{"id":2118,"date":"2015-02-22T10:01:13","date_gmt":"2015-02-22T10:01:13","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2015\/02\/22\/die-zukunft-der-musik\/"},"modified":"2015-02-22T10:01:13","modified_gmt":"2015-02-22T10:01:13","slug":"die-zukunft-der-musik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2015\/02\/22\/die-zukunft-der-musik\/","title":{"rendered":"Die Zukunft der Musik"},"content":{"rendered":"<p align=\"center\"><em>\u00a0<span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">von Wolfgang B\u00f6hler<\/span><\/em><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\"><img decoding=\"async\" src=\"images\/kolumnewb.jpg\" border=\"0\" alt=\"Portr\u00e4t Wolfgang B\u00f6hler\" style=\"float: left; margin: 8px;\" \/>20.02.2015 \u2013 Jeder, der beruflich mit Musik zu tun hat, merkt\u2019s, die Zeiten haben sich ge\u00e4ndert. Die Ereignishaftigkeit aktuellen Schaffens, sei es neuer Musik (und Neuer Musik), Konzertformen, Medien, Filme oder Texte ist verloren gegangen. Ein Grund sein daf\u00fcr d\u00fcrften die ge\u00e4nderten Motive der Produktion. Bis weit ins 20. Jahrhundert hinein stillte die aktuelle Produktion tats\u00e4chliche Bed\u00fcrfnisse, sie lieferte Musik f\u00fcr Feste und Feiern, f\u00fcr Neugierige auf Neues, sie befriedigte Sehns\u00fcchte und sie versorgte unz\u00e4hlige aktive Musikliebhaber mit Haus-, Chor- Orchester- und Blasmusik. Auf Neuerscheinungen wartete man monatelang mit froher Erwartung und Spannung. Konzertkritiken waren Stadtgespr\u00e4ch (oder auch bloss \u2011\u00e4rgernis), musikalische Ereignisse wurden an Stammtischen diskutiert. Kurzum: Triebfeder der musikalischen Produktion waren <em>soziale Bed\u00fcrfnisse<\/em>.<\/span><\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p align=\"center\"><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\"><em>\u00a0von Wolfgang B\u00f6hler<\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\"><img decoding=\"async\" src=\"images\/kolumnewb.jpg\" border=\"0\" alt=\"Portr\u00e4t Wolfgang B\u00f6hler\" style=\"float: left; margin: 8px;\" \/>20.02.2015 \u2013 Jeder, der beruflich mit Musik zu tun hat, merkt\u2019s, die Zeiten haben sich ge\u00e4ndert. Die Ereignishaftigkeit aktuellen Schaffens, sei es neuer Musik (und Neuer Musik), Konzertformen, Medien, Filme oder Texte ist verloren gegangen. Ein Grund sein daf\u00fcr d\u00fcrften die ge\u00e4nderten Motive der Produktion. Bis weit ins 20. Jahrhundert hinein stillte die aktuelle Produktion tats\u00e4chliche Bed\u00fcrfnisse, sie lieferte Musik f\u00fcr Feste und Feiern, f\u00fcr Neugierige auf Neues, sie befriedigte Sehns\u00fcchte und sie versorgte unz\u00e4hlige aktive Musikliebhaber mit Haus-, Chor- Orchester- und Blasmusik. Auf Neuerscheinungen wartete man monatelang mit froher Erwartung und Spannung. Konzertkritiken waren Stadtgespr\u00e4ch (oder auch bloss \u2011\u00e4rgernis), musikalische Ereignisse wurden an Stammtischen diskutiert. Kurzum: Triebfeder der musikalischen Produktion waren <em>soziale Bed\u00fcrfnisse<\/em>.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">Die ausgebauten, stark professionalisierten Musikausbildungen und die Verschiebung der Leitplattformen von den Kirchen, Caf\u00e9s, Cabarets, Konzerts\u00e4len und Tanzpal\u00e4sten mit physisch anwesendem (und spontan reagierendem) Publikum zu anonymen Distributionen via Tontr\u00e4ger, Broadcastern und Internet hat dazu gef\u00fchrt, dass der gr\u00f6sste Teil der Musik heute nicht mehr als Antwort auf ein soziales Bed\u00fcrfnis produziert wird, sondern ins Blaue hinaus. Und alles, auch lokale Produktionen f\u00fcr ein lokales Publikum, ist global verf\u00fcgbar. Symptom der Entwicklung sind die sich seuchenartig vermehrenden Castingshows, die \u00abStars\u00bb produzieren, auf die niemand gewartet hat, die so schnell in Vergessenheit geraten wie sie medial hochgesp\u00fclt werden, wenn sie daneben nicht die traditionelle Ochsentour vor lokalem Publikum absolvieren wie etwa Baschi oder Beatrice Egli.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">Hat aktuelles Musikschaffen angesichts des nivellierenden und anonymisierenden \u00dcberangebotes noch Relevanz? Ja, wenn es sich zur\u00fcckbesinnt auf seine Wurzeln. Wenn es wieder beginnt, lokale soziale Bed\u00fcrfnisse zu befriedigen, wenn es im engen Dialog mit einem lokalen Publikum, mit dem es \u00a0physisch interagieren kann, wieder Basisbed\u00fcrfnisse befriedigt. Solche nach stimmungsvollen Festen, Feiern der Gemeinschaft, nach Begegnung und Bewegung im Tanz, im gemeinsamen Gesang, nach den grossen Ritualen des Lebenszyklus: Geburt, Erwachsenwerden, Liebeswerben, Hochzeit, beruflichen Erfolgen und Tod. Der gr\u00f6sste Irrtum des 20. Jahrhunderts war die Abwertung der funktionellen Musik und das bloss durch Distinktionsbed\u00fcrfnisse motivierte elit\u00e4re Gehabe der absoluten Musik. Musik lebt vor allem, und sie hat ihren Wert als h\u00f6rbar gemachte Emotionalit\u00e4t, mit dem sie den Alltag der Menschen zur Feier macht. \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p align=\"center\"><em>\u00a0<span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">von Wolfgang B\u00f6hler<\/span><\/em><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\"><img decoding=\"async\" src=\"images\/kolumnewb.jpg\" border=\"0\" alt=\"Portr\u00e4t Wolfgang B\u00f6hler\" style=\"float: left; margin: 8px;\" \/>20.02.2015 \u2013 Jeder, der beruflich mit Musik zu tun hat, merkt\u2019s, die Zeiten haben sich ge\u00e4ndert. Die Ereignishaftigkeit aktuellen Schaffens, sei es neuer Musik (und Neuer Musik), Konzertformen, Medien, Filme oder Texte ist verloren gegangen. Ein Grund sein daf\u00fcr d\u00fcrften die ge\u00e4nderten Motive der Produktion. Bis weit ins 20. Jahrhundert hinein stillte die aktuelle Produktion tats\u00e4chliche Bed\u00fcrfnisse, sie lieferte Musik f\u00fcr Feste und Feiern, f\u00fcr Neugierige auf Neues, sie befriedigte Sehns\u00fcchte und sie versorgte unz\u00e4hlige aktive Musikliebhaber mit Haus-, Chor- Orchester- und Blasmusik. Auf Neuerscheinungen wartete man monatelang mit froher Erwartung und Spannung. Konzertkritiken waren Stadtgespr\u00e4ch (oder auch bloss \u2011\u00e4rgernis), musikalische Ereignisse wurden an Stammtischen diskutiert. Kurzum: Triebfeder der musikalischen Produktion waren <em>soziale Bed\u00fcrfnisse<\/em>.<\/span><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[],"class_list":["post-2118","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-editorials","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2118","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2118"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2118\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2118"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2118"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2118"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}