{"id":156,"date":"2014-01-09T15:27:03","date_gmt":"2014-01-09T15:27:03","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/09\/mozart-mit-erdmann-und-la-cetra\/"},"modified":"2014-01-09T15:27:03","modified_gmt":"2014-01-09T15:27:03","slug":"mozart-mit-erdmann-und-la-cetra","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/09\/mozart-mit-erdmann-und-la-cetra\/","title":{"rendered":"Mozart mit Erdmann und La Cetra"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2011\/110415erdmann.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/>15.04.2011 &#8212; Das beginnt mit \u00abTiger! Wetze nur die Klauen\u00bb (Mozart, <em>Za\u00efde<\/em>) und endet mit \u00abDie Kl\u00fcfte sausen\u00bb (Holzbauer \u2013 wer zum Teufel ist Holzbauer? \u2013, <em>G\u00fcnther von Schwarzburg<\/em>). Das ist also schon literarisch ziemlich unterhaltsam. Die Sopranistin Mojca Erdmann, seit ihrem Auftritt letztes Jahr an den Salzburger Festspielen in Rihms \u00abDionysos\u00bb neuer Shooting Star der Sangeskunst in hohen Lagen, l\u00e4sst sich auf die Dramatik der Mozart-Arien kompromisslos ein. Das Album, das sie mit dem Basler Barockorchester La Cetra unter Leitung Andrea Marcons eingespielt hat, heisst \u00abMostly Mozart\u00bb (was nichts mit dem gleichnamigen New Yorker Musikfestival zu tun hat). Es verf\u00fchrt zum H\u00f6ren mit Vorurteilen, weil La Cetra sich ja eben als Barockorchester ausgibt, und Mozart eben kein Barockkomponist ist. <\/p>\n<p> Naheliegenderweise nimmt man also an, dass da Musik der Wiener Klassik in barockem Leinenhemd gespielt wird. Die Dinge sind allerdings wie so oft im Leben komplizierter. Der italienische Stardirigent Abbado spielt mit seinem Mozart Orchestra ja auch Musik des Barocks. Epochenverhaftete Ensembles scheinen sich heute mehr als Klangk\u00f6rper mit bestimmten Kernkompetenzen oder Perspektiven zu verstehen, als dass sie stilistisch geschlossene Gesellschaften bildeten.<\/p>\n<p> Man meint aber zumindest, einen dunklen, schweren Mozartklang zu h\u00f6ren, der durchaus barockem Klangempfinden geschuldet sein k\u00f6nnte. Erdmanns Stimme f\u00fcgt sich da ein und bleibt zugleich widerst\u00e4ndig. Der Sopran wirkt in allen Lagen intonationssicher, (noch?) eher monochrom und dramatisch bis scharf. Und er scheint mit etwas zuviel Hall oder zu grosser Mikrophondistanz aufgenommen. <\/p>\n<p> In Paminas \u00abAch ich f\u00fchl\u2019s, es ist verschwunden\u00bb, dem erkl\u00e4rten Kernst\u00fcck des Albums, zeigt sich aber auch der Wille Erdmanns zu eigenst\u00e4ndiger \u00e4sthetischer Auslegeordnung im mozartschen Kosmos. So langsam hat man die Arie wohl noch nie geh\u00f6rt. Da wird das klassische Gleichmass, die \u00e4sthetische Distanz, die Mozart laut kanonischer Interpretation wichtig war, negiert und zugunsten einer expressiven, individualistischen, schon fast veristischen Auffassung aufgegeben. Ein interessantes Verfahren, das zun\u00e4chst einmal \u00fcberrascht und verbl\u00fcfft, wenn auch nicht spontan \u00fcberzeugt. <\/p>\n<p> Iganz Holzbauer (1711 bis 1783), dessen Werke in Ausschnitten neben denjenigen Salieris, Paisiellos und Johann Christian Bachs hier auch vertreten sind, ist \u00fcbrigens ein Komponist, der 15 Opern und fast doppelt soviele Sinfonien wie Haydn (!) geschrieben hat. Das sind lauter kleine Repertoireentdeckungen, die Erdmann und Marcon hier pr\u00e4sentieren. Der einsame Spitzenton zum Schluss der letzten Holzbauer-Arie zeigt aber auch die Ambitus-Grenzen der Stimme Erdmanns auf. <\/p>\n<p> <img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2011\/110415ouvertueren.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/>Wie das Barockorchester und Marcon Mozart sehen, respektive h\u00f6ren, dar\u00fcber gibt eine zweite CD Auskunft, die sozusagen als Folgeprojekt von \u00abMostly Mozart\u00bb entstanden ist \u2013 mit weniger bekannten bis popul\u00e4ren Ouvert\u00fcren (eigentlich allen ausser <em>Il sogno di Scipione, La finta giardiniera<\/em> und <em>Les Petits Riens<\/em>). Da ist nichts mehr mit luzid-equilibriertem, apollinischem Tr\u00f6ster, da wird ein knalliger, praller, draller Mozart mit viel Pauken- und Trompetendonner, barocker Theatermaschinerie und dynamischen Geschmacksverst\u00e4rkern zubereitet, der zuerst mal verdaut werden muss.<\/p>\n<p> Es dr\u00e4ngen ja viele Mozart-Scherben auf den Markt, und alle t\u00f6nen sie irgendwie gleich losgel\u00f6st von irdischer Schwere (mit Ausnahme vielleicht der <a href=\"http:\/\/212.60.37.143\/popular.php?art=112\">Mozart-Sonate<\/a>, die H\u00e9l\u00e8ne Grimaud eingespielt hat). Diese hier, ja diese, die t\u00f6nt nun mal wirklich anders.<\/p>\n<p> <img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2011\/110415ildebrando.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/>Wer den tr\u00f6stlichen, vers\u00f6hnlichen, klangsch\u00f6n-ausgewogenen und sinnlichen Mozart nicht missen mag, der kann sich an die CD \u00abMozart\u00bb des Bassbaritons Ildebrando d\u2019Arcangelo halten. Die Sangeskunst des Italieners ist so bet\u00f6rend, dass sich das Orchestra del Teatro Regio di Torino von einem urspr\u00fcnglich ins Auge gefassten Streik abhalten liess, um unter der Stabf\u00fchrung Gianandrea Nosedas mitzutun. Da verstr\u00f6mt selbst die Mandoline \u2013 gespielt von einer K\u00f6nnerin namens Dora Fillipone \u2013 unwiderstehlichen mediterranen Charme. Versammelt sind die grossen Renner aus den Opern des Salzburger Meisters f\u00fcr Ildebrandos Stimmlage. Ein Album zum Gl\u00fccklichwerden. <em>(wb)<\/em><\/p>\n<p> <em><span class=\"txt-s-black\" style=\"font-size: x-small;\"><strong> Mostly Mozart. Mojca Erdmann<\/strong> (Sopran), La Cetra Barockorchester Basel (Orchester), Andrea Marcon (Dirigent), arien von Mozart, Salieri, Paisiello, Ignaz Holzbauer und Johann Christian Bach. Deutsche Grammophon\/Universal, Best.-Nr. 477 8979.<br \/> <strong>Mozart Ouvertures<\/strong>, La Cetra, Andrea Marcon (Dirigent). Deutsche Grammophon\/Universal, Best.-Nr. 477 9445.<br \/> <strong>Ildebrando d\u2019Arcangelo: Mozart<\/strong>. Orchestra del Teatro Regio di Torino, Gianandrea Noseda (Dirigent). Deutsche Grammophon\/Universal, Best.-Nr. 477 9297.<\/span><\/em><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>15.04.2011 &#8212; Das beginnt mit \u00abTiger! 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