{"id":1894,"date":"2014-11-18T15:08:37","date_gmt":"2014-11-18T15:08:37","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/11\/18\/argovia-philharmonic-zweites-symphoniekonzert\/"},"modified":"2014-11-18T15:08:37","modified_gmt":"2014-11-18T15:08:37","slug":"argovia-philharmonic-zweites-symphoniekonzert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/11\/18\/argovia-philharmonic-zweites-symphoniekonzert\/","title":{"rendered":"Argovia Philharmonic: Zweites Symphoniekonzert"},"content":{"rendered":"<p>18.11.2014 &#8212; An der Schnittstelle zweier schon fast orthogonaler Kulturen: Douglas Bostock, der Chefdirigent des Orchesters Argovia Philharmonic, pflegt die britische, aber auch die japanische Musik, zu beiden L\u00e4ndern hat er enge Beziehungen. Der Aargauer Klangk\u00f6rper und sein Publikum profitieren davon, mit Programmschwerpunkten, welche die beiden Klangwelten kundig, intelligent und engagiert zum Thema machen und dem Ensemble ein eigenes unverwechselbares Profil verleihen. In dieser Saison hat das Orchester im Rahmen seiner Abonnementskonzerte eine Art kleines Japan-Festival veranstaltet, das mit dem 2. Symphoniekonzert abgeschlossen worden ist, formell aus Anlass des Jubila\u0308ums der mittlerweile 150 Jahre bestehenden diplomatischen Beziehungen und der Freundschaft zwischen Japan und der Schweiz.<\/p>\n<p>18.11.2014 &#8212; An der Schnittstelle zweier schon fast orthogonaler Kulturen: Douglas Bostock, der Chefdirigent des Orchesters Argovia Philharmonic, pflegt die britische, aber auch die japanische Musik, zu beiden L\u00e4ndern hat er enge Beziehungen. Der Aargauer Klangk\u00f6rper und sein Publikum profitieren davon, mit Programmschwerpunkten, welche die beiden Klangwelten kundig, intelligent und engagiert zum Thema machen und dem Ensemble ein eigenes unverwechselbares Profil verleihen. In dieser Saison hat das Orchester im Rahmen seiner Abonnementskonzerte eine Art kleines Japan-Festival veranstaltet, das mit dem 2. Symphoniekonzert abgeschlossen worden ist, formell aus Anlass des Jubila\u0308ums der mittlerweile 150 Jahre bestehenden diplomatischen Beziehungen und der Freundschaft zwischen Japan und der Schweiz.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>In dreifacher Hinsicht werden da Verschr\u00e4nkungen pr\u00e4sentiert, einmal mit einer Komposition eines Japaners \u2012 des 1931 geborenen Yuzo Toyama \u2012\u00a0 f\u00fcr ein westliches Publikum, dann wiederum einer solchen eines Briten \u2012 Gustav Holst \u2012 f\u00fcr einen japanischen T\u00e4nzer, und schliesslich in der Person der jungen japanischen, in Deutschland aufgewachsenen Pianistin Hisako Kawamura, die auch in beiden L\u00e4ndern konzertiert und unterrichtet (in Duisburg und Tokio). \u00a0Sie ist unter anderem Gewinnerin des Concours Clara Haskil.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Viel Kundiges, Unterhaltsames und Erhellendes zu sagen hat der ausgewiesene Japan-Kenner und \u2011Liebhaber Bostock in der Konzerteinf\u00fchrung zu Toyamas \u00abRhapsodie f\u00fcr Orchester\u00bb, die das im japanischen In- und Ausland meistgespielte Werk eines japanischen Komponisten sein soll und das Perkussions-Instrumentarium des Kabuki-Theaters mit europ\u00e4ischen Streichern und Bl\u00e4sern kombiniert.\u00a0 Nun stehen Popularit\u00e4t und kompositorische Qualit\u00e4t ja nicht in einem simpel proportionalen Verh\u00e4ltnis. Das zirzensische Encore (das in Japan auch bei Schulorchestern sehr beliebt sein soll), scheint in erster Linie zu bekr\u00e4ftigen, dass es unm\u00f6glich scheint, traditionelle europ\u00e4ische Kadenzharmonik und Pentatonik auf volkst\u00fcmliche Art mit der kargen, in den einzelnen Klang kriechenden japanischen Theatralik zu verbinden.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>In die Tanz und Theater verbundenen Werke des Abend eingeschoben ist Mozarts Klavierkonzert Nr. 21, KV 467. Dass Douglas Bostock in der Konzerteinf\u00fchrung dazu nicht viel sagen will, scheint symptomatisch. Man kann die Vermutung wagen, dass ihm die Musik des Salzburger Meisters nicht sehr nahe steht. Einen eigenst\u00e4ndigen Akzent setzt vor allem die Pianistin mit eigenen, stimmigen Kadenzen, in denen sie im ersten Satz sogar das Haupthema der grossen g-Moll-Sinfonie einwebt; sie glaubt dabei Bez\u00fcge zur Motivik des Klavierkonzertes zu erkennen. Der ber\u00fchmte zweite Satz des Konzertes ist im Kultur- und Kongresshaus Aarau \u00fcberaus z\u00fcgig zu h\u00f6ren, in einer Version, die alles sonst so beliebte Elegische vermeidet, und im letzten Satz, in dem die Solistin eher vorw\u00e4rts zu dr\u00e4ngen scheint, bewegt sich die Interpretation streckenweise am Rande des \u00dcberfliegens, allerdings auf hohem Niveau.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Hisako Kawamura bedankt sich f\u00fcr den freundlichen Applaus (und \u00fcberraschenderweise eine Flasche Wein anstelle von Blumen\u2026) mit dem Adagio aus Mozarts F-Dur-Klaviersonate KV 332 \u2012 nach dem eher n\u00fcchternen Andante des Konzertes nun verbl\u00fcffend romantisierend pedaliert als Zugabe.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Holsts \u00abJapanische Suite\u00bb ist das Werk eines erkl\u00e4rten Japan-Nichtkenners. Der T\u00e4nzer Michio Ito hat ihm, wie Douglas Bostock in der Konzerteinf\u00fchrung erz\u00e4hlt, japanische Melodien vorgepfiffen, um f\u00fcr Kolorit zu sorgen, das dann allerdings zur Zeit seiner Entstehung 1915 mehr den europ\u00e4ischen Japan-Chic seiner Zeit widerspiegelt, als die authentische \u00c4sthetik des Landes der aufgehenden Sonne einzuatmen. Wer Holsts \u00abPlaneten\u00bb mag, wird aber sicherlich auch mit seinen Japan-Reminiszenzen warm. Bostock, der die Partitur von seinem britischen Dirigerlehrer und Holst-Freund Adrian Boult pers\u00f6nlich angedient bekommen hat, d\u00fcrfte dazu in Sachen Interpretationszuverl\u00e4ssigkeit eine der weltweit ersten Adressen sein.\u00a0<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Auf welch hohes Niveau Bostock das Aargauer Orchester zu hieven vermag, zeigt schliesslich die exzellente Wiedergabe von Strawinskys \u00abFeuervogel\u00bb (in der Version von 1919). Support bekommt er dabei vor allem von den durchwegs h\u00f6chstklassigen Holzbl\u00e4sern, denen in dem Werk ja auch eine zentrale Rolle zukommt.<em> (wb)<\/em><\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><em>Kultur- und Kongresshaus Aarau, 16. November 2014. 2. Symphoniekonzert des Argovia Philharmonic, Douglas Bostock (Leitung), Hisako Kawamura (Klavier), Werke von Toyama, Mozart, Holst und Strawinsky. \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>18.11.2014 &#8212; An der Schnittstelle zweier schon fast orthogonaler Kulturen: Douglas Bostock, der Chefdirigent des Orchesters Argovia Philharmonic, pflegt die britische, aber auch die japanische Musik, zu beiden L\u00e4ndern hat er enge Beziehungen. Der Aargauer Klangk\u00f6rper und sein Publikum profitieren davon, mit Programmschwerpunkten, welche die beiden Klangwelten kundig, intelligent und engagiert zum Thema machen und dem Ensemble ein eigenes unverwechselbares Profil verleihen. In dieser Saison hat das Orchester im Rahmen seiner Abonnementskonzerte eine Art kleines Japan-Festival veranstaltet, das mit dem 2. 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