{"id":1528,"date":"2014-06-27T09:57:56","date_gmt":"2014-06-27T09:57:56","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/06\/27\/die-freie-musikwelt-und-die-rechte-der-homosexuellen\/"},"modified":"2014-06-27T09:57:56","modified_gmt":"2014-06-27T09:57:56","slug":"die-freie-musikwelt-und-die-rechte-der-homosexuellen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/06\/27\/die-freie-musikwelt-und-die-rechte-der-homosexuellen\/","title":{"rendered":"Die freie Musikwelt und die Rechte der Homosexuellen"},"content":{"rendered":"<p><em>von Wolfgang B\u00f6hler<\/em><\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"images\/kolumnewb.jpg\" border=\"0\" alt=\"Portr\u00e4t Wolfgang B\u00f6hler\" style=\"float: left; margin: 8px;\" \/>27.06.2014 &#8212; Dank dem \u00d6konomen Richard Florida wissen wir, dass sich kreative Szenen bevorzugt dort bilden, wo die Toleranz gegen\u00fcber Homosexuellen besonders hoch ist und sich gesellschaftliche Subkulturen aufgrund eines offenen Klimas besonders frei entfalten k\u00f6nnen. Wenn solches zutrifft, dann ist das gut, und zwar nicht bloss aus wirtschaftlichen Gr\u00fcnden. Es ist in freien Gesellschaften, die wir uns alle w\u00fcnschen, auch aus elementaren menschlichen Gr\u00fcnden gut. Alle sollen nach ihrer Fa\u00e7on selig werden k\u00f6nnen und dabei als Menschen uneingeschr\u00e4nkt respektiert werden. Es gibt weniger freie Gesellschaften, die eine solche Toleranz nicht in ihren Genen haben. In solchen Gemeinschaften machen Intellektuelle und K\u00fcnstler nur Karriere, indem sie mehr oder weniger geschickt zwischen Opportunismus und dem Mut zur Individualit\u00e4t man\u00f6vrieren. Manche haben Staatsdoktrinen und gesellschaftliche Dogemn auch so verinnerlicht, dass nicht zu entscheiden ist, ob Vorurteile und Engstirnigkeiten nun ihren eigenen \u00dcberzeugungen entspringen oder bloss ideologischem Pragmatismus.<\/p>\n<p>\u00a0<img decoding=\"async\" src=\"images\/kolumnewb.jpg\" border=\"0\" alt=\"Portr\u00e4t Wolfgang B\u00f6hler\" style=\"float: left; margin: 8px;\" \/>27.06.2014 &#8212; Dank dem \u00d6konomen Richard Florida wissen wir, dass sich kreative Szenen bevorzugt dort bilden, wo die Toleranz gegen\u00fcber Homosexuellen besonders hoch ist und sich gesellschaftliche Subkulturen aufgrund eines offenen Klimas besonders frei entfalten k\u00f6nnen. Wenn solches zutrifft, dann ist das gut, und zwar nicht bloss aus wirtschaftlichen Gr\u00fcnden. Es ist in freien Gesellschaften, die wir uns alle w\u00fcnschen, auch aus elementaren menschlichen Gr\u00fcnden gut. Alle sollen nach ihrer Fa\u00e7on selig werden k\u00f6nnen und dabei als Menschen uneingeschr\u00e4nkt respektiert werden. Es gibt weniger freie Gesellschaften, die eine solche Toleranz nicht in ihren Genen haben. In solchen Gemeinschaften machen Intellektuelle und K\u00fcnstler nur Karriere, indem sie mehr oder weniger geschickt zwischen Opportunismus und dem Mut zur Individualit\u00e4t man\u00f6vrieren. Manche haben Staatsdoktrinen und gesellschaftliche Dogmen auch so verinnerlicht, dass nicht zu entscheiden ist, ob Vorurteile und Engstirnigkeiten nun ihren eigenen \u00dcberzeugungen entspringen oder bloss ideologischem Pragmatismus.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>In der freien Welt wird nicht zuletzt in den Kreativszenen \u00e4usserst empfindlich auf tats\u00e4chliche oder bloss mutmassliche Homophobie reagiert. Die Angst, die Freir\u00e4ume, die vor allem hier geschaffen worden sind, zu verlieren, scheint gross. Die Verteidigungsbereitschaft ist berechtigt, denn auch hierzulande m\u00f6chten viele das Rad immer wieder gerne zur\u00fcckdrehen. Auf mutmassliche homosexuellenkritische oder gar \u2011feindliche \u00c4usserungen und \u2011unterst\u00fctzungen wird da sehr schnell und wirkungsvoll mit Shitstorms, Boykotten und schliesslich Auftrittsverboten reagiert, ohne dass differenzierte Abkl\u00e4rungen der Hintergr\u00fcnde und Motive von Beschuldigten abgewartet w\u00fcrden. Die Reaktionen k\u00f6nnen den Charakter von \u00f6ffentlichen Schauprozessen annehmen, die von den Medien gedankenlos mitgetragen werden.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Wie momentan mit der georgischen S\u00e4ngerin Tamar Iveri umgesprungen wird, ist sehr beunruhigend. Aus H\u00f6rensagen, selektiven Wahrnehmungen und Tunnelblicken wird eine Schnellaburteilung konstruiert, die f\u00fcr die talentierte Musikerin einer faktischen Karrierevernichtung gleichzukommen scheint. Es geht auch anders, wie das Beispiel der Debatte um Valery Gergiev in M\u00fcnchen gezeigt hat.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Das Thema Homosexualit\u00e4t d\u00fcrfte gesellschaftlich beim Einstehen f\u00fcr eine freie Welt eine Schl\u00fcsselrolle spielen. Wenn in der ach so freien Welt aber aufgrund von \u00f6ffentlicher Emp\u00f6rung und Polemiken und nicht aufgrund differenzierter Abkl\u00e4rungen und Diskussionen mit Anh\u00f6rung aller Parteien K\u00fcnstler vernichtet werden, dann zeigt sie eine \u00e4hnlich h\u00e4ssliche Fratze wie die Dikaturen, die sie zu \u00fcberwinden glaubt.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Es ist zu hoffen, die freie Welt realisiert,dass sie doppelt auf dem Pr\u00fcfstand steht: Einerseits im Ungang mit Homosexuellen und ihren selbstverst\u00e4ndlichen Rechten, anderseits im Umgang mit Kritiken und Polemiken von Vertretern aus L\u00e4ndern, in denen Homophobie entweder zur Staatsdoktrin (wie vermehrt in Russland) oder zur breiten religi\u00f6sen Selbstverst\u00e4ndlichkeit (wie in Georgien) geh\u00f6rt. Intoleranz bek\u00e4mpft man nicht mit Vorverurteilung und gesellschaftlicher Lynchjustiz.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><em>von Wolfgang B\u00f6hler<\/em><\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"images\/kolumnewb.jpg\" border=\"0\" alt=\"Portr\u00e4t Wolfgang B\u00f6hler\" style=\"float: left; margin: 8px;\" \/>27.06.2014 &#8212; Dank dem \u00d6konomen Richard Florida wissen wir, dass sich kreative Szenen bevorzugt dort bilden, wo die Toleranz gegen\u00fcber Homosexuellen besonders hoch ist und sich gesellschaftliche Subkulturen aufgrund eines offenen Klimas besonders frei entfalten k\u00f6nnen. Wenn solches zutrifft, dann ist das gut, und zwar nicht bloss aus wirtschaftlichen Gr\u00fcnden. Es ist in freien Gesellschaften, die wir uns alle w\u00fcnschen, auch aus elementaren menschlichen Gr\u00fcnden gut. Alle sollen nach ihrer Fa\u00e7on selig werden k\u00f6nnen und dabei als Menschen uneingeschr\u00e4nkt respektiert werden. Es gibt weniger freie Gesellschaften, die eine solche Toleranz nicht in ihren Genen haben. In solchen Gemeinschaften machen Intellektuelle und K\u00fcnstler nur Karriere, indem sie mehr oder weniger geschickt zwischen Opportunismus und dem Mut zur Individualit\u00e4t man\u00f6vrieren. 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