{"id":2209,"date":"2015-04-07T09:44:45","date_gmt":"2015-04-07T09:44:45","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2015\/04\/07\/traditionelle-orchester-in-bedraengnis\/"},"modified":"2015-04-07T09:44:45","modified_gmt":"2015-04-07T09:44:45","slug":"traditionelle-orchester-in-bedraengnis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2015\/04\/07\/traditionelle-orchester-in-bedraengnis\/","title":{"rendered":"Traditionelle Orchester in Bedr\u00e4ngnis"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\"><em>von Wolfgang B\u00f6hler<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"images\/kolumnewb.jpg\" border=\"0\" alt=\"Portr\u00e4t Wolfgang B\u00f6hler\" style=\"float: left; margin: 4px;\" \/>03.04.2015 &#8212; In ganz Westeuropa sind traditionelle, staatlich subvenionierte Orchester in Bedr\u00e4ngnis. Die SWR-Ensembles sind zur Fusion gezwungen worden, den Pariser Radioorchestern k\u00f6nnte \u00e4hnliches bl\u00fchen. In den Niederlanden und andern L\u00e4ndern werden einige in Frage gestellt. Man k\u00f6nnte meinen, von den Schweizer Sinfonieorchestern sei etwas Druck genommen, haben sie doch eine Phase der Kontroversen und Reoganisationen bereits hinter sich, in St. Gallen, Luzern, Basel, Bern und Lugano sind die Strukturen revidiert worden, schwierige Zeiten hat auch das Musikkollegium Winterthur hinter sich, das mittlerweile im neuen Kulturleitbild der Stadt wieder mit der Unterst\u00fctzung der Politik rechnen darf.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>von Wolfgang B\u00f6hler<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"images\/kolumnewb.jpg\" border=\"0\" alt=\"Portr\u00e4t Wolfgang B\u00f6hler\" style=\"float: left; margin: 4px;\" \/>03.04.2015 &#8212; In ganz Westeuropa sind traditionelle, staatlich subvenionierte Orchester in Bedr\u00e4ngnis. Die SWR-Ensembles sind zur Fusion gezwungen worden, den Pariser Radioorchestern k\u00f6nnte \u00e4hnliches bl\u00fchen. In den Niederlanden und andern L\u00e4ndern werden einige in Frage gestellt. Man k\u00f6nnte meinen, von den Schweizer Sinfonieorchestern sei etwas Druck genommen, haben sie doch eine Phase der Kontroversen und Reoganisationen bereits hinter sich, in St. Gallen, Luzern, Basel, Bern und Lugano sind die Strukturen revidiert worden, schwierige Zeiten hat auch das Musikkollegium Winterthur hinter sich, das mittlerweile im neuen Kulturleitbild der Stadt wieder mit der Unterst\u00fctzung der Politik rechnen darf.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Trotz allem: Reformbedarf bleibt, denn die Grundsatzfrage, was Bedeutung und Aufgaben der b\u00fcrgerlichen Leuchtt\u00fcrme Orchester und Oper in den st\u00e4dtischen Musikinfrastrukturen sein sollen, wird sich auch in den kommenden Jahren immer wieder und vermutlich immer dringlicher stellen. Der finanzielle Spielraum der \u00f6ffentlichen Hand wird immer enger, wie auch ein Antrag der nationalr\u00e4tlichen Finanzkommission, am Kulturbudget des Bundes wieder Abstriche zu machen, zeigt. Der Bund unterh\u00e4lt allerdings (leider) keine eigenen Orchester.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Nun hat der Bieler Stadtrat, vermutlich taktisch bewusst, einen Versuchballon steigen lassen. Er schl\u00e4gt vor, das Sinfonieorchester Biel Solothurn (SOBS) aufzul\u00f6sen und dessen Aufgaben Projektensembles zu \u00fcbertragen. Die Reaktion der Musikverb\u00e4nde: vorhersehbar. Sie beschw\u00f6ren reflexartig den Untergang des Abendlandes und starten Petitionen, Proteste, schreiben emp\u00f6rte Offene Briefe.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>So schreibt etwa Orchester.ch, der Verband schweizerischer Berufsorchester, in eben einem solchen offenen Brief, ohne das Sinfonie Orchester Biel Solothurn werde das kulturelle Angebot in der Region sp\u00fcrbar verarmen. Die Abschaffung des Klangk\u00f6rpers w\u00fcrde auch ein unwiederbringlicher Bruch mit Tradition und Qualit\u00e4t darstellen. Ein Projektorchester werde kein gewachsener und eingespielter Klangk\u00f6rper sein und daher keinen Ersatz f\u00fcr das in Biel und Solothurn vielseitig geforderte Berufsorchester sein.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Damit wir uns nicht falsch verstehen: Wir finden es auch nicht richtig, \u00fcber Jahrzehnte gewachsene kulturelle Infrastrukturen einfach so zu schleifen. Die Bringschuld in den zu erwartenden Auseinandersetzungen um die Notwendigkeit traditioneller Orchester wird aber angesichts knapper werdender Finanzen, des erdr\u00fcckenden \u00dcberangebots an kulturellen Aktivit\u00e4ten und des unvermeidlicherweise aussterbenden Stammpublikums bei den Orchestern sein.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Statt reflexartig auf politischen Druck mit Emp\u00f6rung zu reagieren, den Status Quo einzufordern und mit Massnahmen wie Musikvermittlung vor allem Besitzstandwahrung zu versuchen, sollten sie und ihre Apologeten auch und vor allem in den eigenen Reihen differenzierte Denk- und Reformprozesse forcieren. Schon Giuseppe Tomasi di Lampedusa wusste ja bekanntlicherweise, dass sich alles \u00e4ndern muss, damit es bleiben kann, wie es ist. Das kann und muss machmal auch bedeuten, auf etwas zu verzichten, das unverzichtbar scheint.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\"><em>von Wolfgang B\u00f6hler<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"images\/kolumnewb.jpg\" border=\"0\" alt=\"Portr\u00e4t Wolfgang B\u00f6hler\" style=\"float: left; margin: 4px;\" \/>03.04.2015 &#8212; In ganz Westeuropa sind traditionelle, staatlich subvenionierte Orchester in Bedr\u00e4ngnis. Die SWR-Ensembles sind zur Fusion gezwungen worden, den Pariser Radioorchestern k\u00f6nnte \u00e4hnliches bl\u00fchen. In den Niederlanden und andern L\u00e4ndern werden einige in Frage gestellt. Man k\u00f6nnte meinen, von den Schweizer Sinfonieorchestern sei etwas Druck genommen, haben sie doch eine Phase der Kontroversen und Reoganisationen bereits hinter sich, in St. Gallen, Luzern, Basel, Bern und Lugano sind die Strukturen revidiert worden, schwierige Zeiten hat auch das Musikkollegium Winterthur hinter sich, das mittlerweile im neuen Kulturleitbild der Stadt wieder mit der Unterst\u00fctzung der Politik rechnen darf.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[],"class_list":["post-2209","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-editorials","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2209","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2209"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2209\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2209"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2209"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2209"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}