{"id":1777,"date":"2014-10-06T11:34:24","date_gmt":"2014-10-06T11:34:24","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/10\/06\/die-zhdk-als-zuercher-leuchtturm\/"},"modified":"2014-10-06T11:34:24","modified_gmt":"2014-10-06T11:34:24","slug":"die-zhdk-als-zuercher-leuchtturm","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/10\/06\/die-zhdk-als-zuercher-leuchtturm\/","title":{"rendered":"Die ZHdK als Z\u00fcrcher Leuchtturm"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\"><em>von Wolfgang B\u00f6hler<\/em><\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"images\/kolumnewb.jpg\" border=\"0\" alt=\"Portr\u00e4t Wolfgang B\u00f6hler\" style=\"float: left; margin: 8px;\" \/>03.10.2014 &#8212; Das 19. und 20. Jahrhundert waren in Sachen urbanes Kulturleben die Epoche der grossen b\u00fcrgerlichen Institutionen Stadttheater, Museum und Konzertsaal. Es ist interessant zu sehen, dass sich diese haupts\u00e4chlich \u00fcber statische Infrastrukturen definierte Kultur im 21. Jahrhundert gewandelt hat: Die Leuchtt\u00fcrme des urbanen Kulturlebens sind heute nicht mehr f\u00fcr die Ewigkeit erbaute Geb\u00e4ude und Orchester, respektive Schauspielensembles mit Lebensarbeitszeit-Garantie und Pensionsanspruch, sondern dynamische, bildungsorientierte Konglomerate \u2012 in erster Linie Kunst(-fach)hochschulen und Festivals. Die heutigen Ikonen der st\u00e4dtischen Kultur heissen nicht mehr Opernhaus (vielleicht ausser noch f\u00fcr ein paar ewiggestrige Repr\u00e4sentanten der Hochfinanz), Tonhalle und Kunstmuseum, sie heissen Hochschule der K\u00fcnste (ZHdK), Filmfestival (ZFF), Lucerne Festival oder je nach Ort gelabelte Festspiele.<\/p>\n<p>03.10.2014 &#8212; <img decoding=\"async\" src=\"images\/kolumnewb.jpg\" border=\"0\" alt=\"Portr\u00e4t Wolfgang B\u00f6hler\" style=\"float: left; margin: 8px;\" \/>Das 19. und 20. Jahrhundert waren in Sachen urbanes Kulturleben die Epoche der grossen b\u00fcrgerlichen Institutionen Stadttheater, Museum und Konzertsaal. Es ist interessant zu sehen, dass sich diese haupts\u00e4chlich \u00fcber statische Infrastrukturen definierte Kultur im 21. Jahrhundert gewandelt hat: Die Leuchtt\u00fcrme des urbanen Kulturlebens sind heute nicht mehr f\u00fcr die Ewigkeit erbaute Geb\u00e4ude und Orchester, respektive Schauspielensembles mit Lebensarbeitszeit-Garantie und Pensionsanspruch, sondern dynamische, bildungsorientierte Konglomerate \u2012 in erster Linie Kunst(-fach)hochschulen und Festivals. Die heutigen Ikonen der st\u00e4dtischen Kultur heissen nicht mehr Opernhaus (vielleicht ausser noch f\u00fcr ein paar ewiggestrige Repr\u00e4sentanten der Hochfinanz), Tonhalle und Kunstmuseum, sie heissen Hochschule der K\u00fcnste (ZHdK), Filmfestival (ZFF), Lucerne Festival oder je nach Ort gelabelte Festspiele.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Der metaphysische Anspruch des Sch\u00f6nen, Wahren und Guten ist abgel\u00f6st worden durch das Bekenntnis zu sich st\u00e4ndig in Fluss befindlichem sch\u00f6pferischem Geist, das Besitzen von Kunst durch die Auseinandersetzung mit kreativen Prozessen. Das Werk selber verliert an materiellem Wert \u00a0(vielleicht ausser noch f\u00fcr ein paar ewiggestrige sammelw\u00fctige Parven\u00fcs in der Bildenden Kunst), der Prozess gewinnt an ideellem Wert.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Die im Toni-Areal (einer fr\u00fcheren Grossmolkerei) neu installierte Z\u00fcrcher Hochschule der K\u00fcnste (ZHdK) ist daf\u00fcr ein deutliches Zeichen. Das Geb\u00e4ude ist ein umgenutzter Industriekomplex, dessen Innenr\u00e4ume eher kahl wirken. Es wird interessant zu sein, wie sich die Musikerinnen, T\u00e4nzer, Filmerinnen und Bildenden K\u00fcnstler darin emotional einrichten werden. Im besten Falle werden sie mangelnde Behaglichkeit und W\u00e4rme durch interdisziplin\u00e4re Dynamik wettmachen (Wir nehmen auch Wetten entgegen, wann die ersten W\u00e4nde von den Nutzern autonom \u00abgestaltet\u00bb werden).<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Mit dem Zusammenzug der verschiedenen Sparten wird die ZHdK als solche sichtbar, was alleine Inspiration bedeutet. Das Areal und sein Umfeld mit Medienunternehmen, Kreativindustrie, Technopark, Theater, Kinos und Jazzclubs d\u00fcrfte zum weit ausstrahlenden Symbol zeitgem\u00e4sser Urbanit\u00e4t werden.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Nun m\u00fcssen nur noch die Exponenten des B\u00fcrgertums, deren ideelle Vorfahren ihre eigenen Kulturtempel als Resultat stolzer st\u00e4ndischer Selbstdarstellung errichteten, sich bewusst werden, dass der Unterhalt solcher Brennpunkte genauso wenig eine Sache der Kapitalrentabilit\u00e4t ist.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Leider, leider h\u00e4lt n\u00e4mlich die Entwicklung der b\u00fcrgerlichen Ideologie mit der Dynamik des Kulturlebens nicht Schritt. Wo fr\u00fcher in der Politik engagierte Wirtschaftskapit\u00e4ne und Vision\u00e4re sich bewusst waren, dass Innovation keine Frage der Rappenspalterei ist, sondern eine solche der richtigen Atmosph\u00e4re und der richtigen Infrastrukturen, erweisen sich heute faktische Berufspolitiker rechts der Mitte als gesellschaftlich und unternehmerisch ahnunglose Funktion\u00e4re. Diesen gegen\u00fcber muss man den Mut haben zu sagen: Eine Institution wie die ZHdK ist keine Frage der finanziell berechenbaren N\u00fctzlichkeit (auch wenn von ihr selbstverst\u00e4ndlich betriebwirtschaftliche Vernunft erwartet werden darf), sondern eine Frage des weiten gesellschaftlichen Horizontes und des politischen Willens.\u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\"><em>von Wolfgang B\u00f6hler<\/em><\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"images\/kolumnewb.jpg\" border=\"0\" alt=\"Portr\u00e4t Wolfgang B\u00f6hler\" style=\"float: left; margin: 8px;\" \/>03.10.2014 &#8212; Das 19. und 20. Jahrhundert waren in Sachen urbanes Kulturleben die Epoche der grossen b\u00fcrgerlichen Institutionen Stadttheater, Museum und Konzertsaal. Es ist interessant zu sehen, dass sich diese haupts\u00e4chlich \u00fcber statische Infrastrukturen definierte Kultur im 21. Jahrhundert gewandelt hat: Die Leuchtt\u00fcrme des urbanen Kulturlebens sind heute nicht mehr f\u00fcr die Ewigkeit erbaute Geb\u00e4ude und Orchester, respektive Schauspielensembles mit Lebensarbeitszeit-Garantie und Pensionsanspruch, sondern dynamische, bildungsorientierte Konglomerate \u2012 in erster Linie Kunst(-fach)hochschulen und Festivals. Die heutigen Ikonen der st\u00e4dtischen Kultur heissen nicht mehr Opernhaus (vielleicht ausser noch f\u00fcr ein paar ewiggestrige Repr\u00e4sentanten der Hochfinanz), Tonhalle und Kunstmuseum, sie heissen Hochschule der K\u00fcnste (ZHdK), Filmfestival (ZFF), Lucerne Festival oder je nach Ort gelabelte Festspiele.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[],"class_list":["post-1777","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-editorials","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1777","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1777"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1777\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1777"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1777"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1777"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}