{"id":225,"date":"2014-01-10T10:27:58","date_gmt":"2014-01-10T10:27:58","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/10\/albrecht-mayers-reverenz-an-venedig\/"},"modified":"2014-01-10T10:27:58","modified_gmt":"2014-01-10T10:27:58","slug":"albrecht-mayers-reverenz-an-venedig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/10\/albrecht-mayers-reverenz-an-venedig\/","title":{"rendered":"Albrecht Mayers Reverenz an Venedig"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2008\/080808meyer.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/><em>08.08.2008 &#8212;<\/em> Albrecht Mayer ist einer der beiden Solo-Oboisten der Berliner Philharmoniker (der andere ist Jonathan Kelly, der mit ihm \u00fcbrigens auch die Leidenschaft f\u00fcr den Gesang teilt). Mayer ist nicht nur ein exzellenter Instrumentalist, er l\u00e4sst sich auch einiges einfallen, um den Tontr\u00e4germarkt in Sachen Barockmusik etwas zu beleben: Mit Nigel Kennedy und den Berliner Philharmonikern hat er Bachs Doppelkonzert in d-Moll eingespielt, mit der Sinfonia Varsovia Bearbeitungen von Kantaten des Thomaskantors (ebenfalls unter Beteiligung des exzentrischen britischen Geigers), und mit Transkriptionen von H\u00e4ndel-Werken hat er es gar in die Pop-Charts geschafft.<\/p>\n<p> Mit der j\u00fcngsten Produktion \u00abIn Venice\u00bb wendet er sich nun haupts\u00e4chlich Originalliteratur f\u00fcr sein Instrument aus der Barock-Hochburg Venedig zu \u2212 allerdings nicht, ohne auch in diesem Fall einen interessanten Umweg \u00fcber die Kunst der Bearbeitung zu gehen. Und auch hier hat Bach seine Feder im Spiel, allerdings nicht als Lieferant der Originalmusik, sondern als Bearbeiter.<\/p>\n<p> Von Bach stammt die Ausarbeitung einer Cembalo-Transkription eines Oboenkonzertes von Alessandro Marcello, von dem im Original der Praxis der Zeit entsprechend bloss ein harmonisch-melodisches Grundger\u00fcst vorliegt (im langsamen Satz eine getragene Kantilene in langen einfachen Noten, die dem Solisten Freiraum zur Invention gibt, wie Mayer erl\u00e4utert). Daneben gibt\u2019s zum Auftakt eine eher harmlose und vermutlich als Lockvogel dienende Oboenversion des Largos aus dem \u00abWinter\u00bb von Vivaldis \u00abVier Jahreszeiten\u00bb.<\/p>\n<p> Wie die Cellistin Sol Gabetta, die sich f\u00fcr ihr Vivaldi-Projekt (siehe <a href=\"http:\/\/212.60.37.143\/popular.php?art=35\">Rezension<\/a>) mit einem Kammermusikensemble zusammengetan hat, spielt Mayer die barocken Konzerte mit solistisch besetzten Orchesterstimmen ein. Das Klangbild wirkt deshalb durchsichtig und l\u00e4sst dem solistischen Blasinstrument viel Raum zu klanglicher Entfaltung und differenzierter musikalischer Gestaltung.<\/p>\n<p> Mit \u00abIn Venice\u00bb bricht Mayer aber auch eine Lanze f\u00fcr eher unbekannte Komponisten wie den Venezianer Giovanni Platti, mit dem er die Verbundenheit mit Bamberg teilt: War der Oboist zu Beginn der neunziger Jahre des 20. Jahrhunderts Solist der Bamberger Symphoniker, trat der Komponist 1722 in den Dienst der F\u00fcrstbisch\u00f6fe von Bamberg und W\u00fcrzburg, denen er bis zu seinem Tod 1763 treu blieb. Von seinem Sch\u00fcler Benedetto Marcello (dem durchaus gekonnt dilettierenden Bruder Alessandros) findet sich auf der CD eine Canzona mit dem Titel \u00abSe morto mi brami perch\u00e9 non m&#8217;uccidi\u00bb. Und auch die Oboe d&#8217;amore, die Alt-Variante der Instrumentenfamilie, kommt zum Zuge \u2212 in einem Konzert von Antonio Lotti, einem Lehrer Benedetto Marcellos, der gegen sein Lebensende zum Kapellmeister der venezianischen Markuskirche berufen worden ist.<\/p>\n<p> Am Lucerne Festival Sommer ist Albrecht Mayer heuer Artiste \u00e9toile. Dabei ergibt sich die Gelegenheit, seine Fassungen der Konzerte von Lotti und Alessandro Marcello vor Ort zu geniessen. Zur Seite stehen ihm dabei die Berliner Barock Solisten unter der Leitung des Geigers Rainer Kussmaul (14. August 2008, KKL Luzern).<\/p>\n<p> Dass auch in der Romantik herausragende Literatur f\u00fcr die Oboe verfasst wurde, beweist Mayer in Luzern \u00fcberdies mit dem sp\u00e4ten Oboenkonzert von Richard Strauss (in einem selbstverst\u00e4ndlich bereits ausverkauften Konzert mit der Sinf\u00f3nica de la Juventud Venezolana Sim\u00f3n Bol\u00edvar unter Gustavo Dudamels Leitung), und als Kammermusiker in einer Soir\u00e9e, die franz\u00f6sische Oboensonaten mit poetischen Romanzen und Fantasiest\u00fccken von Robert Schumann und Carl Nielsen koppelt (24. August 2008, Lukaskirche). Am Samstag, 13. September, 17 Uhr, stellt sich Mayer am Lucerne Festival in einem K\u00fcnstlergespr\u00e4ch zudem den Fragen der Journalistin Annelis Berger. <em>(wb)<\/em><\/p>\n<p><span style=\"font-size: x-small;\"><em> <span class=\"txt-s-black\">Albrecht Mayer: In Venice. Werke von Vivaldi, Platti, Alessandro und Benedetto Marcello, Lotti und Albinoni, Decca 2008, CD 4780313.<\/span> <\/em><\/span><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>08.08.2008 &#8212; Albrecht Mayer ist einer der beiden Solo-Oboisten der Berliner Philharmoniker (der andere ist Jonathan Kelly, der mit ihm&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4],"tags":[],"class_list":["post-225","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-im-gespraech","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/225","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=225"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/225\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=225"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=225"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=225"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}