{"id":160,"date":"2014-01-09T15:50:21","date_gmt":"2014-01-09T15:50:21","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/09\/was-mozart-und-haydn-1782-schrieben\/"},"modified":"2014-01-09T15:50:21","modified_gmt":"2014-01-09T15:50:21","slug":"was-mozart-und-haydn-1782-schrieben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/09\/was-mozart-und-haydn-1782-schrieben\/","title":{"rendered":"Was Mozart und Haydn 1782 schrieben"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2011\/110211_1782.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/><em>12.02.2011 &#8212;<\/em> Eine CD mit Werken, die alle aus dem Jahr 1782 stammen? Das muss man zuerst verdauen. Das Datum mutet zuf\u00e4llig an. 229 Jahre ist das her, nichts Rundes also. Tats\u00e4chlich ist der exakte Zeitpunkt nicht ausschlaggebend. Laut Angaben im Booklet haben der Pianist See Siang Wong und das Musikkollegium Winterthur Klavierkonzerte gesucht, die sich ohne Dirigent spielen lassen, und sie sind dabei auf Mozarts zw\u00f6lftes und Haydns elftes Werk der Gattung gestossen. Weil beide 1782 entstanden sind, gruppierten sie weitere St\u00fccke darum herum, die ein dem Usus eines Konzertabends der Zeit folgendes Programm ergeben.<\/p>\n<p> Da finden sich dann eben die zwei Konzerte, eine Sinfonie (Haydns 77.) und im Abgang etwas beil\u00e4ufig ausfasernd drei mozartsche M\u00e4rsche ((KV 408) und eine gut einmin\u00fctige Courante aus der Klaviersuite KV 399.<\/p>\n<p> Nun suchen wir neuzeitgest\u00e4hlte Musikkonsumenten ja im Gegensatz zu den hedonistischen Zeitgenossen Mozarts und Haydns immer gerne nach thematischen Klammern oder runden Gesamtaussagen. Ein Motiv zieht sich da durch mehrere Werke: der spielerische Umgang mit Milit\u00e4rmotiven \u2013 im dritten Satz des Haydn-Klavierkonzerts (Rondo all\u2019Ungarese), der eigentlich wie Mozarts ber\u00fchmtes Rondo alla Turca nach einem \u00abJanitscharen-Zug\u00bb rufen w\u00fcrde, und in den Mozart-M\u00e4rschen.<\/p>\n<p> Hochgekocht wird die kriegerische Kraftmeierei auf dieser CD allerdings nicht. Experimente mit Ad-hoc-Effekten als Ersatz f\u00fcr den \u00abJanitscharen-Zug\u00bb haben Solist und Orchester f\u00fcr die Aufnahme verworfen, und auch in den Mozart-M\u00e4rschen wird keineswegs auf die Pauke eingedroschen. <\/p>\n<p> Interpretationen klassischer Werke ohne Dirigenten zeichnen sich naturgem\u00e4ss nicht durch ausgefallenes Profil oder individualistischen Ausdruckswillen aus. Im Falle des Musikkollegiums Wintherthur sorgt der Konzertmeister Willi Zimmermann aber f\u00fcr Ordnung.<\/p>\n<p> Das Ensemble \u00fcberzeugt mit Pr\u00e4zision, Ausgewogenheit, Spielfreude und Musikantik und beweist, dass solche Projekte mit einem wendigen und gut eingespielten Ensemble \u00fcberzeugender realisiert werden k\u00f6nnen als mit einem traditionellen Sinfonieorchester, wie es die japanische Pianistin Mitsuko Uchida zur Zeit mit amerikanischen A-Orchestern durchexerziert. <\/p>\n<p> See Siang Wong scheint dem Stichjahr 1782 mit einer Art Sturm-und Drang-Attit\u00fcde Reverenz zu erweisen. Man wird den Eindruck nie los, er m\u00f6chte hurtiger vorw\u00e4rtsdr\u00e4ngen als das Orchester, und so wirkt vor allem sein Haydn auf hohem Niveau in den Achtelpulsen manchmal etwas atemlos bis ungeduldig-nerv\u00f6s.<\/p>\n<p> Zum Konzert des Mozart-Lehrers steuert er fast etwas romantisierende, zur Attit\u00fcde des individualistischen Vorw\u00e4rtdrangs stimmige eigene Kadenzen bei. Das Orchester wiederum bietet sicheren Halt und setzt mit einem auff\u00e4llig gem\u00e4chlich angegangenen zweiten Satz des Mozartkonzertes gar einen abgekl\u00e4rten Kontrapunkt. <em>(wb)<\/em><\/p>\n<p> <em><span class=\"txt-s-black\" style=\"font-size: x-small;\"> \u00abMozart &amp; Haydn 1782\u00bb: Joseph Haydn: 11. Klavierkonzert D-Dur, Sinfonie Nr. 77 D-Dur; Wolfgang Amadeus Mozart: Klavierkonzert Nr. 12 A-Dur, KV 414, drei M\u00e4rsche KV 408, Courante aus der Klaviersuite KV 399. Musikkollegium Winterthur, Willi Zimmermann (Leitung), See Siang Wong (Klavier), Decca\/Universal, Best.-Nr. 476 418 3<\/span><\/em><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>12.02.2011 &#8212; Eine CD mit Werken, die alle aus dem Jahr 1782 stammen? Das muss man zuerst verdauen. 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