{"id":2089,"date":"2015-02-10T10:16:33","date_gmt":"2015-02-10T10:16:33","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2015\/02\/10\/skandal-macht-nur-noch-der-konzertsaal\/"},"modified":"2015-02-10T10:16:33","modified_gmt":"2015-02-10T10:16:33","slug":"skandal-macht-nur-noch-der-konzertsaal","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2015\/02\/10\/skandal-macht-nur-noch-der-konzertsaal\/","title":{"rendered":"Skandal macht nur noch der Konzertsaal"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\"><em>von Wolfgang B\u00f6hler<\/em><\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>07.<img decoding=\"async\" src=\"images\/kolumnewb.jpg\" border=\"0\" alt=\"Portr\u00e4t Wolfgang B\u00f6hler\" style=\"float: left; margin: 4px;\" \/>02.2015 &#8212; Wie sehr sich die Kulturdebatte gewandelt (respektive \u00abentkulturiert\u00bb) hat! Das zeigen die Injurien, die heute als Kulturskandale der Zeit betrachtet werden: Allerlei Geschehnisse rund um Konzerts\u00e4le, die gebaut, nicht gebaut, verbockt oder renoviert werden. Fr\u00fcher waren mal provokative Inszenierungen und St\u00fccke die Aufreger (man denke an Zadek, Stein, Genet, Peymann und\/oder Bernhard), und es gab Diskussionen um Aufgabe und Grenzen kultureller Reflektion. Tempi passati, leider, leider. Heute braucht\u2019s dazu schon einen Nazi-<em>Tannh\u00e4user<\/em>, der auch bloss noch gut ge\u00f6lte Medien-Mechanismen bedient. Die Skandale des 21. Jahrhunderts sind die Bauten: Elbphilharmonie, Salle modulable, M\u00fcnchner Konzertsaal, Philharmonie de Paris, Tonhalle-Renovation. Die Inhalte sind heute Wurscht, die Fassaden z\u00e4hlen. Und meinetwegen die brillante Akustik.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Da ist es schon schwer, nicht dem Kulturpessimismus zu verfallen. Da w\u00fcnscht man sich fast die Zeiten zur\u00fcck, in denen ein Pierre Boulez die Opernh\u00e4user noch in die Luft sprengen wollte. Er w\u00fcnscht sich mit der Salle modulable in Luzern heute selber ein Zeitgeist-Musiktheater.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Im Kulturleben geht es mittlerweile zu und her wie im Gesundheitswesen: Alle beklagen die explodierenden Kosten, suchen die Gr\u00fcnde wer weiss wo und verschliessen die Augen vor der einfachen Tatsache, dass daf\u00fcr einfach st\u00e4ndig steigende Begehrlichkeiten verantwortlich sind. Im Gesundheitswesen f\u00fchrt das wenigstens zu einer substantiellen Debatte dar\u00fcber, was wir uns leisten m\u00fcssen und was als Luxusmedizin zu betrachten ist, weil soziale Gerechtigkeit, Recht auf Leben und Gesundheit auf dem Spiel stehen. Um Spitzenmedizin betreiben zu k\u00f6nnen, brauchen wir teure Apparate, gut gebaute Kliniken und wirkungsvolle Medikamente. Und jeder sollte ein Recht darauf haben, zum Nutzniesser zu werden \u2012 weil es keine Alternativen gibt. In fr\u00fcheren Jahrhunderten war die medizinische Versorgung aufgrund infrastruktureller Defizite und fehlender Heilmittel dementsprechend mangelhaft.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>In der Kultur stehen stehen weder Leben noch soziale Gerechtigkeit auf dem Spiel, und Alternativen gibt es auch zuhauf. Und in fr\u00fcheren Jahrhunderten war die kulturelle Leistung nicht mangelhaft wegen fehlender Elbphilharmonien, Salles modulables oder Pariser Philharmonien. Im Gegenteil: Gemessen an den vergleichsweise bescheidenen Infrastrukturen und Bev\u00f6lkerungsgr\u00f6ssen leisteten fr\u00fchere Generationen gerade auch musikalisch Herausragendes. Wer\u2019s nicht glaubt, soll mal nachschauen, was in den heutigen teuren Konzerts\u00e4len denn vornehmlich gespielt wird. Das sollte einem eigentlich zu denken geben.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Wolfgang B\u00f6hler \u00a0 07.02.2015 &#8212; Wie sehr sich die Kulturdebatte gewandelt (respektive \u00abentkulturiert\u00bb) hat! 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