{"id":1681,"date":"2014-09-02T09:27:45","date_gmt":"2014-09-02T09:27:45","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/09\/02\/ivan-ilics-the-transcendentalist\/"},"modified":"2014-09-02T09:27:45","modified_gmt":"2014-09-02T09:27:45","slug":"ivan-ilics-the-transcendentalist","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/09\/02\/ivan-ilics-the-transcendentalist\/","title":{"rendered":"Ivan Ili\u0107s The Transcendentalist"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"images\/bilder2014\/140829ilic.jpg\" border=\"0\" alt=\"Cover CD\" width=\"100\" height=\"100\" style=\"float: left; margin: 8px;\" \/>29.08.2014 &#8212; Eine M\u00f6glichkeit, auf dem Klavier Transzendenz zu evozieren, in dem Sinne, dass man hinter den physischen Erscheinungen eine andere, metaphysische Welt durchhallen zu h\u00f6ren glaubt: Ein Pedal, das Linien und Kl\u00e4nge so zu verwischen scheint, dass Resonanzen entstehen, Schwebungen, die sich im Notentext nicht, oder zumindest nicht an der Oberfl\u00e4che finden. Das Pedal scheint denn auch das wichtigste Instrument f\u00fcr das Album \u00abThe Transcendentalist\u00bb des serbisch-amerikanischen Pianisten Ivan Ili\u0107. Er versucht damit aufzuzeigen, wie die Philosophie Ralph Waldo Emersons via die Werke Alexanders Skrjabins die amerikanische Avantgarde beeinflusste. Ili\u0107s Beleglieferanten sind neben Skrjabin John Cage, Morton Feldman und der junge New Yorker Feldman-Enkelsch\u00fcler Scott Wollschleger. Wollschleger aus der Schule des Feldmaneleven Nils Vigeland ist \u2012 passend zu Skrjabins sinnlichem Kosmos \u2012 Synt\u00e4sthetiker.<\/span><\/p>\n<p>\u00a0<span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"images\/bilder2014\/140829ilic.jpg\" border=\"0\" alt=\"Cover CD\" width=\"100\" height=\"100\" style=\"float: left; margin: 8px;\" \/><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">29.08.2014 &#8212; <\/span>Eine M\u00f6glichkeit, auf dem Klavier Transzendenz zu evozieren, in dem Sinne, dass man hinter den physischen Erscheinungen eine andere, metaphysische Welt durchhallen zu h\u00f6ren glaubt: Ein Pedal, das Linien und Kl\u00e4nge so zu verwischen scheint, dass Resonanzen entstehen, Schwebungen, die sich im Notentext nicht, oder zumindest nicht an der Oberfl\u00e4che finden. Das Pedal scheint denn auch das wichtigste Instrument f\u00fcr das Album \u00abThe Transcendentalist\u00bb des serbisch-amerikanischen Pianisten Ivan Ili\u0107. Er versucht damit aufzuzeigen, wie die Philosophie Ralph Waldo Emersons via die Werke Alexanders Skrjabins die amerikanische Avantgarde beeinflusste. Ili\u0107s Beleglieferanten sind neben Skrjabin John Cage, Morton Feldman und der junge New Yorker Feldman-Enkelsch\u00fcler Scott Wollschleger. Wollschleger aus der Schule des Feldmaneleven Nils Vigeland ist \u2012 passend zu Skrjabins sinnlichem Kosmos \u2012 Synt\u00e4sthetiker.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">Die Musik der hier gruppierten Tonsch\u00f6pfer aus der Neuen Welt ist fliessend, melodisch eher konturarm, antivirtuos, reflektiert und nicht vordergr\u00fcndig expressiv. Wollschlegers Beitrag kann dabei als anregendes R\u00e4tsel oder als philosophische Irritation gelesen werden: Sie tr\u00e4gt ausgerechnet den Titel \u00abMusic Without Metaphor\u00bb und behauptet so n\u00e4mlich kurzum das Gegenteil dessen, was als einzige Deutungsform auf Transzendentales in der Musik verweisen k\u00f6nnte: N\u00e4mlich eben das Stehen von akustisch wahrnehmbaren Schemata f\u00fcr jenseits der Welt der Erscheinungen Befindliches, wie es der Unitarier Emerson unter anderem in der Natur zu entdecken glaubte. Man spielt (darauf weist der Notenausriss im Booklet hin) Wollschlegers St\u00fcck mit konstant gedr\u00fccktem Pedal.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">Auch Cages \u00abDream\u00bb spielt explizit mit Resonanzen und Frequenzzwischenr\u00e4umen. So ist es konsequent, dass Ili\u0107 auch Skrjabins Musik reich pedaliert, sicherlich mit System. Alles verfliesst, k\u00f6nnte man den griechischen Metaphysiker Heraklit paraphrasieren. Auch die Musik des sp\u00e4ten Feldmans schuldet nach Ansicht Ili\u0107s Skrjabin einiges. Der gener\u00f6se Einsatz des Pedals eben, der die Kl\u00e4nge verwischt, und eine lyrisch-abstrakte \u00c4sthetik.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">Ivan Ili\u0107 hat (laut Wikipedia) an der University of California Mathematik und Musik studiert und seine Studien am San Francisco Conservatory of Music, am Conservatoire Sup\u00e9rieur de Paris und an der Pariser \u00c9cole Normale de Musique fortgef\u00fchrt. Er hat sich dem breiteren Publikum bisher vor allem mit Einspielungen der Musik Debussys empfohlen. In seinen Solovortr\u00e4gen interpretiert er unter anderem aber auch Musik von Dmitri Tymoczko, einem der f\u00fchrenden amerikanischen Theoretiker der mathematischen Beschreibung von Musik (\u00abA Geometry of Music\u00bb). Ili\u0107s Album \u00abThe Transcendentalist\u00bb liegt mit seiner antivirtuosen, langsamen, vers\u00f6hnlichen und leisen Art und seiner im 21. Jahrhundert etwas retardiert anmutenden Metaphysik ausgesprochen quer in der Tontr\u00e4gerlandschaft und hat damit paradoxerweise schon fast wieder etwas Provokatives. Metaphorisch gesprochen. \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\"><strong>Infos:<\/strong><\/span><br \/><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">Ivan Ili\u0107: The Transcendentalist. Heresy Records\/Naxos 2014, Heresy 015. www.heresyrecords.com \u00a0<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"images\/bilder2014\/140829ilic.jpg\" border=\"0\" alt=\"Cover CD\" width=\"100\" height=\"100\" style=\"float: left; margin: 8px;\" \/>29.08.2014 &#8212; Eine M\u00f6glichkeit, auf dem Klavier Transzendenz zu evozieren, in dem Sinne, dass man hinter den physischen Erscheinungen eine andere, metaphysische Welt durchhallen zu h\u00f6ren glaubt: Ein Pedal, das Linien und Kl\u00e4nge so zu verwischen scheint, dass Resonanzen entstehen, Schwebungen, die sich im Notentext nicht, oder zumindest nicht an der Oberfl\u00e4che finden. Das Pedal scheint denn auch das wichtigste Instrument f\u00fcr das Album \u00abThe Transcendentalist\u00bb des serbisch-amerikanischen Pianisten Ivan Ili\u0107. Er versucht damit aufzuzeigen, wie die Philosophie Ralph Waldo Emersons via die Werke Alexanders Skrjabins die amerikanische Avantgarde beeinflusste. Ili\u0107s Beleglieferanten sind neben Skrjabin John Cage, Morton Feldman und der junge New Yorker Feldman-Enkelsch\u00fcler Scott Wollschleger. Wollschleger aus der Schule des Feldmaneleven Nils Vigeland ist \u2012 passend zu Skrjabins sinnlichem Kosmos \u2012 Synt\u00e4sthetiker.<\/span><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4],"tags":[],"class_list":["post-1681","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-im-gespraech","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1681","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1681"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1681\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1681"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1681"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1681"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}