{"id":203,"date":"2014-01-10T10:10:13","date_gmt":"2014-01-10T10:10:13","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/10\/illustrierte-geschichte-der-huellengrafik\/"},"modified":"2014-01-10T10:10:13","modified_gmt":"2014-01-10T10:10:13","slug":"illustrierte-geschichte-der-huellengrafik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/10\/illustrierte-geschichte-der-huellengrafik\/","title":{"rendered":"Illustrierte Geschichte der H\u00fcllengrafik"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2009\/090627covers.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/><em>26.06.2009 &#8212;<\/em> Eigentlich ist ja erst gut ein Vierteljahrhundert vergangen, seit ein tiefgreifender Wandel das Erscheinungsbild der Musikbranche ergriffen hat. Die relativ grossfl\u00e4chigen Langspielplatten sind abgel\u00f6st worden durch die deutlich kleineren Compact Discs, die in Sachen H\u00fcllengestaltung weitaus weniger Spielraum lassen als die beachtlichen Kartons der Vinylscheiben. Nun befinden wir uns in einer noch weit radikaleren Umbruchphase, in der sich Musik vollst\u00e4ndig von einem Tr\u00e4germedium zu l\u00f6sen scheint und als digitale Dateien keiner Materialisierung mehr bedarf \u2013 es sei denn in Form begleitender Webseiten, denen aber das haptische Erlebnis der Scheiben-H\u00fcllen g\u00e4nzlich abgeht. Da wirkt ein Blick zur\u00fcck auf die Kunst der Grafik des Vinylzeitalters schon fast wie eine arch\u00e4ologische Expedition in ein versunkenes Land der versponnenen Poesie.<\/p>\n<p> M\u00f6glich macht diese Reise ein mit grosser Sorgfalt, hohem Geschmack und viel Detailwissen um die Geschichte der bedeutenden Labels in Ost und West zusammengestelltes Buch der \u00abCover Art\u00bb. Der im Berliner Design-Verlag erschienene Band \u00abClassique. Cover Art for Classical Music\u00bb greift auf die Kollektion des deutschen Sammlers Horst Scherg zur\u00fcck, der auch als Autor des Buches amtet. Zu 777 Coverabbildungen aus den Best\u00e4nden legend\u00e4rer Labels vornehmlich aus den USA sowie Zentral-, Nord- und Osteuropa hat er einige in Englisch verfasste Essays zur Geschichte dieser ganz eigenen Kunst und seiner eigenen Besitzt\u00fcmer verfasst.<\/p>\n<p> Die Abbildungen, die teils faszinierende gestalterische Mikrokosmen auff\u00e4chern, sind in Kapitel gegliedert, die einerseits historische Linien nachzeichnen, von den illustrativen Anf\u00e4ngen in den f\u00fcnfziger Jahren des 20. Jahrhunderts bis zu den Fotocollagen der siebziger. Andererseits werden thematische Linien verfolgt, etwa Naturmotive als Metaphern f\u00fcr die Musik, der R\u00fcckgriff auf die Malerei, abstrakte Formen und Nationalstile. Der Betrachter kommt dabei immer mehr ins Staunen ob der Fantasie, der poetischen Kraft und des handwerklichen K\u00f6nnens in diesem Universum der Gebrauchsgrafik.<\/p>\n<p> Der Band f\u00e4chert im Speziellen eine F\u00fclle von Materialien aus den ehemaligen Ostblockl\u00e4ndern mit ihrer ganz eigenen \u00c4sthetik auf. Er erg\u00e4nzt damit ein Kennern vertrautes \u00e4lteres Standardwerk, Jaco van Witteloostuijn&#8217;s \u00abThe Classical Long Playing Record\u00bb aus dem Jahr 1997, ein antiquarisches Verzeichnis aus den Niederlanden, das seinen Fokus auf die westeurop\u00e4ischen Labels richtet. <\/p>\n<p> Zu guter Letzt ist \u00abClassique\u00bb auch ein Kompendium der historischen Label; in einem eigenen Kapitel werden deren typische runde Zentrums-Aufkleber auf den Platten dokumentiert. Diese liefern dem Sammler \u00fcbrigens mehr Informationen als man vermuten w\u00fcrde. Die Plattenfirmen realisierten nicht selten mehrere Auflagen einer Aufnahme, die zwar immer mit der gleichen Plattenh\u00fclle ausgeliefert wurden, aber mit wechselnden Stickern auf der Platte selber versehen waren. Sie verraten so, ob tats\u00e4chlich eine \u00abErstauflage\u00bb vorliegt. Wie Buchliebhaber scheinen Plattensammler mit Vorliebe Jagd auf solche Erstdrucke zu machen und diese besonders hoch zu handeln.<\/p>\n<p> Der detaillierte Sticker-Katalog und ein Webseiten-Verzeichnis d\u00fcrften dem Kollektor also wertvolle Dienste leisten, die teils grossz\u00fcgigen Abbildungen der Covers wiederum Grafikern und Branding-Experten heutiger Klassikprodukte eine hochklassige Quelle der Inspiration. Aber auch der einfache Liebhaber wird beim Eintauchen in diese versunkene Welt des haptischen Klassikerlebnisses ahnen, dass jeder Gewinn an Vielfalt und Verf\u00fcgbarkeit des Angebotes auf dem Musikmarkt auch mit einem Verlust an Liebe zum Detail und zur Einzigartigkeit verbunden ist. <em>(wb)<\/em><\/p>\n<p> <em><span class=\"txt-s-black\"><span style=\"font-size: x-small;\">Classique. Cover Art for Classical Music. Horst Scherg (Hsg.), Texte in Englisch, 777 Cover-Abbildungen, \u20ac 39,90, Format: 24 x 28 cmm, 224 Seiten, ISBN: 978-3-89955-228-7. Bezugsnachweis: <a href=\"http:\/\/www.gestalten.com\/books\/detail?id=ceaea7651adf9ba0011b2c6260da0233\" target=\"blank\" rel=\"noopener noreferrer\">www.gestalten.com<\/a> Auf der Detailseite zum Band finden sich auch Beispielseiten aus dem Buch.<\/span> <\/span> <\/em><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>26.06.2009 &#8212; Eigentlich ist ja erst gut ein Vierteljahrhundert vergangen, seit ein tiefgreifender Wandel das Erscheinungsbild der Musikbranche ergriffen hat.&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4],"tags":[],"class_list":["post-203","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-im-gespraech","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/203","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=203"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/203\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=203"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=203"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=203"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}