{"id":219,"date":"2014-01-10T10:22:43","date_gmt":"2014-01-10T10:22:43","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/10\/janine-jansen-spielt-tschaikowksys-violinkonzert\/"},"modified":"2014-01-10T10:22:43","modified_gmt":"2014-01-10T10:22:43","slug":"janine-jansen-spielt-tschaikowksys-violinkonzert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/10\/janine-jansen-spielt-tschaikowksys-violinkonzert\/","title":{"rendered":"Janine Jansen spielt Tschaikowksys Violinkonzert"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2008\/081031jansen.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/><em>31.10.2008 &#8212;<\/em> Tschaikowskys Musik h\u00e4ngt noch immer Adornos Urteil an: Er, so der deutsche Kulturkritiker, portr\u00e4tiere selbst die Verzweiflung mit Schlagermelodien. Auch das Violinkonzert des russischen Tonsch\u00f6pfers kann als Bekenntnis einer leidenden Seele verstanden werden. Mit diesem war bereits ein Zeitgenosse Tschaikowskys hart ins Gericht gegangen: Der scharfz\u00fcngige Musikkritiker Eduard Hanslick meinte dazu, da werde an der Geige herumgezerrt, sie werde in St\u00fccke gerissen und gr\u00fcn und blau geschlagen (die noch unappetitlicheren Charakterisierungen Hanslicks ersparen wir dem Leser). Das Verdikt hat Tschaikowsky so tief getroffen, dass er den Verriss selbst an seinem Lebensende noch aus dem Ged\u00e4chtnis aufzusagen vermochte.<\/p>\n<p> Die Geigerin Janine Jansen w\u00fcrde sich vor den von Hanslick unterstellten Misshandlungen h\u00fcten, immerhin spielt sie eine Stradivari (die \u00abBarrere\u00bb) aus dem Jahr 1727, und da w\u00e4re Derartiges doch wohl eher unbedacht. Allerdings straft bereits Jansens Interpretation des hochromantischen Konzertes das Verdikt von Hanslick L\u00fcgen. Die Holl\u00e4nderin spielt das Werk, das 1878 im Welschschweizer D\u00f6rfchen Clarens zu Papier gebracht worden ist, mit solcher Leichtigkeit, Reinheit und Klarheit, dass man sich unwillk\u00fcrlich fragt, wie der scharfz\u00fcngige Musikpublizist zu seinem vernichtenden Urteil kommen konnte.<\/p>\n<p> Es ist aber auch nicht das erste Mal, dass Jansen sich des Konzertes angenommen hat. Die Einspielung mit dem Mahler Chamber Orchestra unter Daniel Harding \u2212 sie ist im Juli dieses Jahres anl\u00e4sslich einer Konzertreise im spanischen Santiago de Compostela entstanden \u2212 widerspiegelt den vorl\u00e4ufigen Endpunkt einer langen inneren Auseinandersetzung mit der Partitur.<\/p>\n<p> Mit dreizehn Jahren hat sich die Geigerin am Rande eines Sommerseminars in den USA erstmals &#8211; vergeblich &#8211; an dem exorbitant schwierigen Solopart versucht. Um die Jahrtausendwende lud Valery Gergiev sie ein, das Konzert mit dem Kirov-Orchester aufzuf\u00fchren. Wer k\u00f6nnte ein besserer Reisef\u00fchrer in die Welten des russischen Nationalkomponisten sein? Anl\u00e4sslich ihres ersten Auftrittes in London bot sich Jansen \u00fcberdies die Gelegenheit, das Konzert auch unter den sch\u00fctzenden Fittichen des russischen Pianisten und Dirigenten Vladimir Ashkenazy zum Besten zu geben. Denkbar gute Voraussetzungen also, um zu einem eigenen und dennoch authentischen Zugang zu dem Werk zu finden. Vertraulich und melancholisch, schlicht und ehrlich verstehe sie diese Musik, erkl\u00e4rt Jansen im Booklet, und genauso spielt sie sie auf der nun vorliegenden CD auch.<\/p>\n<p> Ebenfalls gut gew\u00e4hlt ist die Zusammenstellung des Konzertes mit Tschaikowskys \u00abSouvenir d&#8217;un lieu cher\u00bb, einer Suite f\u00fcr Violine und Klavier, die der rum\u00e4nisch-niederl\u00e4ndische Dirigent Alexandru Lascae f\u00fcr Violine und Streichorchester bearbeitet hat. Beim ersten Satz handelt es sich n\u00e4mlich um den urspr\u00fcnglichen, aber von Tschaikowsky verworfenen Mittelsatz des Konzertes. Die Kombination erlaubt also einen Blick in die Werkstatt des Komponisten. W\u00fcrde der urspr\u00fcngliche langsame Satz sich in das Ganze tats\u00e4chlich nicht einf\u00fcgen? Der H\u00f6rer ist eingeladen, sich dazu selber ein Urteil zu bilden. <em>(wb)<\/em><\/p>\n<p><span style=\"font-size: x-small;\"><em> <span class=\"txt-s-black\">Tschaikowsky: Violinkonzert, Souvenir d&#8217;un lieu cher, Janine Jansen (Violine), Mahler Chamber Orchestra, Daniel Harding (Leitung), Decca 478 0651<\/span> <\/em><\/span><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>31.10.2008 &#8212; Tschaikowskys Musik h\u00e4ngt noch immer Adornos Urteil an: Er, so der deutsche Kulturkritiker, portr\u00e4tiere selbst die Verzweiflung mit&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4],"tags":[],"class_list":["post-219","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-im-gespraech","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/219","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=219"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/219\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=219"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=219"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=219"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}