{"id":1605,"date":"2014-07-29T10:15:30","date_gmt":"2014-07-29T10:15:30","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/07\/29\/der-kanon-der-musik\/"},"modified":"2014-07-29T10:15:30","modified_gmt":"2014-07-29T10:15:30","slug":"der-kanon-der-musik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/07\/29\/der-kanon-der-musik\/","title":{"rendered":"Der Kanon der Musik"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"images\/bilder2014\/kanon714.jpg\" border=\"0\" alt=\"Cover Buch\" width=\"100\" height=\"153\" style=\"float: left; margin: 8px;\" \/><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">Gut 900 Seiten zum Thema Kanon. Gemeint ist hier nat\u00fcrlich nicht der Kanon als kontrapunktische Form, sondern der Kanon musikalischer \u00abMeisterwerke\u00bb, ein Katalog von Kompositionen mit Vorbildfunktion.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00abDer Kanon des Fachs Musikwissenschaft ist nicht die Musik schlechthin, sondern jene begrenzte Ansammlung von Werken, auf die sich das Fach als zentrale Ereignisse der Musikgeschichte und zugleich der gegenw\u00e4rtigen kulturellen Pr\u00e4gung bezieht\u00bb. (Michael Walter, S. 86) \u2013 Oder: Ein Kanon ist \u00abdie typische Organisationsform eines schriftkulturell verfassten kulturellen Ged\u00e4chtnisses. Als solche ist er ebenso ein Instrument des Vergessens wie der Erinnerung\u00bb. (Jan Assmann, S. 105)<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"images\/bilder2014\/kanon714.jpg\" border=\"0\" alt=\"Cover Buch\" width=\"100\" height=\"153\" style=\"float: left; margin: 8px;\" \/>Gut 900 Seiten zum Thema Kanon. Gemeint ist hier nat\u00fcrlich nicht der Kanon als kontrapunktische Form, sondern der Kanon musikalischer \u00abMeisterwerke\u00bb, ein Katalog von Kompositionen mit Vorbildfunktion.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00abDer Kanon des Fachs Musikwissenschaft ist nicht die Musik schlechthin, sondern jene begrenzte Ansammlung von Werken, auf die sich das Fach als zentrale Ereignisse der Musikgeschichte und zugleich der gegenw\u00e4rtigen kulturellen Pr\u00e4gung bezieht\u00bb. (Michael Walter, S. 86) \u2013 Oder: Ein Kanon ist \u00abdie typische Organisationsform eines schriftkulturell verfassten kulturellen Ged\u00e4chtnisses. Als solche ist er ebenso ein Instrument des Vergessens wie der Erinnerung\u00bb. (Jan Assmann, S. 105)<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">Definitionen, Beleuchtungen und Differenzierungen des Begriffs Kanon gibt es zuhauf in diesem Band, in dem sich elf Wissenschaftlerinnen und 24 Wissenschaftler aus dem Gebiet der Musik sowie benachbarter Disziplinen in ihren Beitr\u00e4gen mit Theorie und Geschichte des musikalischen Werkekanons auseinandersetzen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">Der Impuls zu diesem Handbuch ist einer im Jahr 2008 im Orff Zentrum M\u00fcnchen durchgef\u00fchrten Tagung zu verdanken. Die Herausgeber Klaus Pietschmann und Melanie Wald-Fuhrmann haben die zur Publikation ausgearbeiteten Referate gesammelt, weitere Beitr\u00e4ge eingeholt und die \u00fcber dreissig teils umfangreichen Arbeiten, darunter systematische Querschnitte und illustrative Fallbeispiele, in drei Hauptteile gegliedert und dem Ganzen eine grunds\u00e4tzliche Aspekte erl\u00e4uternde Einf\u00fchrung beigegeben. Es gehe trotz des postulierten Handbuch-Charakters \u00abweniger um Zusammenfassungen des Forschungsstandes, als um die nachdr\u00fcckliche Erweiterung bisheriger Perspektiven (nicht nur) musikwissenschaftlicher Kanonforschung\u00bb.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">Das Spektrum der diskutierten Probleme reicht von der Antike bis in die Gegenwart, von Gregor dem Grossen bis zu Cage und Stockhausen, zum Jazz und zum Pop, einbezogen sind auch Bereiche der Genderforschung.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">Einer Gegenstandsbestimmung ist der erste Hauptteil gewidmet, dessen Beitr\u00e4ge aktuelle Debatten um Wesen, Sinn und Funktion, um Wert und Wertung von Kanones aufgreifen, wobei auch Kanonisierungsprozesse und Fragen des Vergessens, der gescheiterten Kanonisierung und der Dekanonisierung behandelt werden.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">Im zweiten Teil \u2013 gegliedert in Mittelalter und Fr\u00fche Neuzeit sowie 19. und 20. Jahrhundert (die eigentliche Zeit eines musikalischen Kanons) \u2013 kommt die Geschichte von Kanones zur Darstellung: in der Kirchenmusik, der Renaissance, dem Humanismus, den F\u00fcrstenh\u00f6fen und K\u00f6nigszentren der Fr\u00fchen Neuzeit, im Konzertleben Wiens um 1800, bei Wagner (\u00abMeistersinger\u00bb) und im 2. Zeitalter der Symphonie (Leipziger und Berliner Musikleben), in \u00abAvantgarden\u00bb in Frankreich und Westdeutschland, im Jazz, in Pop-Songs, in der j\u00fcdischen Geschichte.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">Aufgegriffen, erweitert und vertieft werden im dritten Hauptteil \u00abMediale und systematische Aspekte der Kanonbildung\u00bb wie z. B. Komponisten als Agenten ihres eigenen Nachruhms, Kanonbildung durch Notendruck, Tontr\u00e4ger, Bilder und Denkm\u00e4ler sowie die Dichotomie von \u00c4sthetik und \u00d6konomie.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">Dieses im doppelten Sinn gewichtige Handbuch zum Kanon der Musik mit Ausblicken in verwandte Gebiete ist die erste monografische und historisch breit angelegte, kulturpolitische und soziologische Gesichtspunkte einbeziehende wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Kanones der westeurop\u00e4ischen Tradition. Ein Seite um Seite spannendes Kompendium mit vielen Facetten, reich an Debatten und Einsichten in ein komplexes Ph\u00e4nomen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">Der Abfolge der Beitr\u00e4ge, die durch viele Querverbindungen und Bez\u00fcge vernetzt sind, liegt ein \u00fcberlegtes Konzept zugrunde, doch lassen sie sich auch nach Gutd\u00fcnken studieren. Allerdings sollte der grundlegende erste Teil nicht \u00fcberschlagen werden.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">Erleichtert wird die Lekt\u00fcre, die durchwegs auch interessierten Laien zug\u00e4nglich ist, nicht zuletzt dadurch, dass die teils sehr raumgreifenden Anmerkungen (neben Erl\u00e4uterungen und \u00dcbersetzungen ins Deutsche enthalten sie auch die Literaturhinweise und Internetadressen) am Fuss der jeweiligen Seite platziert, dass Abbildungen, Notenbeispiele, Zusammenstellungen und Tabellen, hier und dort auch Abstracs beigef\u00fcgt sind. Nicht zu vergessen: die angenehm zu lesende Schriftgr\u00f6sse und das gediegene Layout. Im Anhang finden sich die Auswahlbibliografie, separiert nach Literatur zur Musik und zu anderen F\u00e4chern, sowie das Register. <em>(ws)<\/em><br \/><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\"><strong><em style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">Zitat aus dem Buch:<\/em><\/strong> <br \/><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00abIndem der Kanon so Erinnerung formt, indem er etwa im Bereich der Literatur-, Kunst- oder Musikgeschichte Werke privilegiert aufgrund ihrer historischen Bedeutung oder ihres \u00fcberzeitlich g\u00fcltigen Rangs, legt er also auch fest, was vergessen, vernachl\u00e4ssigt und ausgeklammert werden kann oder sogar soll. Der Kanon bezieht notwendigerweise Stellung gegen alles Nicht-Kanonische. [\u2026] Exklusion ist nicht weniger eine Leistung des Kanons als Inklusion \u2013 gleichg\u00fcltig, ob man dies als Tradierung der h\u00f6chsten Kulturwerte preisen, als Komplexit\u00e4tsreduktion f\u00fcr unvermeidbar erkl\u00e4ren oder als ideologische Machtaus\u00fcbung kritisieren will.\u00bb (Wolfgang Fuhrmann im Beitrag \u00abGescheiterte Kanonisierungen. Drei Fallstudien zu Hasse, Paisiello und C. Ph. E. Bach\u00bb, Seite 161)<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\"><strong>Info:<br \/><\/strong>Klaus Pietschmann, Melanie Wald-Fuhrmann (Hg.): Der Kanon der Musik. Theorie und Geschichte. Ein Handbuch. Edition text + kritik im Richard Boorberg Verlag, M\u00fcnchen 2013. 950 Seiten mit zahlreichen Notenbeispielen und s\/w-Abbildungen. \u20ac 79,\u2013. Fr. 104.90.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"images\/bilder2014\/kanon714.jpg\" border=\"0\" alt=\"Cover Buch\" width=\"100\" height=\"153\" style=\"float: left; margin: 8px;\" \/><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">Gut 900 Seiten zum Thema Kanon. Gemeint ist hier nat\u00fcrlich nicht der Kanon als kontrapunktische Form, sondern der Kanon musikalischer \u00abMeisterwerke\u00bb, ein Katalog von Kompositionen mit Vorbildfunktion.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00abDer Kanon des Fachs Musikwissenschaft ist nicht die Musik schlechthin, sondern jene begrenzte Ansammlung von Werken, auf die sich das Fach als zentrale Ereignisse der Musikgeschichte und zugleich der gegenw\u00e4rtigen kulturellen Pr\u00e4gung bezieht\u00bb. (Michael Walter, S. 86) \u2013 Oder: Ein Kanon ist \u00abdie typische Organisationsform eines schriftkulturell verfassten kulturellen Ged\u00e4chtnisses. Als solche ist er ebenso ein Instrument des Vergessens wie der Erinnerung\u00bb. (Jan Assmann, S. 105)<\/span><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[11],"tags":[],"class_list":["post-1605","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-buchbesprechungen","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1605","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1605"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1605\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1605"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1605"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1605"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}