{"id":206,"date":"2014-01-10T10:12:49","date_gmt":"2014-01-10T10:12:49","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/10\/die-geige-in-der-schweizer-volksmusik\/"},"modified":"2014-01-10T10:12:49","modified_gmt":"2014-01-10T10:12:49","slug":"die-geige-in-der-schweizer-volksmusik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/10\/die-geige-in-der-schweizer-volksmusik\/","title":{"rendered":"Die Geige in der Schweizer Volksmusik"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2009\/090515fiddlers.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/><span style=\"font-size: x-small;\"><em>15.05.2009 &#8212;<\/em> <\/span>Es ist zwar eher einem Zufall zu verdanken, und dennoch schafft es in der j\u00fcngeren Geschichte der Schweizer Volksmusik wichtige Bez\u00fcge: Ausgerechnet auf dem Aargauer Schloss Lenzburg wird dieses Jahr ein Festival aus der Taufe gehoben, das sich der Querverbindungen zwischen der klassischen Musik und den vielf\u00e4ltigen Folk-Traditionen Europas annimmt. Dieselbe Burg war 1972 mit einem legend\u00e4ren Festival Ausgangspunkt der hiesigen Folk-Bewegung, die Schweizer Volksmusiker und internationale Gr\u00f6ssen der erdig-authentischen Popul\u00e4rkultur zusammenbrachte und f\u00fcr die Erforschung der eigenen Traditionen wichtige Impulse lieferte. Das \u00abInternationale Folk-Festival\u00bb fand auf der Lenzburg 1980 zum letzten Mal statt.<\/p>\n<p> Eine \u00e4hnliche Philosophie, die Folk, \u00f6kologisches Denken und ein neues kritisches Bewusstsein f\u00fcr die eigenen Traditionen zum Lebensgef\u00fchl der Alternativkultur zusammenf\u00fcgte, verfolgte zu Beginn auch das Gurten-Festival auf dem Berner Hausberg. Letzteres hat im Gegensatz zum Lenzburger Anlass zwar bis heute \u00fcberlebt, sein Gesicht hat es allerdings mehrmals radikal ge\u00e4ndert; mittlerweile ist es zum Teil einer globalisierten Mainstream-Unterhaltungsindustrie geworden.<\/p>\n<p> Der Cellist und Komponist Fabian M\u00fcller, heute einer der profiliertesten Schweizer Exponenten des Br\u00fcckenschlags zwischen Klassik und Folk, verwaltet in gewisser Hinsicht das geistige Erbe dieser Generation des Aufbruchs \u2013 zumindest in musikalischer Hinsicht. Die Erforschung und Revitalisierung der authentischen Schweizer Volksmusik, wie sie sich vor ihrer nationalistischen Ideologisierung im Umfeld des Zweiten Weltkrieges pr\u00e4sentierte, hat sich heute aus der engen Verbindung mit der \u00d6ko-Bewegung emanzipiert; sie ist im Musikleben zu einer Kraft geworden, die sich aus einer autonomen k\u00fcnstlerischen Dynamik speist und im Spannungsfeld von Traditionalismus, Moderne, Laienmusizieren und Hochkultur eine erstaunlich eigenst\u00e4ndige Entwicklungslinie verfolgt.<\/p>\n<p> M\u00fcller hat sich zusammen mit Streicherkollegen in den letzten Jahren der Sammlung Hanny Christen angenommen, einer einzigartigen historischen Dokumentation des musikalischen Volksgutes der Schweiz, die 2002 als Notensammlung verf\u00fcgbar gemacht worden ist. Es handelt sich um rund 12&#8217;000 Melodien, die nicht zuletzt die fr\u00fcher \u00fcberaus reiche Praxis des Fiedelns im einheimischen Brauchtum wieder zum Leben erwecken. Dazu hat Hanni Christen auch Feldaufnahmen realisiert, von denen auf der vorliegenden CD aus der Reihe Neue Volksmusik von Musiques Suisses relativ kurze Ausschnitte Zeugnis ablegen. Zu h\u00f6ren sind der Geiger Hans Kreuzer aus Oberwald im Wallis in zwei Aufnahmen aus dem Jahr 1960 und der Fielder Tumasch Dolf aus Zillis im Graub\u00fcnden, der von Hanni Christen 1958 auf Band verewigt worden ist. <\/p>\n<p> Den gr\u00f6ssten Teil der CD machen aber Einspielungen von T\u00e4nzen und Muotathaler \u00abJ\u00fc\u00fczli\u00bb in einer Duoversion mit Fabian M\u00fcller am Cello und Andreas Gabriel an der Geige aus \u2013 unter gelegentlichem Beizug des Kontrabassisten Andy Schaub und einer dreisaitigen \u00abNachschlag\u00bb-Bratsche. Die Arrangements wahren den kernigen Charme der Melodien und die raue Tonalit\u00e4t der l\u00e4ndlichen Tanzweisen, die immer wieder mit unerwarteten harmonischen Wendungen und melodischem Vorwitz \u00fcberraschen. M\u00fcller und Gabriel orientieren sich dabei auf kundige Weise an den traditionellen Spielweisen, die auf den Tonaufnahmen Christens dokumentiert sind. Mit zum Charme tr\u00e4gt dabei der gelegentliche Einsatz von Darmsaiten und einer tieferen Stimmung der Instrumente bei.<\/p>\n<p> Die Lenzburgiade bietet an Pfingsten eine einmalige Gelegenheit, die hier dokumentierten Fiedlertraditionen der Schweizer Volksmusik in ihren reichhaltigen Bez\u00fcgen zur europ\u00e4ischen Streichertradition zu erleben; sie erlaubt, in Konzerten, Workshops und zahlreichen Aktivit\u00e4ten unter dem freiem Schloss- und St\u00e4dtchenhimmel zu erleben, dass die Aufbruchstimmung der Folkbewegung der Flower-Power-Jahre heute nach wie vor reiche Fr\u00fcchte tr\u00e4gt. <em>(wb)<\/em> <\/p>\n<p> <em><span class=\"txt-s-black\" style=\"font-size: x-small;\">Duo Andreas Gabriel &amp; Fabian M\u00fcller und die \u00abHelvetic Fiddlers\u00bb, Historische Schweizer Volksmusik aus der Sammlung Hanni Christen und andern Quellen, Musiques Suisses, MGB-NV 9, Bezugsnachweis: <a href=\"http:\/\/www.musiques-suisses.ch\" target=\"blank\" rel=\"noopener noreferrer\">www.musiques-suisses.ch<\/a><\/span><\/em><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>15.05.2009 &#8212; Es ist zwar eher einem Zufall zu verdanken, und dennoch schafft es in der j\u00fcngeren Geschichte der Schweizer&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4],"tags":[],"class_list":["post-206","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-im-gespraech","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/206","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=206"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/206\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=206"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=206"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=206"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}