{"id":2482,"date":"2015-08-11T09:34:03","date_gmt":"2015-08-11T09:34:03","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2015\/08\/11\/kultur-und-staat-iii-kunst-wird-ueberschaetzt\/"},"modified":"2015-08-11T09:34:03","modified_gmt":"2015-08-11T09:34:03","slug":"kultur-und-staat-iii-kunst-wird-ueberschaetzt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2015\/08\/11\/kultur-und-staat-iii-kunst-wird-ueberschaetzt\/","title":{"rendered":"Kultur und Staat III: Kunst wird \u00fcbersch\u00e4tzt"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\"><em>von Wolfgang B\u00f6hler<\/em><\/span><\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\"><img decoding=\"async\" src=\"images\/kolumnewb.jpg\" border=\"0\" alt=\"Portr\u00e4t Wolfgang B\u00f6hler\" style=\"float: left; margin: 8px;\" \/>07.08.2015 \u2013 Laut der aktuellen Kulturbotschaft des Bundes erm\u00f6glicht Kultur dem Menschen, nicht nur \u00absich selbst und sein Umfeld zu verstehen und verst\u00e4ndlich zu machen\u00bb sondern auch \u00abKreativit\u00e4t und Innovationskraft eines Staates\u00bb zu bef\u00f6rdern. Das sind grosse Worte. Noch weiter gehen Selbstcharakterisierungen von Kulturschaffenden, die ihr Wirken als Seismograf oder Fr\u00fchwarnsystem f\u00fcr gesellschaftliche und politische Entwicklungen oder als Gewissen der Gesellschaft verstehen. Das erinnert etwas an die Sterngucker im Mittelalter. Philosophen m\u00fcssten mit Blick auf solche Ideen (genau gleich wie mit Blick auf den Begriff Innovation) von einem Kategorienfehler sprechen. Werden Kunstwerke als politische Aussagen verstanden oder genutzt, verlieren sie ihren Status als Kunstwerk. In der Regel implodieren sie in diesem Fall zu einer mehr schlechten als rechten, in der Regel aber von Vorurteilen und Inkompetenzen gepr\u00e4gten Wirklichkeitsanalyse.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\"><em>von Wolfgang B\u00f6hler<\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\"><img decoding=\"async\" src=\"images\/kolumnewb.jpg\" border=\"0\" alt=\"Portr\u00e4t Wolfgang B\u00f6hler\" style=\"float: left; margin: 8px;\" \/>07.08.2015 \u2013 <span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">Laut der aktuellen Kulturbotschaft des Bundes erm\u00f6glicht Kultur dem Menschen, nicht nur \u00absich selbst und sein Umfeld zu verstehen und verst\u00e4ndlich zu machen\u00bb sondern auch \u00abKreativit\u00e4t und Innovationskraft eines Staates\u00bb zu bef\u00f6rdern. Das sind grosse Worte. Noch weiter gehen Selbstcharakterisierungen von Kulturschaffenden, die ihr Wirken als Seismograf oder Fr\u00fchwarnsystem f\u00fcr gesellschaftliche und politische Entwicklungen oder als Gewissen der Gesellschaft verstehen. Das erinnert etwas an die Sterngucker im Mittelalter. Philosophen m\u00fcssten mit Blick auf solche Ideen (genau gleich wie mit Blick auf den Begriff Innovation) von einem Kategorienfehler sprechen. Werden Kunstwerke als politische Aussagen verstanden oder genutzt, verlieren sie ihren Status als Kunstwerk. In der Regel implodieren sie in diesem Fall zu einer mehr schlechten als rechten, in der Regel aber von Vorurteilen und Inkompetenzen gepr\u00e4gten Wirklichkeitsanalyse.<\/span><br \/><\/span><\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">K\u00fcnstler haben gegen\u00fcber Otto Normalverbraucher vor allem zwei Vorteile: Sie sind dank ihrer F\u00e4higkeit, zu unterhalten und zum Staunen zu bringen Sympathietr\u00e4ger, und sie sind gut geschult in Aufbereitung und Pr\u00e4sentation von Ideen, ob diese nun gut, schlecht, wirr oder solide fundiert sind. Alleine dadurch gewinnen sie an \u00dcberzeugungskraft. In Sachen politischer und gesellschaftlicher Ideen trifft dies vor allem auf die schreibende Zunft und narrative Kunstformen \u2012 Film, Theater \u2012 zu. Inhalte gewinnen dank professioneller Gestaltung an intuitiver Plausibilit\u00e4t, v\u00f6llig unabh\u00e4ngig davon, ob sie intellektuell solide und empirisch gest\u00fctzt sind. Dies ist auch der tiefere Grunde, weshalb Schriftsteller, Filmemacherinnen oder Theaterleute f\u00fcr die hintergr\u00fcndige Zeitanalyse kompetenter zu sein scheinen als etwa Schreiner, Altenpflegerinnen, Sch\u00f6nheitschirurgen oder Investementbankerinnen, auch wenn sie in etwa vermutlich \u00fcber dieselben Kompetenzen verf\u00fcgen: ihre praktische Lebenserfahrung n\u00e4mlich.<\/span><\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">Wenn sich K\u00fcnstler qua K\u00fcnstler f\u00fcr Wahlen aufstellen lassen wie dies zur Zeit eine Gruppe aus dem Umfeld der Plattform \u00abKunst und Politik\u00bb tut, dann tun sie mehr oder weniger dasselbe, was einst Autofreunde mit der Autopartei, Rentner mit der Rentnerpartei oder meinetwegen \u00d6kologen mit der Gr\u00fcnen Partei taten: Aus der Warte eines spezifischen Themas den Anspruch erheben, das politische Tagesgesch\u00e4ft mitzugestalten.<\/span><\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">In der Selbstdeklaration der Kandidaten (sie ist als \u00abManifest\u00bb gelabelt) t\u00f6nt dies dann so: \u00abKunst und Kultur (\u2026) schaffen Anlass zur Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Werten, regen an zu kritischer Kommunikation und Produktion und stiften damit die Grundlage zur Erweiterung des politischen und gesellschaftlichen Dialogs.\u00bb Das ist mal ein Anspruch. Wir glauben\u2019s halt einfach nicht. Kunst und Kultur dienen unserer Erfahrung nach in mindestens dem gleichen Mass der Verfestigung von Vorurteilen, der St\u00e4rkung von emotionalen Gruppenzugeh\u00f6rigkeiten, dem Primat der Ideologie \u00fcber den Pragmatismus und der Abkapselung gegen\u00fcber Andersdenkenden.<\/span><\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">Politik ist ein hartes, unspektakul\u00e4res, manchmal schmutziges, manchmal derbes und h\u00e4ufig stil- und geschmackloses Gesch\u00e4ft. Es geht dabei im Wesentlichen um das Verteilen von Ressourcen und den Kampf gegen Machtmissbrauch. Nicht auszuschliessen, dass Kulturschaffende diese Arbeit auch verrichten k\u00f6nnen, wenn sie sich die g\u00e4nzlich kulturfernen Kompetenzen dazu \u2013 wie alle andern in der Politik t\u00e4tigen <span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u2013\u00a0 <\/span>in der Praxis aneignen. Die Voraussetzungen sind aber eher schlecht: Viel Synergien mit der Kulturarbeit gibt es da nicht, eher Reibungsfl\u00e4chen.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\"><em>von Wolfgang B\u00f6hler<\/em><\/span><\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\"><img decoding=\"async\" src=\"images\/kolumnewb.jpg\" border=\"0\" alt=\"Portr\u00e4t Wolfgang B\u00f6hler\" style=\"float: left; margin: 8px;\" \/>07.08.2015 \u2013 Laut der aktuellen Kulturbotschaft des Bundes erm\u00f6glicht Kultur dem Menschen, nicht nur \u00absich selbst und sein Umfeld zu verstehen und verst\u00e4ndlich zu machen\u00bb sondern auch \u00abKreativit\u00e4t und Innovationskraft eines Staates\u00bb zu bef\u00f6rdern. Das sind grosse Worte. Noch weiter gehen Selbstcharakterisierungen von Kulturschaffenden, die ihr Wirken als Seismograf oder Fr\u00fchwarnsystem f\u00fcr gesellschaftliche und politische Entwicklungen oder als Gewissen der Gesellschaft verstehen. Das erinnert etwas an die Sterngucker im Mittelalter. Philosophen m\u00fcssten mit Blick auf solche Ideen (genau gleich wie mit Blick auf den Begriff Innovation) von einem Kategorienfehler sprechen. Werden Kunstwerke als politische Aussagen verstanden oder genutzt, verlieren sie ihren Status als Kunstwerk. 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