{"id":2040,"date":"2015-01-20T10:34:22","date_gmt":"2015-01-20T10:34:22","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2015\/01\/20\/jonas-kaufmann-the-berlin-album\/"},"modified":"2015-01-20T10:34:22","modified_gmt":"2015-01-20T10:34:22","slug":"jonas-kaufmann-the-berlin-album","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2015\/01\/20\/jonas-kaufmann-the-berlin-album\/","title":{"rendered":"Jonas Kaufmann: The Berlin Album"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"images\/bilder2015\/150116kaufmann.jpg\" border=\"0\" alt=\"Cover CD\" width=\"100\" height=\"100\" style=\"float: left; margin: 8px;\" \/><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">16.01.2015 \u2013 Schrittweise hat sich Deutschland die popul\u00e4re Musik der Zwischenkriegszeit wieder angeeignet. Zuvor schienen die Skrupel, bef\u00f6rdert vom Verdikt Adornos, dass mutmasslich \u00a0konfektionierte Expressivit\u00e4t \u2012 kristallisiert im verminderten Akkord \u2012 nicht nur verbraucht, sondern falsch klinge. Die Hemmungen, angesichts der sp\u00e4teren dunkeln Zeit deutscher Geschichte der Frivolit\u00e4t zu huldigen, die dieser im Land auch vorangegangen war, schienen zu stark. Weiter lebte die Zeit der halbseiden-glamour\u00f6sen Operette Kalmans und Lehars und des Tenorschmelzes eines Richard Tauber bloss noch in den Radiowunschkonzerten in den pl\u00fcschig-fetten und harmlosen Versionen Annelise Rothenbergers und Ren\u00e9 Kollos.<\/span><\/p>\n<p>\u00a0<span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"images\/bilder2015\/150116kaufmann.jpg\" border=\"0\" alt=\"Cover CD\" width=\"100\" height=\"100\" style=\"float: left; margin: 8px;\" \/>16.01.2015 \u2013 Schrittweise hat sich Deutschland die popul\u00e4re Musik der Zwischenkriegszeit wieder angeeignet. Zuvor schienen die Skrupel, bef\u00f6rdert vom Verdikt Adornos, dass mutmasslich \u00a0konfektionierte Expressivit\u00e4t \u2012 kristallisiert im verminderten Akkord \u2012 nicht nur verbraucht, sondern falsch klinge. Die Hemmungen, angesichts der sp\u00e4teren dunkeln Zeit deutscher Geschichte der Frivolit\u00e4t zu huldigen, die dieser im Land auch vorangegangen war, schienen zu stark. Weiter lebte die Zeit der halbseiden-glamour\u00f6sen Operette Kalmans und Lehars und des Tenorschmelzes eines Richard Tauber bloss noch in den Radiowunschkonzerten in den pl\u00fcschig-fetten und harmlosen Versionen Annelise Rothenbergers und Ren\u00e9 Kollos.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">Zuerst schien Max Raabe mit seinem Palast Orchester zu sp\u00fcren, dass die Zeit gekommen war, einer Musikkultur zu huldigen, die intelligent, frech, lebenslustig, ja auch anarchistisch und frivol war und eine eigene negative \u00c4sthetik pflegte. Mittlerweile hat das Revival den Mainstream erreicht. Piotr Beczala hat Richard Tauber mit dem Album <a href=\"http:\/\/www.codexflores.ch\/index.php\/component\/content\/article\/9-im-gespraech\/101-beczala-singt-taubers-groesste-erfolge\">\u00abMein ganzes Herz\u00bb<\/a> ein Denkmal gesetzt. Kaufmann huldigt dem Zeitgeist nun mit dem Album \u00abDu bist die Welt f\u00fcr mich\u00bb. Die Lieder, auf die referiert wird, scheinen ein Paradoxon zu best\u00e4tigen: Je wohlanst\u00e4ndiger das B\u00fcrgertum sich in der Zeit geb\u00e4rdete, umso schw\u00e4rzer und pessimistischer waren die Texte der \u00abgeschmackvollen\u00bb Liederabende, denen es wohlgesittet beiwohnte; je derber und gewaltt\u00e4tiger das Milieu, in dem sich die \u00abpopul\u00e4re\u00bb Kunst produzierte, umso zuversichtlich-verf\u00fchrerischer und warmherziger waren die Texte, zu denen das Publikum keineswegs gesittet beischlief.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">Kaufmann ist als Richard-Tauber- und Joseph-Schmidt-Erbe un\u00fcbertrefflich. Ein Ereignis auf der CD ist aber auch das von Jochen Rieder geleitete Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin, das sich die n\u00f6tige Kompetenz dank intensiver Auseinandersetzung mit der Filmmusik der Weimarer Republik erworben hat (so steht es zumindest im Booklet). Eingegrenzt worden ist die Liederwahl auf die Zeit zwischen 1925 und 1935, mit Nummern von unter anderen Lehar, Tauber, Robert Stolz, Kalman, Hans May, Paul Abraham, Ralph Benatzky und Erich Wolfgang Korngold. Aufgenommen worden ist das Album im nicht minder bemerkenswerten ehemaligen Sitz des Rundfunks der DDR in der Berliner Nalepstrasse, das aber w\u00e4re ein andere Geschichte.<em> (wb)<\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\"><strong>Info: <\/strong>Jonas Kaufmann: Du bist die Welt f\u00fcr mich (The Berlin Album). Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin, Jochen Rieder (Leitung), Julia Kleiter (Sopran). Sony Classical, Best.-Nr. 88883757422.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"images\/bilder2015\/150116kaufmann.jpg\" border=\"0\" alt=\"Cover CD\" width=\"100\" height=\"100\" style=\"float: left; margin: 8px;\" \/><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">16.01.2015 \u2013 Schrittweise hat sich Deutschland die popul\u00e4re Musik der Zwischenkriegszeit wieder angeeignet. Zuvor schienen die Skrupel, bef\u00f6rdert vom Verdikt Adornos, dass mutmasslich \u00a0konfektionierte Expressivit\u00e4t \u2012 kristallisiert im verminderten Akkord \u2012 nicht nur verbraucht, sondern falsch klinge. Die Hemmungen, angesichts der sp\u00e4teren dunkeln Zeit deutscher Geschichte der Frivolit\u00e4t zu huldigen, die dieser im Land auch vorangegangen war, schienen zu stark. Weiter lebte die Zeit der halbseiden-glamour\u00f6sen Operette Kalmans und Lehars und des Tenorschmelzes eines Richard Tauber bloss noch in den Radiowunschkonzerten in den pl\u00fcschig-fetten und harmlosen Versionen Annelise Rothenbergers und Ren\u00e9 Kollos.<\/span><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4],"tags":[],"class_list":["post-2040","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-im-gespraech","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2040","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2040"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2040\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2040"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2040"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2040"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}