{"id":205,"date":"2014-01-10T10:11:40","date_gmt":"2014-01-10T10:11:40","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/10\/maria-joao-pires-und-der-spaete-chopin\/"},"modified":"2014-01-10T10:11:40","modified_gmt":"2014-01-10T10:11:40","slug":"maria-joao-pires-und-der-spaete-chopin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/10\/maria-joao-pires-und-der-spaete-chopin\/","title":{"rendered":"Maria Jo\u00e3o Pires und der sp\u00e4te Chopin"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2009\/090529pires.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/><em>29.05.2009 &#8212;<\/em> Kann man mit Blick auf Chopins sp\u00e4te Werke von einem Alterswerk sprechen? Die portugiesische Pianistin Maria Jo\u00e3o Pires, die sich immer wieder mit den Charakterst\u00fccken des polnischen Nationalkomponisten besch\u00e4ftigt, ist davon \u00fcberzeugt. Nachdem sie 1996 mit einer Gesamtaufnahme seiner Nocturnes Aufsehen erregt (und etliche Preise erhalten) hat, legt sie nun eine sorgf\u00e4ltig zusammengestellte Auswahl der nach 1844 entstandenen Sonaten, Nocturnes, Mazurkas und Walzer vor (Chopin starb 1849). Die gewichtigsten Anteile haben dabei die h-Moll-Sonate op. 58, die Polonaise-Fantaisie in As-Dur op. 61 und die Cellosonate g-Moll op. 65, f\u00fcr die sich der kongeniale Cellist Pavel Gomziakov zur Pianistin gesellt. Die Doppel-CD endet konsequenterweise mit der Mazurka f-Moll op. 68 Nr.4, Chopins letzter Komposition.<\/p>\n<p> Zwischen dem Album mit den Nocturnes und dem nun vorliegenden hat sich in Maria Jo\u00e3o Pires&#8216; Leben einiges bewegt. Sie hat in Portugal ihr Centro de Artes de Belgais begr\u00fcndet und sich dabei im Streit mit den portugiesischen Beh\u00f6rden aufgerieben, denen sie mangelnde Unterst\u00fctzung ihres humanistischen Engagements vorgeworfen hat.<\/p>\n<p> Die Aufregungen haben \u2013 wie sie einem franz\u00f6sischen Fachmagazin verraten hat \u2013 schliesslich dazu gef\u00fchrt, dass sie sich einer Herzoperation unterziehen musste. Die CD ist unter anderem spanischen \u00c4rzten und der Herzabteilung des Universit\u00e4tsspitals von Salamanca gewidmet. Man kann also davon ausgehen, dass die Pianistin damit eigene Erfahrungen von Todesn\u00e4he und \u00c4lterwerden verarbeitet.<\/p>\n<p> Maria Jo\u00e3o Pires&#8216; Chopin ist zugleich von hoher Klarheit und tiefer Melancholie, in den feinsten Details ausgehorcht, mit gelegentlichen k\u00fcnstlerischen Freiheiten in der Interpretation von Tempo- und Dynamik-Anweisungen, die aber immer faszinierende Facetten dieser hoch expressiven Klaviers\u00e4tze offenbaren \u2013 bis hin zu Partien in der letzten Mazurka, welche die Chromatik von Wagners \u00abTristan und Isolde\u00bb vorwegzunehmen scheinen und welche die Pianistin mit grosser Schlichtheit als n\u00fcchternen Abgesang auf ein K\u00fcnstlerleben zu einem bewegenden Schlusswort werden l\u00e4sst.<\/p>\n<p> Man kann dieses Chopin-Album, das Mitte 2008 im holl\u00e4ndischen Hilversum eingespielt worden ist, guten Gewissens als eine Sternstunde der gegenw\u00e4rtigen CD-Ver\u00f6ffentlichungen bezeichnen, eine Arbeit, die von vollendeter \u00e4sthetischer K\u00f6nnerschaft, k\u00fcnstlerischer Ernsthaftigkeit und atemraubend souver\u00e4ner Beherrschung des Instrumentes zeugt. <em>(wb)<\/em><\/p>\n<p> <span style=\"font-size: x-small;\"><em><span class=\"txt-s-black\"> Maria Jo\u00e3o Pires und Pavel Gomziakov sind dieser Tage in der Schweiz zu h\u00f6ren, und zwar am <strong>5. Juni in der Z\u00fcrcher Tonhalle<\/strong> und am <strong>7. Juni im Zentrum Paul Klee in Bern<\/strong>.<\/p>\n<p> Maria Jo\u00e3o Pires: Chopin. Mit Pavel Gomziakov (Cello). Doppel-CD, Deutsche Grammophon 477 7483.<\/span><\/em><\/span><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>29.05.2009 &#8212; Kann man mit Blick auf Chopins sp\u00e4te Werke von einem Alterswerk sprechen? 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