{"id":209,"date":"2014-01-10T10:15:17","date_gmt":"2014-01-10T10:15:17","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/10\/gheorghiu-spielt-schumann-und-beethoven\/"},"modified":"2014-01-10T10:15:17","modified_gmt":"2014-01-10T10:15:17","slug":"gheorghiu-spielt-schumann-und-beethoven","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/10\/gheorghiu-spielt-schumann-und-beethoven\/","title":{"rendered":"Gheorghiu spielt Schumann und Beethoven"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2009\/090403gheorghiu.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/><em>03.04.2009 &#8212;<\/em> Als Hauptdarsteller des mehrfach preisgekr\u00f6nten Films \u00abVitus\u00bb ist der junge Pianist Teo Gheorghiu popul\u00e4r geworden; dass nun diese Rolle das erste ist, was dem Publikum zu seiner Person einf\u00e4llt (auch dieser Text beginnt ja zum Wecken der Aufmerksamkeit exakt mit dieser Tatsache), empfindet er als Belastung. Er sei nicht Vitus, beeilt er sich in Interviews und im Booklet seiner Erstlings-CD zu versichern. Den Gesetzen des Marktes kann aber nat\u00fcrlich auch er nicht entrinnen, und so hat er als erstes konsequenterweise Schumanns Klavierkonzert eingespielt \u2013 eben dasjenige Werk, mit dem \u00abVitus\u00bb endet, und mit dem er seinem Publikum gibt, was dieses von ihm erwartet.<\/p>\n<p> Darin liegt nun nat\u00fcrlich nichts Ehrenr\u00fchriges, es zeigt aber, dass der an der Londoner Purcell School noch in der Ausbildung steckende K\u00fcnstler Gheorghiu die Kunstfigur Vitus durchaus noch braucht, um aus der F\u00fclle junger Nachwuchstalente herauszuragen. Mehr noch: Das Schumann-Werk kombiniert er mit Beethovens drittem Klavierkonzert, und damit riskiert er \u00fcberdies den Vergleich mit einer Unzahl von Aufnahmen gestandener Kolleginnen und Kollegen.<\/p>\n<p> Dennoch sind Werkwahl und Aufnahme bemerkenswert, und dies gleich aus mehreren Gr\u00fcnden. Zum ersten wirkt die Auswahl zwar recht konventionell und risikofern. Gheorghiu kann aber mit Blick auf das Repertoire mit einer Besonderheit aufwarten: Den ersten Satz des Beethoven-Werkes beendet er n\u00e4mlich nicht mit der Original-Kadenz des Bonner Meisters, sondern mit einer Komplettierung und Erweiterung aus der Feder Ferrucio Busonis. Aufmerksam gemacht auf die Existenz dieser Alternative hat ihn der Pianist J\u00f6rg Demus, mit dem er in Japan Brahms \u00abUngarische T\u00e4nze\u00bb spielte. Einem Nicht-Pianisten wird die Busoni-Variante kaum auffallen, f\u00fcr mit dem Werk Vertraute bietet sie aber eine interessante H\u00f6ralternative.<\/p>\n<p> Zum zweiten ist das Interpretationskonzept, das der Kombination der beiden Konzerte zugrundezuliegen scheint, vielschichtiger als man im ersten Moment vermuten w\u00fcrde. Zwar gibt sich Gheorghiu \u00fcberzeugt, dass Beethoven mit dem dritten Klavierkonzert eine neue \u00c4ra eingel\u00e4utet und den Boden f\u00fcr Schumanns einziges Werk der Gattung bereitet hat. Interessanterweise wirkt die Wiedergabe durch Gheorghiu und das Musikkollegium Winterthur unter der Leitung von Douglas Boyd aber \u00fcberaus klassisch: zur\u00fcckhaltend-ausgewogen, luzid koloriert und transparent.<\/p>\n<p> Da ist nichts zu sp\u00fcren von der Leidenschaftlichkeit, die ein E.-T.-A.-Hoffmann-Zitat zu Beethovens aufgew\u00fchltem Seelenleben im Booklet suggeriert, ganz im Gegenteil; das \u00abAllegro con brio\u00bb des ersten Satzes gehen Solist und Orchester so geruhsam und fein ziseliert an, dass es mehr nach einem Andantino Mozarts als nach Sturm und Drang t\u00f6nt.<\/p>\n<p> Romantisches \u2013 tr\u00e4umerischer Auspr\u00e4gung \u2013 leuchtet vor allem im lyrischen zweiten Satz auf. Alles zueinanderzuf\u00fcgen scheint sich deshalb, wenn man die Schumann-Beethoven-Kombination als Reverenz an Schumanns literarische Kunstfiguren Florestan und Eusebius deutet, wobei man Schumanns eigener Musik die Rolle des dunklen, impulsiven und verneinenden Florestan und derjenigen Beethovens etwas entgegen ihrem Eigencharakter dem hellen, ausgeglichenen und bejahenden Eusebius zugeeignet vorstellt.<\/p>\n<p> Zum dritten ist es dar\u00fcber hinaus interessant zur Kenntnis zu nehmen, wie sich die k\u00fcnftige Entwicklung des Winterthurer Musikkollegiums anh\u00f6ren k\u00f6nnte, wird Douglas Boyd doch mit der kommenden Saison zu dessen Chefdirigenten avancieren. Da scheint sich einiges abzuzeichnen. Boyd scheint einerseits Wert auf exakte Feinzeichung in den Details und der Tiefensch\u00e4rfe des Orchestersatzes zu legen. Auf der andern scheut er weder klare Konturen noch ausgepr\u00e4gte Akzente. Und er scheint die Register des Ensembles zur Profilierung im Dienste des Ganzen zu ermutigen.<\/p>\n<p> So lassen etwa die Celli im langsamen Satz des Schumann-Konzertes aufhorchen, und die Holzbl\u00e4ser scheuen im dritten Satz des Beethoven-Pendants (zu Recht) nicht vor schrillen Farbtupfern zur\u00fcck. Sch\u00f6n ist aber auch, zu merken, wie sehr Orchester und Solist zu einer Einheit zu finden verm\u00f6gen. <em>(wb)<\/em><\/p>\n<p> <span style=\"font-size: x-small;\"><em><span class=\"txt-s-black\">Teo Gheorghiu: Schumann\/Beethoven Piano Concertos, Musikkollegium Winterthur, Douglas Boyd (Leitung). aufgenommen im November 2008 im Stadthaus Winterthur. Deutsche Grammphon 476 6824 GH<\/span><\/em><\/span><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>03.04.2009 &#8212; Als Hauptdarsteller des mehrfach preisgekr\u00f6nten Films \u00abVitus\u00bb ist der junge Pianist Teo Gheorghiu popul\u00e4r geworden; dass nun diese&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4],"tags":[],"class_list":["post-209","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-im-gespraech","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/209","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=209"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/209\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=209"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=209"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=209"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}