{"id":166,"date":"2014-01-09T17:28:41","date_gmt":"2014-01-09T17:28:41","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/09\/helene-grimaud-resonances\/"},"modified":"2014-01-09T17:28:41","modified_gmt":"2014-01-09T17:28:41","slug":"helene-grimaud-resonances","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/09\/helene-grimaud-resonances\/","title":{"rendered":"H\u00e9l\u00e8ne Grimaud: Resonances"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2010\/101119grimaud.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/><em>19.11.2010 &#8212;<\/em> H\u00e9l\u00e8ne Grimaud irritiert. Den Satz kann man ruhig ohne Adjektive, Objekte oder andere Eingrenzungen stehen lassen. Und er ist durchaus programmatisch zu verstehen: Ihre CD-Projekte fallen auf, weil sie unkonventionelle Programme ins Polycarbonat brennen und zum H\u00f6ren und Denken anregen. Die Gefahr des Scheiterns nimmt die Franz\u00f6sin dabei offenbar fast mutwillig in Kauf. Das war so bei ihrer Bach-CD (siehe Codex-flores-<a href=\"http:\/\/212.60.37.143\/popular.php?art=61\">Rezension<\/a>), und so ist es im Fall von \u00abResonances\u00bb: Eine Mozart-, die Alban-Berg- und Liszts h-Moll-Sonate, abgeschlossen von Bart\u00f3ks Rum\u00e4nischen Volkst\u00e4nzen.<\/p>\n<p> Die Werke gruppieren sich laut Grimauds eigenen Aussagen im Booklet um Bergs op.1, dem sie bereits als Kind begegnete und dessen Noten ihr Lehrer Pierre Barbizet mit \u00abvielen bunten Anmerkungen und einer liebevollen \u201aInhaltsangabe\u2019 versehen hatte\u00bb. <\/p>\n<p> In einem interessanten <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/kultur\/2010-11\/helene-grimaud\" target=\"blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Interview<\/a> mit dem deutschen \u00abTagesspiegel\u00bb erkl\u00e4rt H\u00e9l\u00e8ne Grimaud, Mozarts a-Moll-Sonate KV 310 spreche \u00fcber \u00abSchmerz, Verzweiflung und Depression\u00bb und alle die auf der CD pr\u00e4sentierten St\u00fccke lebten von einer enormen Atemlosigkeit und Intensit\u00e4t. <\/p>\n<p> Im Widerspruch zur langen, im Booklet skizzierten Vorgeschichte ihrer Auseinandersetzung mit der Berg-Sonate erkl\u00e4rt sie im gleichen Interview \u00fcberdies: Sie spiele, mit Ausnahme der Bach-Chaconne, immer alle Solowerke, die sie aufnehme, im Studio zum ersten Mal. Dadurch seien sie f\u00fcr sie \u00abrein und durch keine Erfahrung und keine Vergleiche befleckt.\u00bb <\/p>\n<p> Das irritiert nun doppelt: Zu einen ist angesichts der Widerspr\u00fcche ihrer Behauptungen schwer nachzuvollziehen, wie sie das alles wirklich meint, zum andern m\u00fcsste man annehmen, dass derart kantige Programme wie diejenigen der Bach-CD oder der nun vorliegenden eine l\u00e4ngere Zeit der Reflektion und Erforschung der Zusammenh\u00e4nge erforderten. <\/p>\n<p> Hilft da die H\u00f6rerfahrung weiter? Die Mozart-Sonate beginnt Grimaud fahrig, ja nerv\u00f6s und unentschlossen, im Con-brio-Gestus und nicht maestoso, wie es der Salzburger Meister eigentlich vorschreibt. Fast hat man den Stab \u00fcber das Prima-vista-Spiel (das es laut Grimaud ja sein m\u00fcsste) gebrochen, da \u00fcberrascht die Franz\u00f6sin im zweiten Satz mit elegantem Charme und feiner Linienausdeutung. <\/p>\n<p> Bergs Jugendwerk \u2013 laut Adorno ein \u00abMeisterwerk des kleinsten \u00dcbergangs\u00bb \u2013 nimmt sie mit Tiefe suggerierendem Pathos in Angriff, wo die Hyperexpressivit\u00e4t doch im Werk selber unter einer feinen, fast harmlosen Oberfl\u00e4che von selber durchschimmern m\u00fcsste. Der Berg-Sch\u00fcler Adorno gibt ihr ja recht in ihrer Einsch\u00e4tzung, es handle sich auch hier um ein intensives und hoch emotionales St\u00fcck Musik. Berg liebte es aber, seine Wahrheiten in die Werke hineinzugeheimnissen, wie er das selber nannte, und nicht nackt auszustellen. <\/p>\n<p> Zur Einheit finden die unruhige, impulsive Energie in Grimauds Spiel und der Werksinn in Liszt narrativer bis grotesker h-Moll-Sonate. W\u00fcrde man dieses Scharnierwerk zwischen Mozarts Klassik und Bergs heraufd\u00e4mmernder Atonalit\u00e4t als Kristallisationspunkt des Programmes definieren, erg\u00e4be sich ein schl\u00fcssigeres Konzept, als es Grimaud selber vorschwebte. <\/p>\n<p> Bart\u00f3ks Rum\u00e4nische T\u00e4nze bleiben zwar ein Fremdk\u00f6rper in dem Reigen nicht gar so seliger Geister, unter Grimauds H\u00e4nden werden sie aber zum atemraubenden Virtuosen-Kabinett. In \u00abBuciumeana\u00bb gibt die Pianistin gar noch einen drauf: Sie wiederholt den Tanz, l\u00e4dt die Melodie dabei mit einer Oktave auf und verschafft dem Zyklus damit einen perfekt positionierten H\u00f6hepunkt. <em>(wb)<\/em><\/p>\n<p> <span class=\"txt-s-black\"><em><span style=\"font-size: x-small;\"> H\u00e9l\u00e8ne Grimaud: Resonances, Mozart: Sonate a-Moll KV 310, Berg: Sonate op. 1, Liszt h-Moll-Sonate S 178, Bart\u00f3k: Rum\u00e4nische Volkst\u00e4nze BB 68. Deutsche Grammophon\/Universal Best.-Nr. 477 8766<\/span><\/em><\/p>\n<p> <\/span><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>19.11.2010 &#8212; H\u00e9l\u00e8ne Grimaud irritiert. Den Satz kann man ruhig ohne Adjektive, Objekte oder andere Eingrenzungen stehen lassen. 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