{"id":147,"date":"2014-01-09T15:15:52","date_gmt":"2014-01-09T15:15:52","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/09\/julia-fischer-und-die-farben-des-herbstes\/"},"modified":"2014-01-09T15:15:52","modified_gmt":"2014-01-09T15:15:52","slug":"julia-fischer-und-die-farben-des-herbstes","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/09\/julia-fischer-und-die-farben-des-herbstes\/","title":{"rendered":"Julia Fischer und die Farben des Herbstes"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2011\/110819poeme.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/>19.08.2011 &#8212; Der Vorbote des Herbstes ist das Licht, das im Moment am Morgen nebliger scheint, als es an Hochsommertagen sein m\u00fcsste. Der August neigt sich ja auch seinem Ende zu. In fahles Licht getaucht ist auch das Portr\u00e4t der Geigerin Julia Fischer auf dem Booklet der CD \u00abPo\u00e8me\u00bb, das ein anderes Herbstportr\u00e4t er\u00f6ffnet, Ottorino Respighis <em>Poema autunnale<\/em>. Fischer l\u00e4chelt uns auch auf den Seiten zwei und vier raumf\u00fcllend im Halbprofil an, was fast so etwas wie eine Art Daumenkino ergibt. Die wechselnden Gesichtsausdr\u00fccke scheinen uns da ebenfalls einen lyrischen Aphorismus vorzutragen.<\/p>\n<p> Auch Respighis faszinierender Eins\u00e4tzer erz\u00e4hlt hier ungewollt eine Geschichte, eine herbstliche, von Vergehen und Sterben. Julia Fischer schreibt im Booklet, eigentlich habe sie das Werk bereits Ende der 1990-Jahre einspielen wollen, dann sei aber der vorgesehene Dirigent Giuseppe Sinopoli verstorben. Der Tod \u00fcberschattet auch die nun im November vergangenen Jahres erfolgte Aufnahme. Ihr Dirigent Yakov Kreizberg ist nur wenige Monate nach der Studioarbeit \u2013 im M\u00e4rz dieses Jahres im Alter von erst 51 Jahren \u2013 ebenfalls verstorben. <\/p>\n<p> So ist die CD fast zu einer Art Verm\u00e4chtnis f\u00fcr den guten Freund und Mentor Fischers geworden. Es finden sich darauf neben dem musikalischen Gedicht Respighis die <em>Fantasie<\/em> in d-Moll seines tschechischen Zeitgenossen Josef Suk, das <em>Po\u00e8me<\/em> op. 25 des Franzosen Ernest Chausson und <em>The Lark Ascending<\/em> des Briten Ralph Vaughan Williams, die beide ebenfalls zwischen Fin de Si\u00e8cle und Weltkriegswirren mit Tinte und Notenpapier laboriert haben. <\/p>\n<p> Das Programm \u00fcberrascht etwas, Fischer neigt diskographisch sonst eher zu heimatlicher Kost \u2013 Brahms, Bach, Mozart sind ihre Favoriten, daneben einige Russen. Fischer macht im Booklet allerdings eine interessante Bemerkung, die \u00e4hnliche Einsch\u00e4tzungen von Szenekennern best\u00e4tigen (siehe Codex-flores-<a href=\"http:\/\/212.60.37.143\/rezensionen_ind3.php?art=710\">Interview<\/a> mit Mischa Damev): \u00abDas Repertoire\u00bb, so Fischer, \u00abist geschrumpft, wenn man sich ansieht, was Jascha Heifetz oder David Oistrakh f\u00fcr Konzerte gespielt haben\u00bb. Auch Rezitalprogramme seien klischeehaft und sonatenfixiert geworden, wenn man Kreisler spiele, glaubten die Leute, man meine es nicht ernst. <\/p>\n<p> Lyrisches steht nicht so hoch im Kurs, das Album ist deshalb mutig, was sich die popul\u00e4re Violinistin allerdings erlauben kann. Und wie schafft man eine lyrische Atmosph\u00e4re? Mit Doppelgriffen! meint Fischer. Respighi und Vaughan Williams nutzen den technischen Kunstgriff (!) geschickt, und Chausson kreiert damit in einer Kadenz \u00abseltsame Harmonien\u00bb, die \u00absehr melancholisch und interessant\u00bb klingen. <\/p>\n<p> Fischers Pers\u00f6nlichkeit hat (auch mit Doppelgriffen) nichts von der ungreifbar-verfliessenden Unfassbarkeit sp\u00e4tromantischer Innerlichkeit. Sie setzt hier &#8211; zusammen mit dem wunderbar subtil und harmonisch mitgestaltenden Orchestre Philharmonique de Monte-Carlo &#8211; Massst\u00e4be. Sei\u2019s in technischer Hinsicht, sei\u2019s aber auch in expressiver. <em>(wb)<\/em><\/p>\n<p> <em><span class=\"txt-s-black\" style=\"font-size: x-small;\">Julia Fischer: Po\u00e8me. Werke von Ernest Chausson (Po\u00e8me op. 25), Ottorino Respighi (Poema autunnale), Joseph Suk (Fantasie d-Moll) und Ralph Vaughan Williams (The Lark Ascending). Orchestre Philharmonique de Monte-Carlo, Yakov Kreizberg (Leitung). Decca\/Universal, Best.-Nr. 478 2684.<\/span><\/em><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>19.08.2011 &#8212; Der Vorbote des Herbstes ist das Licht, das im Moment am Morgen nebliger scheint, als es an Hochsommertagen&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4],"tags":[],"class_list":["post-147","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-im-gespraech","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/147","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=147"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/147\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=147"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=147"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=147"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}