wiedergaben in Versailles (5. Juni) und im Rahmen der H\u00e4ndel-Festspiele Halle (7. Juni). Das Basler Ensemble d\u00fcrfte den sehr hoch gelegten Anspr\u00fcchen solcher H\u00e4ndelspielorte im wahrsten Sinne des Wortes spielerisch gerecht werden. <em>(wb)<\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\"><strong>Info:<\/strong> H\u00e4ndel. Amadigi di Gaula, HWV 11, Kammerorchester Basel, Stadtcasino Basel, Samstag, 31. Mai 2014, 19:30 Uhr.\u00a0<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">01.06.2014 &#8212; Das braucht schon eine geh\u00f6rige Portion Chuzpe, eine zweieinhalbst\u00fcndige Oper in asketischem Rahmen konzertant darzubieten \u2012 wenn ihre einzige Daseinsberechtigung eingestandenermassen viel Theaterdonner, optisches Spektakel, skurrile Szenen und launische Pappkulissenatmosph\u00e4re ausmachen soll. 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