{"id":2438,"date":"2015-07-15T09:01:36","date_gmt":"2015-07-15T09:01:36","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2015\/07\/15\/kultur-und-staat-i-es-ist-kompliziert\/"},"modified":"2015-07-15T09:01:36","modified_gmt":"2015-07-15T09:01:36","slug":"kultur-und-staat-i-es-ist-kompliziert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2015\/07\/15\/kultur-und-staat-i-es-ist-kompliziert\/","title":{"rendered":"Kultur und Staat I: Es ist kompliziert"},"content":{"rendered":"<p align=\"center\"><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\"><em>von Wolfgang B\u00f6hler<\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\"><img decoding=\"async\" src=\"images\/kolumnewb.jpg\" border=\"0\" alt=\"Portr\u00e4t Wolfgang B\u00f6hler\" style=\"float: left; margin: 8px;\" \/>10.07.2015 &#8212; Bei Facebook gibt es einen Partnerschaftsstatus \u00abEs ist kompliziert\u00bb. Das trifft ziemlich genau das Verh\u00e4ltnis von Kultur und Staat. Da droht schnell mal die Terrible Simplification. Man kann versuchen, es rechts-populistisch zu vereinfachen: Der Staat soll sich nicht in die Kultur einmischen, denn echte Kultur setzt sich im Markt durch und \u00f6ffentliche Kulturf\u00f6rderung produziert bloss Staatsk\u00fcnstler, die zwar von allen geh\u00e4tschelt werden, aber bloss verschwurbelte, selbstreferentielle Kunst hervorbr\u00f6smeln. Das ist nat\u00fcrlich ein polemisches Zerrbild der tats\u00e4chlichen Verh\u00e4ltnisse. Aber auch linke Rechtfertigungen der \u00f6ffentlichen Kulturf\u00f6rderung haben blinde Flecken. Kultur f\u00f6rdere etwa den so wichtigen gesellschaftlichen Zusammenhalt, beteuern linke Kulturpolitiker. Kaum einer fragt nach, ob dies tats\u00e4chlich der Fall ist. Es ist es eher nicht. Gesellschaftlicher Zusammenhalt entsteht durch Wirtschaft und Sport. Kulturelle Identit\u00e4ten grenzen sich ab.<\/span><\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p align=\"center\"><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\"><em>von Wolfgang B\u00f6hler<\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\"><img decoding=\"async\" src=\"images\/kolumnewb.jpg\" border=\"0\" alt=\"Portr\u00e4t Wolfgang B\u00f6hler\" style=\"float: left; margin: 8px;\" \/>10.07.2015 &#8212; Bei Facebook gibt es einen Partnerschaftsstatus \u00abEs ist kompliziert\u00bb. Das trifft ziemlich genau das Verh\u00e4ltnis von Kultur und Staat. Da droht schnell mal die Terrible Simplification. Man kann versuchen, es rechts-populistisch zu vereinfachen: Der Staat soll sich nicht in die Kultur einmischen, denn echte Kultur setzt sich im Markt durch und \u00f6ffentliche Kulturf\u00f6rderung produziert bloss Staatsk\u00fcnstler, die zwar von allen geh\u00e4tschelt werden, aber bloss verschwurbelte, selbstreferentielle Kunst hervorbr\u00f6smeln. Das ist nat\u00fcrlich ein polemisches Zerrbild der tats\u00e4chlichen Verh\u00e4ltnisse. Aber auch linke Rechtfertigungen der \u00f6ffentlichen Kulturf\u00f6rderung haben blinde Flecken. Kultur f\u00f6rdere etwa den so wichtigen gesellschaftlichen Zusammenhalt, beteuern linke Kulturpolitiker. Kaum einer fragt nach, ob dies tats\u00e4chlich der Fall ist. Es ist es eher nicht. Gesellschaftlicher Zusammenhalt entsteht durch Wirtschaft und Sport. Kulturelle Identit\u00e4ten grenzen sich ab.<\/span><\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">Kaum einer fragt nach, was unter gesellschaftlichem Zusammenhalt aber \u00fcberhaupt zu verstehen ist, und ob dieser tats\u00e4chlich ein Ziel sein sollte. Die Argumente der Linken deuten darauf hin, dass mit gesellschaftlichem Zusammenhalt (gem\u00e4ss sozialistisch-internationalistischem Denken) eine gleichf\u00f6rmige, urbane, \u00absolidarische\u00bb, \u00abgerechte\u00bb Welt- und Wertegemeinschaft gemeint ist. M\u00f6glicherweise ist der Zusammenhalt kein Ziel einer pluralistischen Gesellschaft, in der sich Kultur- und Wertegemeinschaften durchaus voneinander abgrenzen k\u00f6nnen m\u00fcssen \u2012 solange man sich auf die Respektierung elementarer Grundregeln einigt: Menschenrechte, demokratische Entscheidungsprozesse und den Kampf gegen Korruption, Vetternwirtschaft, Inkompetenz und Schlamperei. M\u00f6glicherweise gedeiht interessante, authentische Kultur nur in Spannungsfeldern schmerzhaft unterschiedlicher Gemeinschaften.<\/span><\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">Es erstaunt immer wieder, wie grob gezimmert und emotionalisiert Argumente f\u00fcr und wider die \u00f6ffentliche Kulturf\u00f6rderung sind. Der einen Seite (den Linken) scheint es im Modus der Daueremp\u00f6rung prim\u00e4r um Besitzstandswahrung zu gehen (H\u00e4nde weg von unseren Orchestern, Museen und F\u00f6rderbeitr\u00e4gen!), der andern (den Rechten) um den ideologisch motivierten R\u00fcckbau des Staates und ums L\u00e4cherlichmachen der Kulturschaffenden. Ob und wie aktuelles Kulturschaffen tats\u00e4chlich Konsumbed\u00fcrfnisse abdecken soll und auch abdeckt, wird kaum je differenziert er\u00f6rtert. Welche Bedeutung das Kunstschaffen als wirtschaftlich nicht unmittelbar rentierender Erkenntnisprozess hat, auch nicht.<\/span><\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">M\u00f6glicherweise braucht es etwas mehr Mut, nicht marktf\u00e4higes, aber wie wissenschaftliche Grundlagenforschung erkenntnisgetriebenes Kunstschaffen \u00f6ffentlich zu f\u00f6rdern und nach Kriterien seines Erkenntnisgehaltes zu beurteilen, einfach weil der politische Wille es so will. Ohne nach einem <em>Return on Investment<\/em> zu fragen. Und m\u00f6glicherweise sollte von Kulturschaffenden, die auf \u00f6ffentliche Resonanz (und damit Markt und Konsum) aus sind, tats\u00e4chlich konsequenter verlangt werden, dass sie unternehmerischer denken \u2012 und sie konsequenter am Markterfolg messen. Dazu m\u00fcssten solche Aspekte des Kulturschaffens aber grunds\u00e4tzlich besser definiert und soweit m\u00f6glich voneinander isoliert werden, womit wir wieder am Anfang w\u00e4ren: Es ist halt kompliziert. Man kann aber die Behauptung wagen, dass die Gesellschaft schon weit komplexere dynamische und verschr\u00e4nkte Systeme in den Griff bekommen hat.\u00a0<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p align=\"center\"><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\"><em>von Wolfgang B\u00f6hler<\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\"><img decoding=\"async\" src=\"images\/kolumnewb.jpg\" border=\"0\" alt=\"Portr\u00e4t Wolfgang B\u00f6hler\" style=\"float: left; margin: 8px;\" \/>10.07.2015 &#8212; Bei Facebook gibt es einen Partnerschaftsstatus \u00abEs ist kompliziert\u00bb. Das trifft ziemlich genau das Verh\u00e4ltnis von Kultur und Staat. Da droht schnell mal die Terrible Simplification. Man kann versuchen, es rechts-populistisch zu vereinfachen: Der Staat soll sich nicht in die Kultur einmischen, denn echte Kultur setzt sich im Markt durch und \u00f6ffentliche Kulturf\u00f6rderung produziert bloss Staatsk\u00fcnstler, die zwar von allen geh\u00e4tschelt werden, aber bloss verschwurbelte, selbstreferentielle Kunst hervorbr\u00f6smeln. Das ist nat\u00fcrlich ein polemisches Zerrbild der tats\u00e4chlichen Verh\u00e4ltnisse. Aber auch linke Rechtfertigungen der \u00f6ffentlichen Kulturf\u00f6rderung haben blinde Flecken. Kultur f\u00f6rdere etwa den so wichtigen gesellschaftlichen Zusammenhalt, beteuern linke Kulturpolitiker. Kaum einer fragt nach, ob dies tats\u00e4chlich der Fall ist. Es ist es eher nicht. Gesellschaftlicher Zusammenhalt entsteht durch Wirtschaft und Sport. 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