{"id":168,"date":"2014-01-09T17:30:43","date_gmt":"2014-01-09T17:30:43","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/09\/mitsuko-uchidas-reverenz-an-schumann\/"},"modified":"2014-01-09T17:30:43","modified_gmt":"2014-01-09T17:30:43","slug":"mitsuko-uchidas-reverenz-an-schumann","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/09\/mitsuko-uchidas-reverenz-an-schumann\/","title":{"rendered":"Mitsuko Uchidas Reverenz an Schumann"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2010\/101022uchida.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/><em>22.10.2010 &#8212;<\/em> So liest sich Mitsuko Uchidas Diskografie: Mozart, Mozart, Mozart, Mozart &#8230; Mozart, Schubert, Schubert, Schubert, Mozart, Mozart, Beethoven, Beethoven und (im Kleingedruckten) Chopin, Debussy, Berg, Sch\u00f6nberg und, ach ja, 1995 ein Exkurs in Sachen Schumann: Carnaval und Kreisleriana. Die japanische Pianistin hat es nicht so mit der deutschen Hochromantik. Umso \u00fcberraschender die Einspielung der weniger popul\u00e4ren Davidsb\u00fcndlert\u00e4nze und der als Fantasie kaschierten Sonate op. 17.<\/p>\n<p> Davidsb\u00fcndlert\u00e4nze? Die w\u00fcrde sie ins Grab mitnehmen, erkl\u00e4rt die Japanerin in einem auf Englisch gef\u00fchrten Audio-Interview, das der Deluxe-Version der CD beigef\u00fcgt ist. Der Zyklus werde untersch\u00e4tzt, und in Kombination mit der Fantasie ergebe sich so etwas wie eine Paarung, der \u2013 vom \u00e4sthetischen Verh\u00e4ltnis her \u2013 etwa die von Schuberts Liederzyklen \u00abSch\u00f6ne M\u00fcllerin\u00bb und \u00abWinterreise\u00bb entspreche: eine vordergr\u00fcndig leichte Nummernrevue, die ihren Tiefgang verh\u00fcllt und ein komplexes, eher sperriges Gesamtkunstwerk. <\/p>\n<p> Da ist man versucht, die Paarung in Analogie zu den beiden von Schumann kreierten literarischen Figuren zu setzen: zum tiefgr\u00fcndigen, impulsiven und leidenschaftlichen Florestan und dem schw\u00e4rmerischen, sanften und transparenten Eusebius. Die Leidenschaft der Fantasie, so die Pianistin, sei aber nicht diejenige Florestans, wie sie in den Davidsb\u00fcndlert\u00e4nzen mit der Sanftmut von Eusebius kontrastiert werde. <\/p>\n<p> Vielmehr sieht sie darin eine authentisch schumannsche Passion, zu der selbst seine Frau Clara nicht Zugang gefunden habe. Ihr sei die Musik des gemeinsamen Freundes Brahms im Grunde sowieso n\u00e4her gewesen als diejenige des eigenen Mannes. M\u00f6glich, dass Claras eher konservativen Temperament schon der wahre Schumann im Grunde genommen zu skurril und modern gewesen ist (siehe dazu auch <a href=\"http:\/\/212.60.37.143\/dossiers_ind9.php?art=80\">diesen<\/a> Dossier-Text) <\/p>\n<p> Dass Schumann die Davidsb\u00fcndlert\u00e4nze Clara als eine Art Liebeserkl\u00e4rung zueignete (und auch mit einem Zitat aus einer ihrer eigenen Kompositionen anheben l\u00e4sst), entbehrt da nicht einer gewissen Tragik. Clara, die den Zyklus zu nahe beim Carnaval fand, ohne dass er in ihren Augen dessen Klarheit und Originalit\u00e4t erreichen w\u00fcrde, nahm ihn n\u00e4mlich erst nach Schumanns Tod ins Repertoire auf. <\/p>\n<p> Dass Eusebius, so Mitsuko Uchida in dem Interview, im imagin\u00e4ren Wettstreit mit Florestan schliesslich gewinne, sei schon von Beginn weg klar. Man hat denn auch den Eindruck, dass sie die Eusebius zugeschriebenen Partien mit mehr Emphase (und teils deutlich langsameren Tempi als von Schumann vorgegeben) ausdeutet und den Florestan-Partien \u2013 wie auch der Fantasie \u2013 die ganze Schroffheit und Impulsivit\u00e4t andienen l\u00e4sst, die sie darin vorzufinden glaubt. <\/p>\n<p> Die k\u00fchnen Passagen der Florestan-Werke k\u00f6nnten an Beethoven gemahnen, f\u00fcr dessen Bonner Denkmal die Fantasie auch geschrieben worden ist \u2013 als Beitrag zum \u00abFundraising\u00bb, wie man heute wohl neudeutsch sagen w\u00fcrde. Allerdings sei Beethovens Offbeat \u2013 so Mitsuko Uchida \u2013 ein Resultat der kontrapunktischen Denkweise des Bonner Meisters, also Folge abstrakter Prozesse, wohingegen Schumanns Offbeat direkt physischem Erleben entspringe. <em>(wb)<\/em><\/p>\n<p> <span class=\"txt-s-black\"><em><span style=\"font-size: x-small;\">Mitsuko Uchida: Schumann. Fantasie op. 17, Davidsb\u00fcndlert\u00e4nze op. 6. Universal\/Decca, Best.-Nr. 478 2280.<\/span> <\/em><br \/><\/span><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>22.10.2010 &#8212; So liest sich Mitsuko Uchidas Diskografie: Mozart, Mozart, Mozart, Mozart &#8230; Mozart, Schubert, Schubert, Schubert, Mozart, Mozart, Beethoven,&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4],"tags":[],"class_list":["post-168","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-im-gespraech","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/168","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=168"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/168\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=168"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=168"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=168"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}