{"id":149,"date":"2014-01-09T15:17:47","date_gmt":"2014-01-09T15:17:47","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/09\/wilhelm-tell-im-franzoesischen-original\/"},"modified":"2014-01-09T15:17:47","modified_gmt":"2014-01-09T15:17:47","slug":"wilhelm-tell-im-franzoesischen-original","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/09\/wilhelm-tell-im-franzoesischen-original\/","title":{"rendered":"Wilhelm Tell im franz\u00f6sischen Original"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2011\/110722tell.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/>22.07.2011 &#8212; Es ist ja bald 1. August \u2013 der Schweizer Nationalfeiertag \u2013, da f\u00fchlen wir uns ganz patriotisch. Gerade richtig kommt da eine ungew\u00f6hnliche Neueinspielung von Rossinis \u00abWilhelm Tell\u00bb <em>in der Originalsprache<\/em> Franz\u00f6sisch. Originalsprache? \u00abLa nuit, \u00e0 nos desseins propice\/Nous entoure d\u00e9j\u00e4 d\u2019une ombre protectrice\u00bb &#8211; hat Tell im Original auf dem R\u00fctli das tats\u00e4chlich so gesagt?<\/p>\n<p> Nun ja: \u00abDie Nacht ist unseren Pl\u00e4nen g\u00fcnstig; sie umringt uns schon mit sch\u00fctzendem Dunkel\u00bb wird\u2019s wohl auch kaum gewesen sein, schon eher ein unwillig in den Bart gemurmeltes \u00abManne, a d\u2019Seck\u00bb oder so. Eine sprechende Metapher f\u00fcr die Schweiz ist wohl eher die Geschichte der Libretto-Versionen: Die deutsche \u00dcbersetzung folgt (laut Anmerkung im Booklet) der italienischen \u00dcbersetzung des franz\u00f6sischen Originals von Calisto Bassi \u2013 das wiederum muss ja fast vom deutschen Text Schillers inspiriert sein. Was will man mehr in der mehrsprachigen Schweiz.<\/p>\n<p> \u00abGuillaume Tell\u00bb in der Originalsprache wird hier von einem kosmopolitischen Ensemble dargeboten. Der Dirigent Antonio Pappano ist Italiener, Chor und Orchester kommen auch vom Stiefel (Orchestra e Coro dell\u2019Accademia Nazionale di Santa Cecilia), der Tell (Gerald Finley) ist ein in England ausgebildeter Kanadier, Hedwig (Marie Nicole Lemieux) eine Landsfrau Tells, respektive Finleys, Tells Sohn (Elena Xanthoudakis) ist Australo-Griechin (in einer Kurzhosenrolle), Mathilde (Malin Bystr\u00f6m) Schwedin, Arnold Melchthal (John Osborn) und Walter F\u00fcrst (Matthew Rose) sind US-Amerikaner, Melchthals Vater (Fr\u00e9d\u00e9ric Caton) Franzose, Gessler und sein Scherge Rudolph (Carlo Cigni) sind Italiener, Leuthold (Dawid Kimberg) ein S\u00fcdafrikaner. Schweizer ist keiner, schon gar nicht Urschweizer. <\/p>\n<p> So ist es halt eben in den Opernh\u00e4usern. Kaum eine andere Institution eignet sich so schlecht als Symbol f\u00fcr patriotische Anwandlungen. Sie ist seit jeher (vom italienisch-franz\u00f6sischen Querelle des Bouffons im 18. Jahrhundert mal abgesehen) grenzenlos und alleine der Kunst (und ein ganz, ganz klein bisschen auch dem Geld) und nicht der Nation verpflichtet. <\/p>\n<p> Etwas Schweizerisches hat die Oper dennoch: Die eigentliche Heldin des Werkes ist n\u00e4mlich \u2013 ganz basisdemokratisch \u2013 das Volk in Form des Chores. Da strecken nicht einzelne den Kopf in die H\u00f6he, die \u00abLandsgemeinde\u00bb hat das Sagen, oder in diesem Fall das Singen. Der Coro dell\u2019Accademia Nazionale di Santa Cecilia wirkt da <em>larger than life<\/em>: Soviel vitale Power, soviel Schmiss und Schwung w\u00fcnschte man sich manchmal auch vom Volk der Sennen, dessen Kollektivcharakter doch eher der emotionalen Zur\u00fcckhaltung verpflichtet scheint. <\/p>\n<p> Man k\u00f6nnte meinen, die Aufnahme sei ein Schnappschuss aus einer szenischen Auff\u00fchrung, denn da wird mit dem breiten Opernpinsel gearbeitet: Schon die Ouvert\u00fcre hat die packende Kraft des Theatralischen, auch sp\u00e4ter wackeln ab und zu die Eins\u00e4tze als m\u00fcssten B\u00fchnengeschehen und Orchestergraben st\u00e4ndig neu koordiniert werden. <\/p>\n<p> Der Einspielung zugrunde liegen aber offenbar konzertante Wiedergaben (insgesamt sechs) vom Oktober und Dezember 2010 in Rom \u2013 eine zusammengeschnipselte Near-Life-Produktion also. Auch damit wird man in der Schweiz leben k\u00f6nnen: Ihr pragmatisches Staatswesen ist ja auch ein f\u00f6rderalistisches Zusammenw\u00fcrfeln dessen, was gerade passt. <em>(wb)<\/em><\/p>\n<p> <span class=\"txt-s-black\"><em><span style=\"font-size: x-small;\">Rossini: William Tell In The Original French. Orchestra e Coro dell\u2019Accademia Nazionale di Santa Cecilia, Antonio Pappano (Leitung). Solisten: Gerald Finley, John Osborn, Malin Bystr\u00f6m, Marie-Nicole Lemieux und andere. EMI Classics, 3 CD+Booklet, Best.-Nr. 50999 0 28826 2 8.<\/span><\/em><br \/><\/span><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>22.07.2011 &#8212; Es ist ja bald 1. August \u2013 der Schweizer Nationalfeiertag \u2013, da f\u00fchlen wir uns ganz patriotisch. 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