{"id":1502,"date":"2014-06-17T11:48:34","date_gmt":"2014-06-17T11:48:34","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/06\/17\/schaemen-fremdschaemen-und-andere-schamlosigkeiten\/"},"modified":"2014-06-17T11:48:34","modified_gmt":"2014-06-17T11:48:34","slug":"schaemen-fremdschaemen-und-andere-schamlosigkeiten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/06\/17\/schaemen-fremdschaemen-und-andere-schamlosigkeiten\/","title":{"rendered":"Sch\u00e4men, Fremdsch\u00e4men und Musizieren"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\"><em><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">von Wolfgang B\u00f6hler<\/p>\n<p><\/span><\/em><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\"><img decoding=\"async\" src=\"images\/kolumnewb.jpg\" border=\"0\" style=\"margin: 8px; float: left;\" \/>Ein Wort geistert vermehrt durch die Medien, vor allem mit Blick auf die Sozialen Medien und ihre teils sonderbaren Gepflogenheiten der Kommunikation. Der Drang zu Mitteilung auch banalster Ereignisse und Handlungen provoziert immer h\u00e4ufiger <em>Fremdsch\u00e4men<\/em>. Es scheint sich um eine neue Form pubert\u00e4rer, lustvoll-schauriger und voyeuristischer Freude an einer Grenz\u00fcberschreitung zu handeln, wie sie fr\u00fcher skurrile Streiche unter Pfadfindern oder Blossstellungen in Schulklassen repr\u00e4sentierten. Zum neuen Trend passt der unter Jugendlichen in Mode gekommene Ausdruck \u00abOpfer\u00bb als herabsetzender Spottausdruck f\u00fcr Schw\u00e4chere in der Gruppe. Auf der andern Seite scheinen Heranwachsende in ihrem Selbstdarstellungsdrang auf Plattformen wie Instagram, Whatsapp oder Facebook die Grenzen des Schicklichen (ja, ja, das ist ein braves und altert\u00fcmliches Wort) h\u00e4ufig nicht mehr intuitiv richtig zu setzen.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>\u00a0<span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\"><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">von Wolfgang B\u00f6hler<\/p>\n<p><\/span><\/span><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\"><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\"><img decoding=\"async\" src=\"images\/kolumnewb.jpg\" border=\"0\" style=\"margin: 8px; float: left;\" \/><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\"><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">Ein Wort geistert vermehrt durch die Medien, vor allem mit Blick auf die Sozialen Medien und ihre teils sonderbaren Gepflogenheiten der Kommunikation. Der Drang zu Mitteilung auch banalster Ereignisse und Handlungen provoziert immer h\u00e4ufiger <em>Fremdsch\u00e4men<\/em>. Es scheint sich um eine neue Form pubert\u00e4rer, lustvoll-schauriger und voyeuristischer Freude an einer Grenz\u00fcberschreitung zu handeln, wie sie fr\u00fcher skurrile Streiche unter Pfadfindern oder Blossstellungen in Schulklassen repr\u00e4sentierten. Zum neuen Trend passt der unter Jugendlichen in Mode gekommene Ausdruck \u00abOpfer\u00bb als herabsetzender Spottausdruck f\u00fcr Schw\u00e4chere in der Gruppe. Auf der andern Seite scheinen Heranwachsende in ihrem Selbstdarstellungsdrang auf Plattformen wie Instagram, Whatsapp oder Facebook die Grenzen des Schicklichen (ja, ja, das ist ein braves und altert\u00fcmliches Wort) h\u00e4ufig nicht mehr intuitiv richtig zu setzen.<\/span>\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00d6ffentliches Musizieren ist wie kaum eine andere T\u00e4tigkeit eng mit potentiellen Schamerlebnissen verbunden. Davon zeugen Lampenfieber und die Verletzlichkeit gegen\u00fcber herabsetzenden Gesten und Bemerkungen, die in Sekunden Musikerleben zerst\u00f6ren k\u00f6nnen. Es geh\u00f6rt zu den grossen Themen der Musikpraxis.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">Mit solchen Ph\u00e4nomen umzugehen (oder eben nicht) war einmal Dom\u00e4ne der Musikerziehung. Das Vorsingen vor einer Klasse, Vortrags\u00fcbungen mit dem Instrument, \u00f6ffentliche Auftritte an Gemeindeanl\u00e4ssen waren (und sind) nicht nur musikalische \u00dcbungen, sondern auch Beitr\u00e4ge zur Pers\u00f6nlichkeitsbildung. Das vortragende Kind lernt, mit seinen nat\u00fcrlichen Schamgef\u00fchlen umzugehen, sich emotional zu exponieren und dabei die pers\u00f6nlichen Grenzen auszuloten und richtig zu setzen. Die Kinder im Publikum lernen, sich respekt- und r\u00fccksichtsvoll zu verhalten. Das sind noch immer weit untersch\u00e4tzte kollaterale Lerneffekte des Musikunterrichts <span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u2012 <\/span>wenn die daf\u00fcr Verantwortlichen damit souver\u00e4n umgehen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">Heute scheint es Heranwachsenden nicht mehr selbstverst\u00e4ndlich zumutbar, sich derart zu exponieren. Umgang mit Intimem \u2012 damit ist jetzt nicht in erster Linie die erwachende Sexualit\u00e4t, sondern eben das richtige Gesp\u00fcr f\u00fcr die personale W\u00fcrde gemeint \u00a0\u2012 soll nicht mehr in die Zust\u00e4ndigkeit von Schule und Berufsausbildungen fallen. Das ist ein fatales Zeichen der Vertrauensverlustes in der Gesellschaft. Gerade die Kunsterziehung sollte diese Dimensionen des Menschwerdens wieder f\u00fcr sich reklamieren: das Ein\u00fcben des Umgang mit Emotionalit\u00e4t, Werten und \u00d6ffentlichkeit.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">Es w\u00e4re das beste Mittel, um das derzeitige Desaster der Hilflosigkeit gegen\u00fcber Mobbing, Sexting, Bullying und so weiter in den Griff zu bekommen. \u00a0Heranwachsende sollen einerseits lernen die Grenzen zwischen Privatem und \u00d6ffentlichem angemessenen zu sehen, andererseits aber in der Lage sein, sich angstfrei und auch als gef\u00fchlsbestimmte Pers\u00f6nlichkeiten sicher zu exponieren. \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\"><em><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">von Wolfgang B\u00f6hler<\/p>\n<p><\/span><\/em><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\"><img decoding=\"async\" src=\"images\/kolumnewb.jpg\" border=\"0\" style=\"margin: 8px; float: left;\" \/>Ein Wort geistert vermehrt durch die Medien, vor allem mit Blick auf die Sozialen Medien und ihre teils sonderbaren Gepflogenheiten der Kommunikation. Der Drang zu Mitteilung auch banalster Ereignisse und Handlungen provoziert immer h\u00e4ufiger <em>Fremdsch\u00e4men<\/em>. Es scheint sich um eine neue Form pubert\u00e4rer, lustvoll-schauriger und voyeuristischer Freude an einer Grenz\u00fcberschreitung zu handeln, wie sie fr\u00fcher skurrile Streiche unter Pfadfindern oder Blossstellungen in Schulklassen repr\u00e4sentierten. Zum neuen Trend passt der unter Jugendlichen in Mode gekommene Ausdruck \u00abOpfer\u00bb als herabsetzender Spottausdruck f\u00fcr Schw\u00e4chere in der Gruppe. Auf der andern Seite scheinen Heranwachsende in ihrem Selbstdarstellungsdrang auf Plattformen wie Instagram, Whatsapp oder Facebook die Grenzen des Schicklichen (ja, ja, das ist ein braves und altert\u00fcmliches Wort) h\u00e4ufig nicht mehr intuitiv richtig zu setzen.<\/span><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[],"class_list":["post-1502","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-editorials","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1502","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1502"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1502\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1502"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1502"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1502"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}