{"id":1591,"date":"2014-07-23T14:15:05","date_gmt":"2014-07-23T14:15:05","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/07\/23\/werner-guera-singt-haydns-schottische-volkslieder\/"},"modified":"2014-07-23T14:15:05","modified_gmt":"2014-07-23T14:15:05","slug":"werner-guera-singt-haydns-schottische-volkslieder","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/07\/23\/werner-guera-singt-haydns-schottische-volkslieder\/","title":{"rendered":"Werner G\u00fcra singt Haydns Schottische Volkslieder"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"images\/bilder2014\/140718haydn.jpg\" border=\"0\" alt=\"CD Cover\" width=\"100\" height=\"100\" style=\"float: left; margin: 4px;\" \/>18.07.2014 &#8212; \u00abSchottische Volkslieder\u00bb t\u00f6nt f\u00fcr heutige Ohren relativ unverf\u00e4nglich, ja beliebig. Allerdings markieren die akustischen Kleinode den Beginn einer \u00c4ra, als erste nationale Vokalgattung, die von Johann Gottlieb Herder so tituliert wurde, noch bevor derselbige auch die deutschen Pendants als solche bezeichnete. Die \u00abVolkslieder\u00bb waren noch vor der Franz\u00f6sischen Revolution Indikator eines aufgekl\u00e4rten b\u00fcrgerlichen Selbstbewusstseins. Und genauso wie im heutigen \u00abVolksgut\u00bb sind die St\u00fccke des Repertoires keineswegs, ja vermutlich nicht einmal mehrheitlich das Produkt von Liebhabern aus dem Volk, sondern kunstvoll auf schlicht gedrechselte Preziosen professioneller Komponisten. In London etwa steuerten Henry Purcell und Johann Christian Bach einiges zum Topf bei, und bereits in dieser Zeit gab\u2019s Volkliedsammlungen, die der Wahrung lokalen, regionalen und nationalen Erbes dienten.<\/span><\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\"><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"images\/bilder2014\/140718haydn.jpg\" border=\"0\" alt=\"CD Cover\" width=\"100\" height=\"100\" style=\"float: left; margin: 4px;\" \/>18.07.2014 &#8212; \u00abSchottische Volkslieder\u00bb t\u00f6nt f\u00fcr heutige Ohren relativ unverf\u00e4nglich, ja beliebig. Allerdings markieren die akustischen Kleinode den Beginn einer \u00c4ra, als erste nationale Vokalgattung, die von Johann Gottlieb Herder so tituliert wurde, noch bevor derselbige auch die deutschen Pendants als solche bezeichnete. Die \u00abVolkslieder\u00bb waren noch vor der Franz\u00f6sischen Revolution Indikator eines aufgekl\u00e4rten b\u00fcrgerlichen Selbstbewusstseins. Und genauso wie im heutigen \u00abVolksgut\u00bb sind die St\u00fccke des Repertoires keineswegs, ja vermutlich nicht einmal mehrheitlich das Produkt von Liebhabern aus dem Volk, sondern kunstvoll auf schlicht gedrechselte Preziosen professioneller Komponisten. In London etwa steuerten Henry Purcell und Johann Christian Bach einiges zum Topf bei, und bereits in dieser Zeit gab\u2019s Volkliedsammlungen, die der Wahrung lokalen, regionalen und nationalen Erbes dienten.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">Die deutschen Komponisten der Zeit, allen voran die Wiener Klassiker Haydn, Mozart und Beethoven \u00a0haben sich mit Volkslied-Melodien jeglicher Provenienz auseinandergesetzt und eigene Varianten entwickelt, fast so wie es im 20. Jahrhundert die Jazzmusiker mit ihren Standards taten. Von Joseph Haydn existieren fast 400 (!) Bearbeitungen schottischer Volkslieder, 208 davon finden sich in einer Sammlung, die Haydn nach 1800 f\u00fcr den schottischen Beamten George Thomson, einen passionierten Sammler, geschrieben hat \u2012 mit Begleitung eines Klaviertrios.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">Dargeboten wird eine Auswahl dieser Lieder hier vom M\u00fcnchner Tenor Werner G\u00fcra, der seine Kunst unter anderem in Basel bei Kurt Widmer perfektionierte und heute an der Z\u00fcrcher Hochschule der K\u00fcnste (ZHdK) unterrichtet. Begleitet wird er von einem illustren Trio mit der Geigerin Julia Schr\u00f6der, der Konzertmeisterin des Kammerorchesters Basel,\u00a0 dem erfahrenen Werner-G\u00fcra-Begleiter Christoph Berner am Fortepiano (von Collard &amp; Collard) sowie dem belgischen Cellisten Roel Dieltiens, der ebenfalls an der ZHdK unterrichtet. Die drei kultivieren einen eher kernigen, vibratoarmen Haydn-Ton, einen (zum Fortepiano) durchaus passenden\u00a0 asketischen, aber differenzierten und energiereichen Schotten-Klang, eher am Limit des Ausreizens historisch-informierter Praktiken. \u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">Das Booklet der CD ist musterg\u00fcltig gestaltet,\u00a0 mit einem erhellenden Essay von Charles Johnston und den englischen Originaltexten der Lieder sowie franz\u00f6sischen und deutschen \u00dcbersetzungen, mit kritischen Anmerkungen (Fussnoten) zum Verst\u00e4ndnis heute schwer verst\u00e4ndlicher Textpassagen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\"><strong>Info:<br \/> <\/strong>Joseph Haydn: Scottish Airs, Piano Trio Hob. XV\u00a0:27, Werner G\u00fcra (Tenor), Christoph Berner (Fortepiano), Julia Schr\u00f6der (Violine), Roel Dieltiens (Cello), Harmonia Mundi, HMC 902144<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"images\/bilder2014\/140718haydn.jpg\" border=\"0\" alt=\"CD Cover\" width=\"100\" height=\"100\" style=\"float: left; margin: 4px;\" \/>18.07.2014 &#8212; \u00abSchottische Volkslieder\u00bb t\u00f6nt f\u00fcr heutige Ohren relativ unverf\u00e4nglich, ja beliebig. Allerdings markieren die akustischen Kleinode den Beginn einer \u00c4ra, als erste nationale Vokalgattung, die von Johann Gottlieb Herder so tituliert wurde, noch bevor derselbige auch die deutschen Pendants als solche bezeichnete. Die \u00abVolkslieder\u00bb waren noch vor der Franz\u00f6sischen Revolution Indikator eines aufgekl\u00e4rten b\u00fcrgerlichen Selbstbewusstseins. Und genauso wie im heutigen \u00abVolksgut\u00bb sind die St\u00fccke des Repertoires keineswegs, ja vermutlich nicht einmal mehrheitlich das Produkt von Liebhabern aus dem Volk, sondern kunstvoll auf schlicht gedrechselte Preziosen professioneller Komponisten. 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