{"id":220,"date":"2014-01-10T10:23:37","date_gmt":"2014-01-10T10:23:37","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/10\/helene-grimaud-bach-und-seine-bearbeiter\/"},"modified":"2014-01-10T10:23:37","modified_gmt":"2014-01-10T10:23:37","slug":"helene-grimaud-bach-und-seine-bearbeiter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/10\/helene-grimaud-bach-und-seine-bearbeiter\/","title":{"rendered":"H\u00e9l\u00e8ne Grimaud: Bach und seine Bearbeiter"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2008\/081017grimaud.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/><em>17.10.2008 &#8212;<\/em> \u00abSynthese von h\u00f6chster Kunst und tiefster Fr\u00f6mmigkeit\u00bb, \u00abAnfang und Ende der Musik\u00bb, \u00abDas Alte Testament der Musik\u00bb \u2212 Bachs Klangwelten haben immer wieder das Bed\u00fcrfnis geweckt, grunds\u00e4tzliche Gegens\u00e4tze zu beschw\u00f6ren (das erste Zitat stammt aus einer Sendung des Hessischen Rundfunks, das zweite von Max Reger und das letzte \u2212 es bezieht sich auf das Wohltemperierte Klavier \u2212 vom Dirigenten Hans von B\u00fclow. H\u00fcbsch ist ja auch das oft kolportierte Bonmot Beethovens, nach dem Bach nicht \u00abBach\u00bb, sondern \u00abMeer\u00bb h\u00e4tte heissen sollen).<\/p>\n<p> Mit ihrem Bach-Album beschw\u00f6rt auch die Pianistin H\u00e9l\u00e8ne Grimaud einen Gegensatz. Sie sinniert den Spannungen zwischen freier und strenger Komposition nach und kontrastiert dazu Pr\u00e4ludien und Fugen aus den beiden B\u00e4nden des Wohltemperierten Klaviers mit sp\u00e4tromantischen Bearbeitungen von Werken des Thomaskantors: Busonis Klavierversion der Chaconne aus der Geigenpartita BWV 1004, Liszts pianistische Umsetzung von Pr\u00e4ludium und Fuge in a-Moll, BWV 543 f\u00fcr Orgel, und Rachmaninows Bearbeitung des Pr\u00e4ludiums aus der Geigenpartita in E-Dur, BWV 1006. Erg\u00e4nzt wird das Programm vom d-Moll-Konzert f\u00fcr Klavier und Orchester BWV 1052. Es zeigt Bach selber als Bearbeiter eigenen Materials, liegt ihm doch urspr\u00fcnglich ein nicht mehr erhaltenes Violinkonzert zugrunde, das zuerst f\u00fcr Orgel und dann f\u00fcr Klavier auf Papier gebracht worden ist. Als eher diskret im Hintergrund agierendes Orchester kommt dabei die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen unter der Leitung von Florian Donderer zum Zug.<\/p>\n<p> Die Erkl\u00e4rungen, die Grimaud im Booklet in einer Einleitung und in Interviewform selber zum Projekt gibt, sind eher kryptisch (und dies nicht nur in der deutschen \u00dcbersetzung, sondern auch in den franz\u00f6sischen Originalen). Das Konzert BWV 1052 habe sie, so die Pianistin, in die Auswahl aufgenommen, weil es \u00abein wichtiger Aspekt von Bach\u00bb sei. Das l\u00e4sst sich ja nun von fast allem sagen, was Bach je in T\u00f6ne gegossen hat. Die Diskussion um Originalinstrumente, welche die Auseinandersetzung um Originale und Bearbeitungen von Bach-Werken in den letzten Jahren entscheidend befruchtet hat, wischt sie hingegen mit der Bemerkung vom Tisch, dies sei \u00abeinfach kein Thema\u00bb. Bach lasse sich auf jedem Instrument wundervoll spielen, wenn \u00abdie Seele entsprechend eingestimmt ist\u00bb. Schliesslich erkl\u00e4rt Grimaud, Bach sei ein Prophet f\u00fcr alle Zeit und alle Menschen, da sei es nur nat\u00fcrlich, ihn auch als Ausgangspunkt f\u00fcr Liszt, Busoni oder Rachmaninow zu entdecken.<\/p>\n<p> So diffus wie die verbalen Begr\u00fcndungen wirkt das Konzept der CD beim Abh\u00f6ren. Da folgen alternierend und tonartenm\u00e4ssig assortiert Paare aus den B\u00e4nden des Wohltemperierten Klaviers, das Konzert und die Bearbeitungen aufeinander. Man wird dabei unwillk\u00fcrlich an Mussorgskys \u00abBilder einer Ausstellung\u00bb erinnert, nur dass statt der Promenade die strengen Pr\u00e4ludien und Fugen Bachs zwischen den wuchtigen sp\u00e4tromantischen \u00dcbermalungen seiner Werke Raum zum Durchatmen und zur Reflektion geben.<\/p>\n<p> Im Grunde genommen bewirkt H\u00e9l\u00e8ne Grimaud mit dem Unterfangen das Gegenteil dessen, was sie vermutlich beabsichtigt: Statt die Universalit\u00e4t der Musik Bachs herauszuarbeiten, unterstreicht sie mit dem Album die ausgesprochene Zeitbedingtheit der romantischen Bearbeitungen. Diese allerdings werden unter ihren H\u00e4nden (und dem nicht unbedingt knausrig aufs Pedal tretenden Fuss) zum echten Erlebnis. Wirken die Originalpr\u00e4ludien Bachs streckenweise fast etwas fiebrig und atemlos, erschafft sie aus den orchestralen Farben der Busoni- und Rachmaninow-Versionen der Partitenst\u00fccke auf kongeniale Weise ein spannungsreiches Panoptikum. <em>(wb)<\/em><\/p>\n<p> <em><span class=\"txt-s-black\"><span style=\"font-size: x-small;\">H\u00e9l\u00e8ne Grimaud: Bach. Werke von Bach und Bearbeitungen von Busoni, Liszt und Rachmaninow. Deutsche Kammerphilharmonie Bremen ( Florian Donderer, Leitung). Deutsche Grammophon 477 7978, Hamburg 2008.<\/span> <\/span><\/em><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>17.10.2008 &#8212; \u00abSynthese von h\u00f6chster Kunst und tiefster Fr\u00f6mmigkeit\u00bb, \u00abAnfang und Ende der Musik\u00bb, \u00abDas Alte Testament der Musik\u00bb \u2212&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4],"tags":[],"class_list":["post-220","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-im-gespraech","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/220","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=220"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/220\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=220"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=220"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=220"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}