{"id":212,"date":"2014-01-10T10:17:30","date_gmt":"2014-01-10T10:17:30","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/10\/julia-fischer-spielt-bach-konzerte\/"},"modified":"2014-01-10T10:17:30","modified_gmt":"2014-01-10T10:17:30","slug":"julia-fischer-spielt-bach-konzerte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/10\/julia-fischer-spielt-bach-konzerte\/","title":{"rendered":"Julia Fischer spielt Bach-Konzerte"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2009\/090220fischer.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/><em>20.02.2009 &#8212;<\/em> Nach den Solopartiten und -sonaten f\u00fcr Violine hat die junge deutsche Geigerin Julia Fischer nun auch die Violinkonzerte des Thomaskantors auf CD eingespielt, und zwar zusammen mit der Academy of St Martin in the Fields, die sie dabei selber leitet. Neben den Konzerten a-Moll BWV 1041 und E-Dur BWV 1042 finden sich auf der Silberscheibe das Doppelkonzert f\u00fcr zwei Violinen d-Moll BWV 1043, bei dem Fischers gleichaltriger Kollege Alexander Sitkovetsky den zweiten Part \u00fcbernimmt, und das Konzert f\u00fcr Oboe und Violine c-Moll BWV 1060 mit Andrey Rubtsov als Bl\u00e4sersolist. Die Aufnahmen sind im Juni vergangenen Jahres in der St.-Paul&#8217;s-Kirche von Deptford in London realisiert worden. Zur Zeit (Februar 2009) tourt Fischer mit den Bach-Konzerten in den USA.<\/p>\n<p> Der Zufall will es, dass Einspielungen der beiden Konzerte BWV 1041 und 1042 vor kurzem auch von Anne-Sophie Mutter vorgelegt worden sind \u2212 als Auftakt zu Sofia Gubaidulinas \u00abin tempus praesens\u00bb (siehe <a href=\"http:\/\/212.60.37.143\/popular.php?art=58\">Rezension<\/a>). Ein Vergleich der Interpretationen der beiden herausragenden Musikerinnen, welche die mittlere und die junge Generation deutscher Geigensolistinnen repr\u00e4sentieren, dr\u00e4ngt sich also f\u00f6rmlich auf.<\/p>\n<p> Da finden sich zum einen Gemeinsamkeiten: Keine der beiden versteht sich als Spezialistin f\u00fcr Alte Musik, beide entstammen Schulen des 20. Jahrhunderts, die den grossen Meisterwerken der klingenden Kunst eine zeitlose Autonomie zugestehen. Anne-Sophie Mutter tut dies als Ziehkind des Dirigenten Herbert von Karajan, Fischer, die in der Saison 2009\/10 als Artist in Residence des Tonhalle Orchesters Z\u00fcrich amten wird, als Adeptin der Menuhin-Schule.<\/p>\n<p> Im Booklet der CD schreibt Fischer, dass sie die Bach-Konzerte als Virtuosenst\u00fccke sehe, an denen ein Geiger seine Freude haben k\u00f6nne. Um den virtuosen Charakter und die Spielfreude eher zu betonen, spiele sie die Konzerte deshalb auch schneller als sonst. Und tats\u00e4chlich wirken Mutters (von der Kritik im Grossen und Ganzen eher ungn\u00e4dig aufgenommene Gelegenheits-Versionen) im Vergleich zu Fischers federnder und vitaler Musikantik nicht nur beh\u00e4biger, sondern erstaunlich matt und eindimensional.<\/p>\n<p> Fischers Bach lebt vom lustvollen Spiel mit klanglichen Valeurs, kleinen rhythmischen Frechheiten und dem differenzierten Dialog mit dem Orchester, der sich \u2212 etwa im langsamen Satz des E-Dur-Konzertes \u2212 von elegischer Zur\u00fcckhaltung bis zu schon fast romantisch anmutendem, expressivem Aufb\u00e4umen aufspannen kann. Das routinierte britische Ensemble verr\u00e4t dabei ab und zu auch seine Wurzeln in der historischen Musizierpraxis, welche in den vergangenen zwanzig, dreissig Jahren die fehlende Individualit\u00e4t der Barockmusik mit aggressiver Attacke und schon fast \u00fcberbetont-kantigen Phrasenkonturen wettzumachen versucht hat. <\/p>\n<p> Die beiden Doppelkonzerte bilden Auftakt und Ausklang der CD. BWV 1043 wird dabei nicht als exhibitionistischer Wettstreit inszeniert, sondern als in allen Farben schillerndes polyphones Gewebe, bei dem sich die Sologeigen den Orchesterstimmen gleichgestellt in einen transparent-kristallinen Gesamtklang einf\u00fcgen. Der Mix aus Violine und Oboe in BWV 1060 wiederum bildet einen lyrisch-unpr\u00e4tenti\u00f6sen Abschluss des Konzertreigens, ebenfalls kein Wetteifern applausheischender Virtuosen, sondern ein eher zur\u00fcckhaltendes Zwiegespr\u00e4ch auf der Suche nach harmonischer Vereinbarkeit unterschiedlicher Klangwelten. <em>(wb)<\/em><\/p>\n<p> <span style=\"font-size: x-small;\"><em><span class=\"txt-s-black\">Julia Fischer: Bach Concertos, Academy of St Martin in the Fields, Decca 478 065<\/span><\/em><\/span><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>20.02.2009 &#8212; Nach den Solopartiten und -sonaten f\u00fcr Violine hat die junge deutsche Geigerin Julia Fischer nun auch die Violinkonzerte&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4],"tags":[],"class_list":["post-212","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-im-gespraech","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/212","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=212"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/212\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=212"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=212"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=212"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}