{"id":236,"date":"2014-01-10T10:37:37","date_gmt":"2014-01-10T10:37:37","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/10\/film-und-walzerseligkeit-ein-traumpaar\/"},"modified":"2014-01-10T10:37:37","modified_gmt":"2014-01-10T10:37:37","slug":"film-und-walzerseligkeit-ein-traumpaar","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/10\/film-und-walzerseligkeit-ein-traumpaar\/","title":{"rendered":"Film und Walzerseligkeit &#8211; ein Traumpaar"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2008\/080307walzer.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/><em>07.03.2008 &#8212;<\/em> Idylle, eine Spur Dekadenz, jede Menge Nostalgie; das grosse Schwelgen, die ertr\u00e4gliche Leichtigkeit des Seins; jugendliche Schw\u00e4rmerei, morbider Charme \u2212 in all der Vielfalt seiner Facetten entzieht sich der Walzer auf irritierende Art dem \u00e4sthetischen Werturteil: Ist er oberfl\u00e4chlich? subtil? dekadent? untergr\u00fcndig? kitischig? Sicher findet sich seine Seele nicht in Konstruktionsprinzipien und formaler Strenge, sondern im Sinnlichen und Ornamentalen, und in der verwirrenden Tatsache, dass er sowohl als Verk\u00f6rperung b\u00fcrgerlicher Wohlanst\u00e4ndigkeit als auch halbseidener Verf\u00fchrungsk\u00fcnste dienen kann. Da erstaunt es kaum, dass er sich in der Requisitenkammer der Filmmusik seinen festen Platz erobert hat: Von der Schmonzette bis zum Mafia-Epos profitieren sie alle von den Abgr\u00fcnden, die sich hinter der scheinbar harmlosen Oberfl\u00e4chlichkeit des Dreitaktes \u00f6ffnen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p> Da gibt es Filme, f\u00fcr die der Walzer h\u00e4tte erfunden werden m\u00fcssen, h\u00e4tte es ihn nicht schon gegeben, etwa \u00abDie Fabelhafte Welt der Amelie\u00bb oder Fellinis \u00abLa Strada\u00bb, die bezeichnenderweise beide weibliche Sehnsuchtswelten zum Thema haben. Und es gibt solche, die ihn wie Russ Meyers Trash-Klassiker \u00abSupervixens\u00bb als harten Kontrast zu desillusionierter Fleischlichkeit miss(?)brauchen. In Schl\u00f6ndorffs \u00abBlechtrommel\u00bb wiederum bringt der kleinw\u00fcchsige Oskar Matzerath mit dem Dreitakt die faschistische Welt der Kriegstreiber aus den Fugen.<\/p>\n<p> Keiner dieser Filme ist auf dem SonyBMG-Album \u00abDie besten Filmklassiker\u00bb portr\u00e4tiert, wohl aber Stanley Kubricks \u00ab2001 \u2212 A Space Odyssey\u00bb, der mit seinen genialen walzertanzenden Raumschiffen im Weltall Filmmusik-Geschichte geschrieben hat. Auch in \u00abEyes Wide Shut\u00bb nutzt Kubrick die Hintergr\u00fcndigkeit des Dreitakt-Tanzes (mit Schostakowitschs Walzer aus der Jazz-Suite Nr. 2). Tolstois grosses Epos \u00abKrieg und Frieden\u00bb wird sowohl in der Version als aktueller TV-Mehrteiler (Katschaturians Maskerade-Walzer) als auch in der Schwarzweiss-Version von 1956 (Chopins Grande Valse Brillante) mit Walzern unterlegt.<\/p>\n<p> Aber auch gesungen wird auf der Kompilation, und zwar von Rudolf Schock und Margrit Schramm, die in den Filmen \u00abZwei Herzen im Dreivierteltakt\u00bb und \u00abDer letzte Walzer\u00bb die Welt der Operette mit ihrer erstaunlichen F\u00e4higkeit zur Realit\u00e4tsverweigerung beschw\u00f6ren.<\/p>\n<p> Henry Mancinis \u00abMoon River\u00bb hingegen steht im Film \u00abFr\u00fchst\u00fcck bei Tiffany\u00bb f\u00fcr die Frauenfantasien, die schon Gelsomina aus \u00abLa Strada\u00bb und sp\u00e4ter Amelie umtreiben. Eine ganz eigene Facette steuert auf \u00abDie besten Filmwalzer\u00bb zum ironischen Schluss Konstantin Wecker mit seinem Schickeria-Walzer aus dem Streifen \u00abKir Royal\u00bb bei. <em>(wb)<\/em><\/p>\n<p> <span class=\"txt-s-black\" style=\"font-size: x-small;\"><em>Die besten Filmwalzer. Die ber\u00fchmten Walzer aus Krieg und Frieden, Eyes Wide Shut, 2001 \u2013 Odyssee im Weltraum, Fr\u00fchst\u00fcck bei Tiffany, die Sch\u00f6ne und das Biest, Opernball, Kir Royal u.a., RCA Red Seal, 2008 sony BMG Music Entertainment, 88697 07909 2<\/em> <\/span><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>07.03.2008 &#8212; Idylle, eine Spur Dekadenz, jede Menge Nostalgie; das grosse Schwelgen, die ertr\u00e4gliche Leichtigkeit des Seins; jugendliche Schw\u00e4rmerei, morbider&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4],"tags":[],"class_list":["post-236","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-im-gespraech","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/236","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=236"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/236\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=236"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=236"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=236"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}