{"id":222,"date":"2014-01-10T10:25:11","date_gmt":"2014-01-10T10:25:11","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/10\/yamandu-costa-mafua\/"},"modified":"2014-01-10T10:25:11","modified_gmt":"2014-01-10T10:25:11","slug":"yamandu-costa-mafua","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/10\/yamandu-costa-mafua\/","title":{"rendered":"Yamand\u00fa Costa: Mafu\u00e1"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2008\/080919costa.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/><em>19.09.2008 &#8212;<\/em> In Brasilien hat sich eine gitarristische Tradition entwickelt, die vom elegant-verf\u00fchrerischen Duktus der europ\u00e4ischen Kaffeehausmusik in immer exzessivere Ausdrucksbereiche gef\u00fchrt und das technische und musikalische Repertoire des Instrumentes in bislang kaum gekannte Regionen erweitert hat. Kultivierten die Vorv\u00e4ter wie Heitor Villa-Lobos oder Dilermando Reis noch die melancholisch-z\u00e4rtliche Causerie, geriet die Gitarrenmusik des Landes \u2212 nicht zuletzt unter dem Einfluss der wilden Stile des Nordostens \u2212 immer mehr in den Sog einer stupenden, \u00fcberbordenden F\u00fclle an musikantischen Einf\u00e4llen und zu fingerbrechender Klangmagie.<\/p>\n<p> F\u00fcr die Entwicklung stehen Hypervirtuosen wie Sebasti\u00e3o Tapaj\u00f3s, der Multiinstrumentalist Egberto Gismonti und der leider viel zu fr\u00fch verstorbene Raphael Rabello. Gerne spielten und spielen diese statt der \u00fcblichen sechsaitigen eine typisch brasilianische Gitarre mit sieben Saiten (sie weist eine zus\u00e4tzliche tiefe C-Saite auf \u2212 genau wie Kontrab\u00e4sse, die ebenfalls gerne mit einer zus\u00e4tzlichen C-Saite versehen werden und damit den Tonumfang nach unten um eine grosse Terz erweitern).<\/p>\n<p> Der 1980 in Passo Fundo im s\u00fcdlichen Bundesstaat Rio Grande do Sul geborene Yamand\u00fa Costa kann auf der siebensaitigen Gitarre als legitimer k\u00fcnstlerischer Erbe Raphael Rabellos betrachtet werden, auch wenn er nie dessen eigentlicher Sch\u00fcler war. Sein Handwerk lernte er zun\u00e4chst von seinem Vater Algacir Costa, einem Trompeter und Bandleader, und von einem argentinisch-brasilianischen Virtuosen namens L\u00facio Yanel, der im Grunde genommen erst durch seinen Sch\u00fcler selber zu gr\u00f6sserer Bekanntheit gelangt ist.<\/p>\n<p> National auf sich aufmerksam machte Yamand\u00fa mit 17 Jahren mit einem Rezital im Circuito Cultural Banco do Brasil der Wirtschaftsmetropole S\u00e3o Paulo; 2001 schaffte er den Durchbruch vollends mit dem Gewinn des Pr\u00eamio Visa de M\u00fasica Brasileira, einer neueren, aber wichtigen Auszeichnung f\u00fcr den Nachwuchs der popul\u00e4ren Musik des Landes. International bekannt geworden ist er vor allem durch einige bemerkenswerte Auftritte in Mika Kaurism\u00e4kis Dokumentarfilm \u00abBrasileirinho\u00bb \u00fcber die Geschichte des brasilianischen Choro.<\/p>\n<p> Im September vergangenen Jahres ist Yamand\u00fa auf Einladung des r\u00fchrigen deutschen Gitarristen Peter Finger (nomen est omen) am Osnabr\u00fcckner Open-Strings-Festival aufgetreten. Bei dieser Gelegenheit hat er f\u00fcr Fingers Label Acoustic Music Records mit \u00abMafu\u00e1\u00bb erstmals eine Solo-CD eingespielt, die fast ausschliesslich eigene Werke umfasst und ihn auch als versierten Komponisten zeigt.<\/p>\n<p> Die deutsch-brasilianische Zusammenarbeit hat \u00fcbrigens Tradition, m\u00f6glicherweise weil die sinnlich-subtilen brasilianischen Gitarrenpoeten als perfekter kultureller Gegenpol zur eher h\u00f6lzernen und unverbl\u00fcmten deutschen Lebensart hiesige Sehns\u00fcchte perfekt bedienen. Die Deutschen wiederum sch\u00e4tzen etwas, was beim brasilianschen Volk auf sehr wenig Interesse st\u00f6sst: die reine Instrumentalmusik.<\/p>\n<p> Bereits der auch von Yamand\u00fa gesch\u00e4tzte Baden-Powell fand deshalb vor allem in Deutschland eine Plattform, und zwar durch die Vermittlung des emphatischen Jazzkritikers Joachim-Ernst Berendt, der mit ihm in den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts unter anderem die Schallplatte \u00abTristeza on Guitar\u00bb einspielte und ihn an die Berliner Jazztage einlud. <\/p>\n<p> Wer die Musik von brasilianischen Instrumentalisten wie Hermeto Pascoal, Raphael Rabello oder Egberto Gismonti mag, der wird sich zweifelsohne auch mit Yamand\u00fas Kreationen anfreunden. Gitarristen, die auf eine Erweiterung des ohnehin schon reichen Repertoires an Sololiteratur zum Nachspielen hoffen, seien allerdings gewarnt: Da h\u00e4ngen die Trauben doch schon <em>sehr<\/em> hoch&#8230; <em>(wb)<\/em><\/p>\n<p><\/span><\/span><\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><\/p>\n<p> <span style=\"font-size: x-small;\"><em><span class=\"txt-s-black\">Yamand\u00fa Costa: Mafu\u00e1. Acoustic Music Records 319.1396.2, Bezugsnachweis: <a href=\"http:\/\/www.acoustic-music.de\" target=\"blank\" rel=\"noopener noreferrer\">www.acoustic-music.de<\/a> <\/span> <\/em><\/span><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>19.09.2008 &#8212; In Brasilien hat sich eine gitarristische Tradition entwickelt, die vom elegant-verf\u00fchrerischen Duktus der europ\u00e4ischen Kaffeehausmusik in immer exzessivere&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4],"tags":[],"class_list":["post-222","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-im-gespraech","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/222","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=222"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/222\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=222"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=222"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=222"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}