{"id":1811,"date":"2014-10-17T11:42:09","date_gmt":"2014-10-17T11:42:09","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/10\/17\/europa-ist-das-versaillles-von-heute\/"},"modified":"2014-10-17T11:42:09","modified_gmt":"2014-10-17T11:42:09","slug":"europa-ist-das-versaillles-von-heute","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/10\/17\/europa-ist-das-versaillles-von-heute\/","title":{"rendered":"Europa ist das Versailles von heute"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\"><em>von Wolfgang B\u00f6hler<\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\"><img decoding=\"async\" src=\"images\/kolumnewb.jpg\" border=\"0\" alt=\"Portr\u00e4t Wolfgang B\u00f6hler\" style=\"float: left; margin: 8px;\" \/>17.10.2014 &#8212; Das Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) legt zur Zeit einen Schwerpunkt auf die <a href=\"http:\/\/www.srf.ch\/kultur\/barock-mon-amour\/\">Kultur des Barocks<\/a>, aus nicht ganz ersichtlichen Gr\u00fcnden. Der allm\u00e4chtige, allg\u00fctige, allergesch\u00e4tzteste und h\u00f6chlichst verehrte SRF-Denker und -Lenker Roger de Weck wird aber sicher wissen warum. M\u00f6glicherweise soll neben Landfrauenk\u00fcche und Potzmusig auch das Lebensgef\u00fchl der urbanen Schickeria reflektiert werden, die sich eh st\u00e4ndig beklagt, sch\u00e4ndlich verschm\u00e4ht zu werden \u2012 in den \u00f6ffentlich-rechtlichen Medien, die lieber das Regional-L\u00e4ndliche und das gem\u00e4ssigte Bildungsb\u00fcrgertum betonen. In der Musik haben vor allem die Alte-Musik-Bewegung und geschickte Vermarkterinnen der Barocken Oper \u2012 allen voran die erstaunlichen und zutiefst estimierten Damen Donna Leon und Cecilia Bartoli \u2012 zu einem Boom gef\u00fchrt, der nicht zuletzt in der Finanzbranche gern gesehen wird, weil er das aristokratische Lebensgef\u00fchl der heutigen st\u00e4dtischen Parven\u00fcs gegen\u00fcber dem republikanischen des l\u00e4ndlichen Plebs betont. Monarchistische Noblesse wertet auch den Wechselb\u00e4nkler auf.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00a0<em>von Wolfgang B\u00f6hler<\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\"><img decoding=\"async\" src=\"images\/kolumnewb.jpg\" border=\"0\" alt=\"Portr\u00e4t Wolfgang B\u00f6hler\" style=\"float: left; margin: 8px;\" \/>17.10.2014 &#8212; Das Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) legt zur Zeit einen Schwerpunkt auf die <a href=\"http:\/\/www.srf.ch\/kultur\/barock-mon-amour\/\">Kultur des Barock<\/a>, aus nicht ganz ersichtlichen Gr\u00fcnden. Der allm\u00e4chtige, allg\u00fctige, allergesch\u00e4tzteste und h\u00f6chlichst verehrte SRF-Denker und -Lenker Roger de Weck wird aber sicher wissen warum. M\u00f6glicherweise soll neben Landfrauenk\u00fcche und Potzmusig auch das Lebensgef\u00fchl der urbanen Schickeria reflektiert werden, die sich eh st\u00e4ndig beklagt, sch\u00e4ndlich verschm\u00e4ht zu werden \u2012 in den \u00f6ffentlich-rechtlichen Medien, die lieber das Regional-L\u00e4ndliche und das gem\u00e4ssigte Bildungsb\u00fcrgertum betonen. In der Musik haben vor allem die Alte-Musik-Bewegung und geschickte Vermarkterinnen der Barocken Oper \u2012 allen voran die erstaunlichen und zutiefst estimierten Damen Donna Leon und Cecilia Bartoli \u2012 zu einem Boom gef\u00fchrt, der nicht zuletzt in der Finanzbranche gern gesehen wird, weil er das aristokratische Lebensgef\u00fchl der heutigen st\u00e4dtischen Parven\u00fcs gegen\u00fcber dem republikanischen des l\u00e4ndlichen Plebs betont. Monarchistische Noblesse wertet auch den Wechselb\u00e4nkler auf.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">Wie dem auch sei, eine Parallele zu heute d\u00fcrfte vom SRF kaum gezogen werden: Der kulturbewusste westeurop\u00e4ische Mittelstand benimmt sich heute gegen\u00fcber den aufstrebenden Schichten in den Entwicklungsl\u00e4ndern \u00e4hnlich wie weiland der m\u00fcssiggehende Adel gegen\u00fcber dem chrampfenden Volk.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">Die saturierten Gebildeten hierzulande (die lieber Kulturwissenschaften, Byzantinische Kunst, Papyrologie \u2012 das gibt\u2019s! \u2012 oder Genderstudies \u2012 das gibt\u2019s auch, aber dass wissen die Leser, Leserinnen und das lesende Publikum nat\u00fcrlich \u2012 studieren als Bauingenieur oder Elektrotechniker zu werden) pflegen (unbewusst?) einen D\u00fcnkel gegen\u00fcber den \u00abnaiv optimistischen und zukunftsgl\u00e4ubigen\u00bb Empork\u00f6mmlingen in Indien, China oder S\u00fcdafrika, die sich Gesundheit und Sozialleben ruinieren, um am Boom ihrer L\u00e4nder teilzuhaben oder ihn gar mit anzutreiben.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">Dabei h\u00e4ufen letztere allerdings ungleich mehr Lebenserfahrung und Selbst- und Sozialkompetenz an, als die vom Staat und der Gesellschaft mit gr\u00f6sstunendlicher Liebe um- und versorgtesten B\u00fcrger hierzulande, deren erstes Interesse der Frage \u00abWer bin ich (und wozu lasse ich mich nicht mehr herunter)?\u00bb zu gelten scheint. Westeuropa ist das Versailles der heutigen Welt, das seinen Agrarmarkt protektionistisch abschottet und den L\u00e4ndern des S\u00fcdens r\u00e4t, doch Kuchen zu essen, wenn mal wieder kein Brot da ist.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">So, das war jetzt ein echt barockes Editorial \u2012 \u00fcberladen, \u00fcbertrieben, \u00fcberdreht, \u00fcberspannt, \u00fcberhitzt, sinnlich-salbadernd und saum\u00e4ssig satirisch. Simplicius h\u00e4tte seine Freude daran gehabt. Aber sicher. Trotzdem ist alles allerwahrhaftigst wahr, was da hurtig hingekritzelt worden ist. Wir schw\u00f6ren\u2019s im Pluralis Majestatis. So wahr uns Gott helfe! (<em>Wolfgangus fecit<\/em>)\u00a0\u00a0 \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\"><em>von Wolfgang B\u00f6hler<\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\"><img decoding=\"async\" src=\"images\/kolumnewb.jpg\" border=\"0\" alt=\"Portr\u00e4t Wolfgang B\u00f6hler\" style=\"float: left; margin: 8px;\" \/>17.10.2014 &#8212; Das Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) legt zur Zeit einen Schwerpunkt auf die <a href=\"http:\/\/www.srf.ch\/kultur\/barock-mon-amour\/\">Kultur des Barocks<\/a>, aus nicht ganz ersichtlichen Gr\u00fcnden. Der allm\u00e4chtige, allg\u00fctige, allergesch\u00e4tzteste und h\u00f6chlichst verehrte SRF-Denker und -Lenker Roger de Weck wird aber sicher wissen warum. M\u00f6glicherweise soll neben Landfrauenk\u00fcche und Potzmusig auch das Lebensgef\u00fchl der urbanen Schickeria reflektiert werden, die sich eh st\u00e4ndig beklagt, sch\u00e4ndlich verschm\u00e4ht zu werden \u2012 in den \u00f6ffentlich-rechtlichen Medien, die lieber das Regional-L\u00e4ndliche und das gem\u00e4ssigte Bildungsb\u00fcrgertum betonen. In der Musik haben vor allem die Alte-Musik-Bewegung und geschickte Vermarkterinnen der Barocken Oper \u2012 allen voran die erstaunlichen und zutiefst estimierten Damen Donna Leon und Cecilia Bartoli \u2012 zu einem Boom gef\u00fchrt, der nicht zuletzt in der Finanzbranche gern gesehen wird, weil er das aristokratische Lebensgef\u00fchl der heutigen st\u00e4dtischen Parven\u00fcs gegen\u00fcber dem republikanischen des l\u00e4ndlichen Plebs betont. 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