{"id":1875,"date":"2014-11-11T07:37:40","date_gmt":"2014-11-11T07:37:40","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/11\/11\/faure-seine-musik-sein-leben\/"},"modified":"2014-11-11T07:37:40","modified_gmt":"2014-11-11T07:37:40","slug":"faure-seine-musik-sein-leben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/11\/11\/faure-seine-musik-sein-leben\/","title":{"rendered":"Faur\u00e9. Seine Musik. Sein Leben"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"images\/bilder2014\/faur51114.jpg\" border=\"0\" alt=\"Cover Buch\" style=\"float: left; margin: 8px;\" \/>11.11.2014 &#8212; Sein erstes publiziertes Werk erschien in Deutschland. Der Verlag Breitkopf &amp; H\u00e4rtel druckte die Violinsonate op. 13 auf eigene Kosten. Der 31-j\u00e4hrige Komponist musste auf jegliche finanzielle Anspr\u00fcche verzichten, denn \u2013 wie das Verlagshaus begr\u00fcndete \u2013 \u00abder Name Monsieur Faur\u00e9s ist in Deutschland nicht bekannt, und der Musikmarkt wird \u00fcberschwemmt von Werken dieser Art, wenngleich sie oft weniger gelungen als das vorliegende sind.\u00bb <\/p>\n<p> Weder das Meisterwerk aus dem Jahr 1876 noch das Renommee des Leipziger Verlags brachten Gabriel-Urbain Faur\u00e9 den Durchbruch in den deutschsprachigen Gebieten, und auch in seiner Heimat dauerte es noch etliche Zeit, bis Faur\u00e9 die erhoffte k\u00fcnstlerische und soziale Anerkennung erfahren konnte.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"images\/bilder2014\/faur51114.jpg\" border=\"0\" alt=\"Cover Buch\" style=\"float: left; margin: 8px;\" \/>11.11.2014 &#8212; Sein erstes publiziertes Werk erschien in Deutschland. Der Verlag Breitkopf &amp; H\u00e4rtel druckte die Violinsonate op. 13 auf eigene Kosten. Der 31-j\u00e4hrige Komponist musste auf jegliche finanzielle Anspr\u00fcche verzichten, denn \u2013 wie das Verlagshaus begr\u00fcndete \u2013 \u00abder Name Monsieur Faur\u00e9s ist in Deutschland nicht bekannt, und der Musikmarkt wird \u00fcberschwemmt von Werken dieser Art, wenngleich sie oft weniger gelungen als das vorliegende sind.\u00bb <\/p>\n<p> Weder das Meisterwerk aus dem Jahr 1876 noch das Renommee des Leipziger Verlags brachten Gabriel-Urbain Faur\u00e9 den Durchbruch in den deutschsprachigen Gebieten, und auch in seiner Heimat dauerte es noch etliche Zeit, bis Faur\u00e9 die erhoffte k\u00fcnstlerische und soziale Anerkennung erfahren konnte.<\/p>\n<p>Faur\u00e9, geboren 1845, gestorben 1924 im 80. Lebensjahr, wurde fr\u00fch gef\u00f6rdert von seinem Klavierlehrer Camille Saint-Sa\u00ebns, der den Sch\u00fcler auch zum Komponieren anregte. Das Studium der alten polyphonen und modalen Musik beeinflusste Faur\u00e9s Tonsprache tiefgreifend und andauernd. Pr\u00e4gten zu Beginn Einfl\u00fcsse Mendelssohns, Schumanns, Chopins, Liszts seine Tonsprache, fand er bald zu einem eigenen tonal-modalen System in Anlehnung an die Kirchentonarten und mit sublimen kontrapunktischen Techniken. <\/p>\n<p> Der franz\u00f6sischste unter den franz\u00f6sischen Komponisten seiner Generation (wegen popul\u00e4rer melodieseliger S\u00e4tze wie der Berceuse op. 16 von vielen als \u00abSalonkomponist\u00bb abgetan) schuf mit penibler Selbstkritik ein ebenso vielseitiges wie umfangreiches \u0152uvre, wirkte w\u00e4hrend 15 Jahren als Direktor des Conservatoire national de musique et de d\u00e9clamation in Paris (seine Kompositionsklasse besuchten u. a. Nadia Boulanger, Ravel, Koechlin, Florent Schmitt, George Enescu), war Musikkritiker des \u00abFigaro\u00bb, unternahm Konzerttourneen in Europa und Russland. <\/p>\n<p> Um die Jahrhundertwende traten zunehmende gesundheitliche Probleme auf (Ertaubung, Migr\u00e4ne, Schwindelanf\u00e4lle, Ersch\u00f6pfungszust\u00e4nde), und desgleichen nicht mit Gl\u00fcck gesegnet waren die Konstellationen seines Privatlebens. Monatelange Aufenthalte und Kuren in Deutschland, Italien und der Schweiz dienten der Erholung, der Flucht aus den Forderungen des Alltags, verschafften kreative Freir\u00e4ume. <\/p>\n<p> Vita und Schaffen Gabriel Faur\u00e9s bilden in der Arbeit des franz\u00f6sischen Musikwissenschaftlers Jean-Michel Nectoux seit \u00fcber drei Jahrzehnten den Schwerpunkt. Nectoux ist Editionsleiter der \u0152uvres compl\u00e8tes de Gabriel Faur\u00e9, die seit 2010 bei B\u00e4renreiter erscheinen (geplant sind 28 B\u00e4nde; ein Kritisches Werkverzeichnis ist in Vorbereitung). 1990 publizierte er die umfassende Biografie in Franz\u00f6sisch (stiess damit eine Neuentdeckung Faur\u00e9s an), ein Jahr sp\u00e4ter in Englisch, dann folgten eine japanische und eine italienische Ausgabe und 2008 eine franz\u00f6sische Neuauflage, die \u2013 vom Autor durchgesehen und in der Bibliografie erg\u00e4nzt \u2013 dem vorliegenden, von Norbert Kautschitz fachm\u00e4nnisch und stilistisch untadelig \u00fcbertragenen Band zugrunde liegt. <\/p>\n<p> Nectoux gliedert die \u00fcppigen Materialien in drei Teile, deren Inhalt grosso modo chronologisch einzelne Lebensphasen umfasst; doch inhaltlich greifen sie ineinander und bekunden, wie untrennbar Faur\u00e9s Leben mit seinem Schaffen verbunden ist. So ergeben sich im Text Vor- und R\u00fcckgriffe und Redundanzen, die allesamt dem Verst\u00e4ndnis der Zusammenh\u00e4nge dienen. <\/p>\n<p> Die detaillierte, an Einzelheiten reiche, weit ausgreifende und durch Berichte von Zeitzeugen und Briefausz\u00fcgen sowie fotografischen Dokumenten bereicherte Biografie Faur\u00e9s stellt der Autor in den Rahmen der zeitgen\u00f6ssischen Voraussetzungen, Bedingungen und Ereignisse des Pariser Kulturlebens mit seinen Protagonisten vor und hinter den Kulissen der mond\u00e4nen Gesellschaft (Faur\u00e9 liess sich 1870 in der franz\u00f6sischen Metropole nieder). <\/p>\n<p> Zum Biografisch-Historischen tritt die einl\u00e4ssliche W\u00fcrdigung des kompositorischen Werks in den drei Schaffensperioden: \u00abDie erste Periode (1860\u20131886) war jene der stilistischen Suche und der \u2018Abrechnung\u2019 mit dem romantischen Erbe [\u2026], die zweite (1887\u20131905) jene der Reifezeit, in welcher Faur\u00e9 einen Personalstil entwickelte, der von Chromatik gepr\u00e4gt war und sich auch in exzessiver polyphoner und harmonischer Experimentierfreude \u00e4u\u00dferte [\u2026]. Die letzte Periode (1907\u20131924) bedeutete eine radikale Erneuerung hinsichtlich der Auflockerung des instrumentalen Satzes, einer Straffung melodischer B\u00f6gen und einer noch gr\u00f6\u00dferen harmonischen Innovation, die das Ergebnis einer st\u00e4ndigen Besch\u00e4ftigung mit dem Kontrapunkt war.\u00bb (Seite 291) <\/p>\n<p> Umfangreiche Kapitel w\u00fcrdigen mit Analysen ausgew\u00e4hlter Kompositionen die Klavier- und die Kammermusik, die M\u00e9lodies (Lieder), sinfonische und konzertante Werke, die B\u00fchnenmusik und die Opern (in \u00abProm\u00e9th\u00e9e\u00bb verlangt Faur\u00e9 nicht weniger als 13 Harfen!), die weltlichen Chorwerke und die Kirchenmusik (am bekanntesten darunter das Requiem). Wichtige Aspekte, so das Verh\u00e4ltnis von Text und Musik, Wort und Ton (ein anforderungsreiches Kapitel), kompositionstechnische Verfahren (Tonalit\u00e4t und Modalit\u00e4t, Rhythmus, polyphone Techniken, Melos, Orchestrierung) werden ebenso gr\u00fcndlich behandelt wie Fragen der Interpretation und Faur\u00e9s Kunst\u00e4sthetik und Kunstphilosophie. <\/p>\n<p> Der gut 150 Seiten umfassende Anhang enth\u00e4lt eine Chronik zu Faur\u00e9s Leben und Werk, Stammb\u00e4ume, eine Aufstellung der Auff\u00fchrungen des Requiems op. 48 zwischen 1888 und 1902, das chronologisch nach Entstehungsjahren angeordnete Werkverzeichnis, Tontr\u00e4geraufnahmen mit Faur\u00e9 am Reproduktionsklavier, die Anmerkungen, die Bibliografie, das Personen- und Orts- sowie das Werkregister. <\/p>\n<p> Pers\u00f6nlichkeit und Epoche, Schaffen und Ausstrahlung, gew\u00fcrdigt in kenntnisreicher Darstellung und differenzierter Deutung: Jean-Michel Nectoux\u2019 grosse Faur\u00e9-Biografie wird zweifellos ein Standard- und Referenzwerk bleiben. (ws) <\/p>\n<p> <strong><em>Zitat aus dem Buch: <\/em><\/strong><br \/> \u00abWie jene Prousts oder Mallarm\u00e9s ist Faur\u00e9s Kunst kulturelle Hochleistung. Sie fasst eine jahrhundertelange Entwicklung zusammen; ist sie auch nicht das Ergebnis mutiger, epochaler Neuerung, so hat sie doch in ihrem Rahmen merklich Anteil an der Moderne. Nat\u00fcrlich w\u00e4re es falsch, Faur\u00e9s Grenzen, die er aufgrund seiner gro\u00dfen Bescheidenheit auch als K\u00fcnstler nicht durchbrechen konnte, zu verschweigen. Andrererseits muss man die geniale Vervollkommnung seiner vieldeutigen Ausdrucksweise w\u00fcrdigen. Bezaubert und bewegt uns Faur\u00e9 auch heute noch oft, so geschieht dies aufgrund seiner Melancholie und Empfindsamkeit, aufgrund dieses ergreifenden Gl\u00fccksgef\u00fchls, wo wie ein gro\u00dfes Feuer seine K\u00fcnstlerseele \u2013 so sanft und liebenswert \u2013 strahlt.\u00bb (Seite 487)<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><strong>Info:<\/strong><br \/>Jean-Michel Nectoux: Faur\u00e9. Seine Musik. Sein Leben. \u00abDie Stimmen des Clair-obscur\u00bb. Aus dem Franz\u00f6sischen von Norbert Kautschitz. B\u00e4renreiter-Verlag, Kassel 2013. 644 Seiten mit 93 Notenbeispielen und 48 Abbildungen. \u20ac 49,95. Fr. 66.90.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"images\/bilder2014\/faur51114.jpg\" border=\"0\" alt=\"Cover Buch\" style=\"float: left; margin: 8px;\" \/>11.11.2014 &#8212; Sein erstes publiziertes Werk erschien in Deutschland. Der Verlag Breitkopf &amp; H\u00e4rtel druckte die Violinsonate op. 13 auf eigene Kosten. Der 31-j\u00e4hrige Komponist musste auf jegliche finanzielle Anspr\u00fcche verzichten, denn \u2013 wie das Verlagshaus begr\u00fcndete \u2013 \u00abder Name Monsieur Faur\u00e9s ist in Deutschland nicht bekannt, und der Musikmarkt wird \u00fcberschwemmt von Werken dieser Art, wenngleich sie oft weniger gelungen als das vorliegende sind.\u00bb <\/p>\n<p> Weder das Meisterwerk aus dem Jahr 1876 noch das Renommee des Leipziger Verlags brachten Gabriel-Urbain Faur\u00e9 den Durchbruch in den deutschsprachigen Gebieten, und auch in seiner Heimat dauerte es noch etliche Zeit, bis Faur\u00e9 die erhoffte k\u00fcnstlerische und soziale Anerkennung erfahren konnte.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[11],"tags":[],"class_list":["post-1875","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-buchbesprechungen","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1875","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1875"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1875\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1875"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1875"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1875"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}