{"id":153,"date":"2014-01-09T15:24:33","date_gmt":"2014-01-09T15:24:33","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/09\/verachtet-mir-die-meister-nicht\/"},"modified":"2014-01-09T15:24:33","modified_gmt":"2014-01-09T15:24:33","slug":"verachtet-mir-die-meister-nicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/09\/verachtet-mir-die-meister-nicht\/","title":{"rendered":"Verachtet mir die Meister nicht"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2011\/110528pape.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/>27.05.2011 &#8212; Ein kurzer Essay des deutschen \u00abStimmenpapstes\u00bb J\u00fcrgen Kestings im Booklet zu dieser CD ist \u00fcbertitelt mit \u00abVom vaterl\u00e4ndischen Belcanto\u00bb. Wagner in Verbindung mit Kennzeichungen wie \u00abvaterl\u00e4ndische Musik\u00bb, \u00abheroische Gef\u00fchle\u00bb und \u00abHeldentum\u00bb weckt h\u00e4ufig spezielle Vorstellungen (dabei geht immer mal vergessen, dass auch Arnold Sch\u00f6nberg dem chauvinistischen Zeitgeist seiner Epoche folgend mit seiner Zw\u00f6lfton-Methode der \u00abdeutschen Musik die Vorherrschaft f\u00fcr die n\u00e4chsten hundert Jahre\u00bb zu sichern glaubte).<\/p>\n<p> Das Thema deutscher Gesang hat hier allerdings ein weit n\u00fcchterneres Gepr\u00e4ge: Statt ein Fest der Vokale ist das Deutsche nun einmal ein wohlklangresistentes Poltern plumper, knorriger und knarrender Konsonanten, die einer Musik mit \u00abenergisch sprechendem Akzent\u00bb bedarf. Wagner, der selber Urheber des Wahlspruchs ist, stellte sich eine Symbiose aus \u00abitalienischem Gesangwohllaut und dramatisch sinnrichtigem Vortrag\u00bb vor.<\/p>\n<p> Plosiv- und Zischlaute, Kr\u00e4chzen und Husten, des Deutschsprachigen liebste Ger\u00e4usche, st\u00f6ren den Heldentenor-Schmelz weit mehr als den per se sonoren Bass, speziell, wenn sich ein S\u00e4nger wie Ren\u00e9 Pape hinter die Partituren klemmt und vom erfahrenen Wagner-Dirigenten Daniel Barenboim sekundiert wird. Sachs\u2019 \u00abVerachtet mir die Meister nicht\u00bb aus den <em>Meistersingern<\/em> klingt da genauso \u00fcberzeugend wie Wotans \u00abLoge\u00bb (<em>Die Walk\u00fcre<\/em>) oder Wolframs \u00abTodesahnung\u00bb (<em>Tannh\u00e4user<\/em>).<\/p>\n<p> Leicht ironisches Vokalisen-Bashing betreibt Pape auch im Gespr\u00e4ch mit Kesting, das sich ebenfalls im Booklet findet. Es gebe auch ein Libretto, das auf Worten basiere, meint er. Dann gibt er auch noch das zu bedenken: Durch die immer h\u00f6here Stimmung der Orchester w\u00fcrden die Wagner-Partien f\u00fcr die S\u00e4nger zur immer gr\u00f6sseren stimmlichen Herausforderung. \u00abVerachtet mir die Meister nicht\u00bb sei ihm aber auch bei der Bew\u00e4ltigung der Partien ein Leitsatz, lerne er doch viel aus dem Studium vorhandener Aufnahmen. <\/p>\n<p> Das Resultat ist das vorliegende Fan-Album. Es ist auch ein St\u00fcck gelebte wagnerische Soziologie: Neben der Edelmarke Mercedes haben es Engagements von Baroness Nina von Maltzahn, dem Investor Sid R. Bass dem Siemens-Vorstand Peter Solmssen und der amerikanischen Philanthropin Marina Kellen French m\u00f6glich gemacht. Eingespielt worden ist es im Juni 2010 im Funkhaus Berlin. \u00abH\u00f6rt ihr Leut\u00bb (<em>Meistersinger<\/em>) und \u00abUnd ich, ich bin\u2019s\u00bb (<em>Parsifal<\/em>) k\u00f6nnte es auch gelabelt sein. Zu Recht. <em>(wb)<\/em><\/p>\n<p> <span class=\"txt-s-black\"><em><span style=\"font-size: x-small;\">Ren\u00e9 Pape: Wagner. Arien aus Walk\u00fcre, Meistersinger von N\u00fcrnberg, Lohengrin, Parsifal, Tannh\u00e4user. Staatskapelle Berlin, Daniel Barenboim (Leitung), Placido Domingo (Tenor). Deutsche Grammophon\/Universal Best.-Nr. 477 6617<\/span><\/em><br \/><\/span><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>27.05.2011 &#8212; Ein kurzer Essay des deutschen \u00abStimmenpapstes\u00bb J\u00fcrgen Kestings im Booklet zu dieser CD ist \u00fcbertitelt mit \u00abVom vaterl\u00e4ndischen&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4],"tags":[],"class_list":["post-153","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-im-gespraech","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/153","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=153"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/153\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=153"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=153"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=153"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}