{"id":1479,"date":"2014-06-06T10:30:46","date_gmt":"2014-06-06T10:30:46","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/06\/06\/ein-samba-film-zur-fussballweltmeisterschaft\/"},"modified":"2014-06-06T10:30:46","modified_gmt":"2014-06-06T10:30:46","slug":"ein-samba-film-zur-fussballweltmeisterschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/06\/06\/ein-samba-film-zur-fussballweltmeisterschaft\/","title":{"rendered":"Ein Samba-Film zur Fussballweltmeisterschaft"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"images\/bilder2014\/140606o-samba2.jpg\" border=\"0\" alt=\"Filmstill\" title=\" Martinho da Vila mit drei T\u00f6chtern (Mart'nalia, Maira, Freitas), S\u00e4ngerin Paula Lima &amp; S\u00e4ngerin Fernanda Abreu. Copyright SRF\/Gachot Films\" width=\"200\" style=\"float: left; margin: 4px 8px;\" \/><\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">06.06.2014 &#8212; Die Fussball-WM in Brasilien gibt vielen Medien Gelegenheit, das gr\u00f6sste Land S\u00fcdamerikas von allen Seiten zu beleuchten und dabei manchmal auch bloss die alten Klischees von Sonne, Strand, Samba und Lebensfreude aufzuw\u00e4rmen. Deutlich heraus sticht Georges Gachots exzellenter Dokumentarfilm, \u00abO Samba\u00bb, den das koproduzierende Schweizer Fernsehen SRF diesen Sonntag in seiner \u00abSternstunde Kunst\u00bb zeigt. Er portr\u00e4tiert\u00a0 den Sambamusiker Martinho da Vila und die Sambaschule Vila Isabel von Rio de Janeiro. Dabei l\u00e4sst er einiges von der Stimmung und der Philosophie der als Gemeinschaftsprojekte angelegten Kollektive erahnen, die sich j\u00e4hrlich in einem harten Wettkampf messen. Die eigenst\u00e4ndige und \u00fcberaus vielf\u00e4ltige Musikultur Brasiliens ist \u2012 dar\u00fcber t\u00e4uscht die entspannte Joie de vivre ihrer Exponenten nach aussen hin gerne hinweg \u2012 generell eingebettet in gnadenlos leistungsorientierte Wettbewerbssysteme.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\"><img decoding=\"async\" src=\"images\/bilder2014\/140606o-samba2.jpg\" border=\"0\" alt=\"Filmstill\" title=\" Martinho da Vila mit drei T\u00f6chtern (Mart'nalia, Maira, Freitas), S\u00e4ngerin Paula Lima &amp; S\u00e4ngerin Fernanda Abreu. Copyright SRF\/Gachot Films\" width=\"200\" style=\"float: left; margin: 4px 8px;\" \/><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">06.06.2014 &#8212; Die Fussball-WM in Brasilien gibt vielen Medien Gelegenheit, das gr\u00f6sste Land S\u00fcdamerikas von allen Seiten zu beleuchten und dabei manchmal auch bloss die alten Klischees von Sonne, Strand, Samba und Lebensfreude aufzuw\u00e4rmen. Deutlich heraus sticht Georges Gachots exzellenter Dokumentarfilm, \u00abO Samba\u00bb, den das koproduzierende Schweizer Fernsehen SRF diesen Sonntag in seiner \u00abSternstunde Kunst\u00bb zeigt. Er portr\u00e4tiert\u00a0 den Sambamusiker Martinho da Vila und die Sambaschule Vila Isabel von Rio de Janeiro. Dabei l\u00e4sst er einiges von der Stimmung und der Philosophie der als Gemeinschaftsprojekte angelegten Kollektive erahnen, die sich j\u00e4hrlich in einem harten Wettkampf messen. Die eigenst\u00e4ndige und \u00fcberaus vielf\u00e4ltige Musikultur Brasiliens ist \u2012 dar\u00fcber t\u00e4uscht die entspannte Joie de vivre ihrer Exponenten nach aussen hin gerne hinweg \u2012 generell eingebettet in gnadenlos leistungsorientierte Wettbewerbssysteme.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">Die H\u00f6hepunkte der Doku k\u00f6nnten allerdings leicht verpasst werden, so beil\u00e4ufig sind sie eingestreut. So ist der Name da Vilas hierzulande kaum bekannt, eines seiner Lieder allerdings kennt in Europa jeder, weil es Nana Mouskouri (\u00abQuand tu chantes\u00bb) zu einem Welthit verholfen hat. In der Dok sieht man Martinho, wie er die mittlerweile achtzigj\u00e4hrige griechische S\u00e4ngerin im Pariser Studio besucht, die auch nicht mehr wirklich Herrin ihrer Stimme ist. Erhellend sind Martinhos Anmerkungen zur Geschichte des Liedes, das er als (revolution\u00e4re) Aufforderung zu mehr positivem Selbstbewusstsein Unterprivilegierter geschrieben habe und in der europ\u00e4ischen Version zu einem harmlos-netten Wohlf\u00fchlsong mutiert sei.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">Noch fast bedeutender ist eine beil\u00e4ufige Bemerkung Martinhos zum Gesangsstil Brasiliens. Ein Franzose, so der S\u00e4nger, versuche etwa ein romantisches Lied zu verk\u00f6rpern und die Zuh\u00f6rerschaft mitleiden lassen. Der Brasilianer hingegen vermeide \u00abPathos\u00bb (Martinho verwendet den Ausdruck \u00abSofrimento\u00bb \u2012 Leiden \u2012, ob man es wirklich wie im Off-Kommentar mit \u00abPathos\u00bb \u00fcbersetzen kann, ist fraglich. \u00abPathos\u00bb t\u00f6nt da etwas zu\u2026 pathetisch). Ein Brasilianer wolle ein Lied einfach gut interpretieren, ohne den Anspruch, sein Publikum traurig zu stimmen. Das sagt Entscheidendes aus \u00fcber das Lebensverst\u00e4ndnis der Brasilianer, es ist ein wichtiger Grund daf\u00fcr, weshalb sie uns so liebensw\u00fcrdig erscheinen. Sie sind im Umgang wie eben der S\u00e4nger unaffektiert-pragmatisch, lassen sich \u2012 auch in der Familie und weiteren sozialen Gemeinschaften \u2012 leben und setzen im Alltag viel Toleranz gegen\u00fcber individueller Entfaltung und Interessen. Was sie allerdings nur schlecht ertragen \u2012 auch das kommt im Film gut zum Ausdruck \u2012 ist emotionale K\u00e4lte, pers\u00f6nliche Geringsch\u00e4tzung und Gleichg\u00fcltigkeit.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">Ganz kurz ist im Film im \u00fcbrigen am Rande auch noch die Rede von Jair Rodriques, der im Studio erwartet werde. Dort treffen sich einige der ganz Grossen mit Martinho zum gemeinsamen Singen, darunter auch ein ebenfalls sichtlich gealterter Ney Matogrosso. Rodrigues ist am 8.Mai dieses Jahres gestorben. Zusammen mit der hierzulande ungleich bekannteren Elis Regina pr\u00e4gte er in den 1960er-Jahren die brasilianische Popularmusik mit. Die beiden waren etwa Partner in der legend\u00e4ren TV-Sendung \u00a0\u00abO Fino da Bossa\u00bb (\u00abDas Beste des Bossa [Nova]\u00bb). <em>(wb)<\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\"><strong>Info:<\/strong> \u00abO Samba\u00bb, Dokumentarfilm von Georges Gachot, CH 2014, Sonntag, 8. Juni 2014, 11.55 Uhr, SRF 1.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"images\/bilder2014\/140606o-samba2.jpg\" border=\"0\" alt=\"Filmstill\" title=\" Martinho da Vila mit drei T\u00f6chtern (Mart'nalia, Maira, Freitas), S\u00e4ngerin Paula Lima &amp; S\u00e4ngerin Fernanda Abreu. Copyright SRF\/Gachot Films\" width=\"200\" style=\"float: left; margin: 4px 8px;\" \/><\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">06.06.2014 &#8212; Die Fussball-WM in Brasilien gibt vielen Medien Gelegenheit, das gr\u00f6sste Land S\u00fcdamerikas von allen Seiten zu beleuchten und dabei manchmal auch bloss die alten Klischees von Sonne, Strand, Samba und Lebensfreude aufzuw\u00e4rmen. Deutlich heraus sticht Georges Gachots exzellenter Dokumentarfilm, \u00abO Samba\u00bb, den das koproduzierende Schweizer Fernsehen SRF diesen Sonntag in seiner \u00abSternstunde Kunst\u00bb zeigt. Er portr\u00e4tiert\u00a0 den Sambamusiker Martinho da Vila und die Sambaschule Vila Isabel von Rio de Janeiro. Dabei l\u00e4sst er einiges von der Stimmung und der Philosophie der als Gemeinschaftsprojekte angelegten Kollektive erahnen, die sich j\u00e4hrlich in einem harten Wettkampf messen. Die eigenst\u00e4ndige und \u00fcberaus vielf\u00e4ltige Musikultur Brasiliens ist \u2012 dar\u00fcber t\u00e4uscht die entspannte Joie de vivre ihrer Exponenten nach aussen hin gerne hinweg \u2012 generell eingebettet in gnadenlos leistungsorientierte Wettbewerbssysteme.<\/span><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4],"tags":[],"class_list":["post-1479","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-im-gespraech","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1479","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1479"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1479\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1479"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1479"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1479"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}