{"id":2036,"date":"2015-01-19T10:11:12","date_gmt":"2015-01-19T10:11:12","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2015\/01\/19\/zuercher-symposium-musiktherapie-unterwegs\/"},"modified":"2015-01-19T10:11:12","modified_gmt":"2015-01-19T10:11:12","slug":"zuercher-symposium-musiktherapie-unterwegs","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2015\/01\/19\/zuercher-symposium-musiktherapie-unterwegs\/","title":{"rendered":"Z\u00fcrcher Symposium \u00abMusiktherapie unterwegs\u00bb"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"images\/bilder2015\/150116mt_tagung_titel.jpg\" border=\"0\" width=\"500\" height=\"267\" \/><br \/><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: x-small;\">Die Musiktherapie ist in Bewegung, auch in einer Aufw\u00e4rmrunde des Z\u00fcrcher Symposiums\u00a0 (Bilder: Codex flores)<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\"><strong>\u00a0<\/strong><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\"><strong>Ein Symposium der Z\u00fcrcher Hochschule der K\u00fcnste (ZHdK) hat den R\u00fccktritt der beiden Schweizer Musiktherapie-Pioniere Fritz Hegi und Maja R\u00fcdis\u00fcli aus der Lehre\u00a0zum Anlass genommen, sich zum Stand der Musiktherapie auszutauschen. Es hat dabei viel internationale Fachprominenz versammelt.<\/strong><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">19.01.2015 &#8212; Seit 2003 werden an der Z\u00fcrcher Hochschule der K\u00fcnste (ZHdK) in Kooperation mit der Interkantonalen Hochschule f\u00fcr Heilp\u00e4dagogik (HfH) sowie in Zusammenarbeit mit der Schweizer Charta f\u00fcr Psychotherapie Musiktherapie-Studieng\u00e4nge angeboten. Den Kern bildet ein Master of Advanced Studies (MAS) ZFH Klinische Musiktherapie, der berufsbegleitend als Nachdiplomstudium \u00fcber vier Jahre erworben werden kann.\u00a0 Wesentlich zu verdanken ist er der Aufbauarbeit von Fritz Hegi und Maja R\u00fcdis\u00fcli. Sie sind mit der Tagung, zu der Musiktherapie-Studienleiter aus dem ganzen deutschsprachigen Raum eingeladen worden sind, offiziell in den (Un-)ruhestand verabschiedet worden.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">Sandra Lutz Hochreutener, die in der Nachfolge zusammen mit Beate Roelcke die Leitung des Z\u00fcrcher MAS Klinische Musiktherapie innehat, blendet in einer W\u00fcrdigung zum Abschluss der aussergew\u00f6hnlich gut besuchten zwei Tage denn auch zur\u00fcck bis in die 1970er-Jahre, in denen die Schweizer Musiktherapie aus den Ideen der 68er-Bewegung wuchs und vorerst in diesem Sinn und Geist weitgehend autodidaktisch aufgebaut wurde. 1980 kam es zur Gr\u00fcndung des Schweizer Fachverbandes f\u00fcr Musiktherapie (SFMT). In den 1980er-Jahren pr\u00e4gten Seminare des Hamburger Pioniers Helmut Decker-Voigt in Boswil und am Konservatorium Schaffhausen durch Walter Kl\u00e4y \u2012\u00a0 einer breiteren \u00d6ffentlichkeit vor allem als Radioredaktor bekannt \u2012 die famili\u00e4re Szene. Ab 1986 wurde eine Berufsbegleitende Ausbildung Musiktherapie (BAM) angeboten, die 2003 schliesslich als MAS in die Weiterbildungsangebote der ZHdK integriert wurde.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"images\/bilder2015\/150116mt_tagung_2.jpg\" border=\"0\" width=\"574\" height=\"271\" style=\"vertical-align: middle;\" \/><br \/><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: x-small;\">Viel Prominenz unter den versammelten Referierenden <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">Im Er\u00f6ffnungsreferat der Tagung hat die Wienerin Elena Fitzthum den Bogen bereits noch weiter zur\u00fcckgespannt und die Wurzeln der deutschen und \u00f6sterreichischen Musiktherapie in den Reformbewegungen des fr\u00fchen 20. Jahrhunderts nachgezeichnet, vor allem der freiheitlichen Alltagsk\u00f6rperkultur \u2012 nicht ohne zun\u00e4chst daran zu erinnern, dass die 1891 geborene Luzernerin Mimi Scheiblauer als Rhythmik-Pionierin der Musiktherapie in der Heilp\u00e4dagogik wesentliche Impulse verlieh. Die Reformbewegungen h\u00e4tten vor allem eine Anti-Haltung kultiviert, erkl\u00e4rte Fitzthum, sie h\u00e4tten sich gegen Zw\u00e4nge gerichtet, gegen Bevormundungen, f\u00fcr Selbstverwirklichung und Frauenrechte, freie Sexualit\u00e4t und freien k\u00fcnstlerischen Ausdruck. Die Musiktherapie fusse historisch betrachtet auf einem multidisziplin\u00e4ren Erbe, das gepr\u00e4gt sei von Umbr\u00fcchen und Emanzipationsprozessen und der aufkommenden Tiefenpsychologie. In die USA getragen wurden die Ideen von Verfolgten der Nationalsozialisten, hierzulande wiederum pr\u00e4gten sie auch die traumatischen Erfahrungen mit den Euthanasiegesetzen. \u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">Nicht zuletzt den Pionierarbeiten von Mimi Scheiblauer sei es zu verdanken, dass die Musiktherapie hierzulande in der Heilp\u00e4dagogik, teils gepr\u00e4gt von anthroposophischen oder antiintellektuell-spirituellen Konzeptionen, in den 1960er- und 1970er-Jahren Fuss fassen konnte. In dieser Zeit, erkl\u00e4rt Fitzthum, h\u00e4tten sich Definitionen des Faches ihrer ideellen Herkunft aus einer Protestbewegung folgend vor allem darin ersch\u00f6pft, zu sagen, was es nicht sei.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><img decoding=\"async\" src=\"images\/bilder2015\/150116mt_tagung_3.jpg\" border=\"0\" style=\"vertical-align: middle;\" \/><br \/><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: x-small;\">Fritz Hegi und <span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: x-small;\">Maja R\u00fcdis\u00fcli<\/span> mit\u00a0 <span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: x-small;\">Sandra Lutz <\/span>(in der Mitte) bei<br \/> ihrer offiziellen Verabschiedung.\u00a0 <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">Die aktuellen Entwicklungen in \u00a0Europa skizzierte am Symposium die D\u00e4nin Hanne Mette Ochsner. Ihre Ausf\u00fchrungen zeigten, dass die Phasen, welche die Musiktherapie in der Schweiz durchgemacht hat, durchaus europ\u00e4ische Entwicklungen widerspiegeln. Auf dem ganzen Kontinent sei gegen Ende des 20. Jahrhunderts eine Professionalisierung zu beobachten gewesen, die Nuller-Jahre des 21. Jahrhunderts h\u00e4tten zu einem exponentiellen\u00a0 Anwachsen der Forschung gef\u00fchrt, und die Musiktherapie habe in verschiedene nationale klinische Richtlinien Eingang gefunden, etwa in Grossbritannien und D\u00e4nemark. \u00a0\u00a0\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">Die Verabschiedung von Fritz Hegi und Maja R\u00fcdis\u00fcli f\u00e4llt in eine Zeit intensivster Grundlagen- und Methodendiskussionen der Musiktherapie. Dem ist auch an der Z\u00fcrcher Tagung Rechnung getragen worden. In einem \u00abWorld Caf\u00e9\u00bb haben sich Referierende und Teilnehmer in Gruppen zusammengesetzt, um Fragen darum zu diskutieren, wie sich Musiktherapie im Spannungsfeld zwischen traditionellen geisteswissenschaftlichen Konzepten und kostenbewusster, evidenzbasierter Medizin, Heilritualen und heutigen Konsumkulturen bewegen und inwiefern das gesellschaftspolitische Engagement der Pionierzeit heute noch eine Rolle spielen kann oder soll.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">Das Abschlusspodium ist mit Susanne Bauer, Friederike Haslbeck, Fritz Hegi, Bettina Kand\u00e9-Staehelin, Thomas Stegemann, Tonius Timmermann und Eckhard Weymann illuster besetzt. Fritz Hegi gibt sich in einer Art Res\u00fcmee seiner ideellen Grundlagen \u00fcberzeugt, dass sich die Musiktherapie nicht auf quantitative, naturwissenschaftliche Methoden reduzieren l\u00e4sst. Es bed\u00fcrfe ebenso ph\u00e4nomenologischer Forschung geisteswissenschaftlicher Pr\u00e4gung. Letztere ist seiner \u00dcberzeugung nach noch nicht gleich anerkannt wie die naturwissenschenschaftliche, die qualitativ-ph\u00e4nomenologischen Forschungen der Musiktherapie w\u00fcrden zur Zeit noch nicht angemessen gew\u00fcrdigt. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">Der Moderator Michael Eidenbenz, Leiter der Musikabteilung der ZHdK, hat das Podium zuvor eingeleitet \u2012 mit der Beobachtung, an den Inhalten der Tagung lasse sich nach wie vor ein \u00abgewisses Bed\u00fcrfnis nach Selbstlegitimation\u00bb des Faches ablesen, obwohl dieses ja bereits ein gewisses Alter habe. Auch die auffallenden (gesellschafts-)politischen Implikationen als typische Herkunfts-Kennzeichen des Faches hat Eidenbenz angesprochen. An einem Kardiologenkongress etwa w\u00fcrden solche ja kaum virulent. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">Auf dem Podium wird zudem darauf hingewiesen, dass mit der h\u00f6heren Akzpetanz und der Integration der Musiktherapie in Kliniken und Krankenkassen eine wesentliche St\u00e4rke fr\u00fcherer Zeiten verloren zu gehen droht: die f\u00fcr geisteswissenschaftliche Auseinandersetzungen mit Heilungs- und Pers\u00f6nlichkeitsentwicklungs-Prozessen typischen Freir\u00e4ume zeitintensiver, auch langsamer therapeutischer Prozesse. Die an den Unispit\u00e4lern Bern und Z\u00fcrich in der Neonatologie t\u00e4tige Friederike Haslbeck sieht denn nach wie vor eine St\u00e4rke der Musiktherapie gerade darin, auch im hektischen klinischen Alltag f\u00fcr Inseln der Entschleunigung zu sorgen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\"><strong>Info: <\/strong>Symposium \u00abMusiktherapie unterwegs. R\u00fcckschau und Zukunftswerkstatt\u00bb, Z\u00fcrcher Hochschule der K\u00fcnste, 10.\/11. Januar 2015.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Musiktherapie ist in Bewegung, auch in einer Aufw\u00e4rmrunde des Z\u00fcrcher Symposiums\u00a0 (Bilder: Codex flores) \u00a0 Ein Symposium der Z\u00fcrcher&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[9],"tags":[],"class_list":["post-2036","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-musiktherapie","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2036","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2036"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2036\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2036"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2036"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2036"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}