{"id":177,"date":"2014-01-09T17:39:42","date_gmt":"2014-01-09T17:39:42","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/09\/ruggero-leoncavallos-i-medici\/"},"modified":"2014-01-09T17:39:42","modified_gmt":"2014-01-09T17:39:42","slug":"ruggero-leoncavallos-i-medici","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/09\/ruggero-leoncavallos-i-medici\/","title":{"rendered":"Ruggero Leoncavallos \u00abI Medici\u00bb"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2010\/100611medici.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/><em>11.06.2010 &#8212;<\/em> Giuliano singt: \u00abEin junges M\u00e4gdlein! Bist du\u2019s die mich gerufen?\u00bb, Simonetta antwortet (<em>verwirrt<\/em>): \u00abJa, ich!\u00bb. Giuliano: \u00abDu leidest?\u00bb, und Simonetta: \u00abNur Schw\u00e4che, nur der Schrecken und die Bedr\u00e4ngnis\u00bb. Das sind die wesentlichen Opernstoffe des 19. Jahrhunderts auf ein paar Zeilen eingedampft. Dass das Resultat der Liebe auf den ersten Blick die illegitime Zeugung eines Papstes mit einer Nebenbuhlerin ist, entbehrt da nicht einer gewissen Delikatesse.<\/p>\n<p> Der Dialog stammt aus dem ersten Akt von \u00abI Medici\u00bb, einer Oper, mit der Ruggero Leoncavallo 1893 die italienische Antwort auf das deutsche Musiktheater Richard Wagners auf die B\u00fchne bringen wollte. Sie beschreibt den Machtkampf um Florenz im 15. Jahrhundert zwischen der Familie der Medici und dem Papst Sixtus IV. Lorenzo der Pr\u00e4chtige \u00fcberlebt einen Attentatsversuch. Sein Bruder Giuliano hingegen wird Opfer der Attacke, macht zuvor allerdings noch mit dem Botticelli-Modell Simonetta Vespucci \u2013 eine Art Claudia Schiffer der Renaissance \u2013 und Fioretta Gorini rum. Fioretta bringt (nat\u00fcrlich erst nach dem Fall des Vorhangs) Giulianos unehelichen Sohn zur Welt, der sp\u00e4ter zu Papst Klemens VII. wird.<\/p>\n<p> In Leoncavallos eigenem, ziemlich schw\u00fclstigem Libretto leidet Simonetta an der Krankheit, die unvermeidlich alle Opernheldinnen des 19. Jahrhunderts bef\u00e4llt. Schwindsucht macht sie zum so zarten und besch\u00fctzenswerten wie betrogenen Wesen in einer grausamen m\u00e4nnlichen Welt der politischen und gesellschaftlichen Intrigen. Sie stirbt denn im dritten Akt auch effektvoll in den Armen Giulianos.<\/p>\n<p> Den Akt bloss auf die (kurze) Sterbeszene zu reduzieren (Simonetta bleiben die sonst beliebten endlosen Kantilenen im Todeskampf erspart) w\u00fcrde ihm allerdings nicht gerecht. Er entwickelt in bester Theatermanier die Pl\u00e4ne zur Ermordung der Medici-Br\u00fcder, die Entdeckung der Intrige und den vergeblichen Versuch Simonettas Giuliano zu warnen (ihr Ableben kommt ihr dazwischen). Der vierte Akt schliesslich vereint Solisten, Volk und Kirchenvertreter zu einem packenden Showdown. <\/p>\n<p> \u00abI Medici\u00bb ist eine echte Entdeckung, der man einen Stammplatz im Repertoire g\u00f6nnen w\u00fcrde. Die Geschichte, die Erfundenes und Historisches geschickt zu einem virtuellen Nationalmythos verwebt, hat Leoncavallo in \u00fcberzeugende Musik gegossen, mit einer Mischung aus opulenter Wagner-Leitmotivtechnik und italienischem Nummern-Belcanto, angereichert mit wirksamen Chorszenen, die mittelalterliche Tanzmotive und Kirchenambiente beschw\u00f6ren. <\/p>\n<p> F\u00fcr das Werk bricht hier Placido Domingo eine Lanze, nachdem er f\u00fcr die Deutsche Grammophon bereits den unkonventionellen Liederzyklus \u00abLa Nuit de mai\u00bb des Komponisten (siehe Codex-flores-<a href=\"http:\/\/212.60.37.143\/popular.php?art=95\">Rezension<\/a>) eingespielt hat. Er selber singt \u00fcberzeugend die schwierige Rolle des Giuliano. Auch die weiteren S\u00e4ngerpartien sind absolut hochkar\u00e4tig besetzt \u2013 ohne Ber\u00fchrungs\u00e4ngste mit traditionell intensivem Opern-Vibrato. Orchester und Chor del Maggio Musicale Fiorentino und der Dirigent Alberto Veronesi zeigen sich ebenfalls von der besten Seite.<\/p>\n<p> Die Deutsche Grammophon bewirbt die Aufnahme als erste kommerzielle Einspielung der Oper. Im Internet findet sich noch ein Hinweis auf eine Aufnahme von 1993 mit Marcello Viotti als Dirigent, dem RSO Frankfurt und dem Ungarischen Rundfunkchor. <em>(wb)<\/em><\/p>\n<p> <span class=\"txt-s-black\"><em><span style=\"font-size: x-small;\"> Ruggero Leoncavallo: I Medici, Pl\u00e1cido Domingo (Giuliano de&#8217;Medici\/Tenor), Carlos \u00c1lvarez (Lorenzo de&#8217;Medici\/Bariton), Daniela Dess\u00ec (Simonetta Cattanei\/Sopran), Renata Lamanda (Fioretta de&#8216; Gori\/Mezzosopran), Eric Owens (Giambattista da Montesecco\/Bariton), Vitalij Kowaljow (Francesco Pazzi\/Bass), Carlo Bosi (Bernardo Bandini\/Tenor), Arutjun Kotchinian (L&#8217;Arcivescovo Salviati\/Bass), Fabio Maria Capitanucci (Il Poliziano\/Bariton), Coro del Maggio Musicale Fiorentino, Coro di Voci Bianche della Scuola di Musica di Fiesole, Orchestra del Maggio Musicale Fiorentino, Alberto Veronesi (Leitung), Universal\/Deutsche Grammophon, Best. Nr. 477 7456, Doppel-CD, Gesamtspieldauer 2h 5min.<\/span><\/em><br \/><\/span><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>11.06.2010 &#8212; Giuliano singt: \u00abEin junges M\u00e4gdlein! Bist du\u2019s die mich gerufen?\u00bb, Simonetta antwortet (verwirrt): \u00abJa, ich!\u00bb. 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