{"id":249,"date":"2014-01-10T10:49:08","date_gmt":"2014-01-10T10:49:08","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/10\/sueskinds-kontrabass-als-hoerbuch\/"},"modified":"2014-01-10T10:49:08","modified_gmt":"2014-01-10T10:49:08","slug":"sueskinds-kontrabass-als-hoerbuch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/10\/sueskinds-kontrabass-als-hoerbuch\/","title":{"rendered":"S\u00fcskinds \u00abKontrabass\u00bb als H\u00f6rbuch"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2007\/070907kontra.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/><em>07.09.2007 &#8212;<\/em> Der soziale Kosmos von Theater und Orchester wird immer mal wieder als Steinbruch f\u00fcr gesellschaftliche Parabeln genutzt. Eine spezielle Anziehungskraft auf Literaten \u00fcbt dabei zwar auch der Dirigent als Archetyp des F\u00fchrers aus \u2013 etwa in Fellinis Film \u00abProva d\u2019Orchestra\u00bb aus dem Jahr 1979. Vor allem aber scheinen die eher zudienenden Funktionen Schriftsteller und Liedermacher zu Grotesken und Gleichnissen zu inspirieren. Man erinnert sich in selektiver Art an Andr\u00e9 Hellers Chanson \u00abDer Souffleur\u00bb (1976) oder Gardi Hutters weibliches Pendant aus dem Jahr 2003. Der Schweizer Schriftsteller Hermann Burger wiederum setzte 1979 mit einem Theaterst\u00fcck dem Orchesterdiener ein Denkmal.<\/p>\n<p> Patrick S\u00fcskind hat sich mit seinem Einpersonenst\u00fcck \u00abDer Kontrabass\u00bb 1980 einem zwar nicht stillen, aber angeblich wenig wahrgenommenen Schaffer an der Basis des Orchesters angenommen und damit den Grundstein zu seinem Welterfolg gelegt. Wie die andern Beispiele handelt es vom leicht verbitterten Angestellten weit unten in der Hackordnung \u2013 \u00fcberzeugt davon, dass der Laden ohne ihn nicht laufen w\u00fcrde, aber dennoch zu unsicher, als dass er aus der selber sehr eng abgesteckten Lebenswelt ausbrechen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p> Ein Vierteljahrhundert nach seiner Entstehung wirkt das St\u00fcck etwas angestaubt \u2013 nicht zuletzt, weil moderne Orchester nicht mehr unbedingt f\u00fcr straffe hierarchische Strukturen, Sehnsucht nach den guten alten Zeiten und menschliche Hilflosigkeiten stehen, sondern eher ein dynamisches und unternehmerisches Bild vermitteln (wie weit dies auch nach innen reformerisch ausstrahlt, d\u00fcrfte allerdings von Ensemble zu Ensemble unterschiedlich sein). Dennoch ist der Text auch heute noch unterhaltsam \u2013 und durchaus lehrreich, breitet er doch immer wieder gut informierte Details aus der Geschichte des Instrumentes aus. Daneben gef\u00e4llt er ganz einfach mit unterhaltsamer Prosa.<\/p>\n<p> Dem Diogenes-Verlag bleibt das Verdienst, den \u00abKontrabass\u00bb in Form eines H\u00f6rbuches verf\u00fcgbar zu machen, und zwar in einer mittlerweile bereits als historisch zu bezeichnenden Aufnahme aus dem Jahr 1981. 1980 wurde das St\u00fcck von Nikolaus Paryla im Cuvilli\u00e9s-Theater in M\u00fcnchen uraufgef\u00fchrt, in dem Diogenes-H\u00f6rbuch, das eine Produktion des Westdeutschen Rundfunks verwertet, liest der Schauspieler Walter Schmidinger den Text. W\u00e4hrend der 59 Minuten dauernden Lesung wird in illustrativer Absicht tats\u00e4chlich hie und da zum Kontrabass gegriffen, auch Strassenl\u00e4rm dringt einmal in die Stube des deklamierenden Musikers, und weitere Details schaffen eine authentische akustische Kulisse. Ansonsten lebt die Einspielung aber ganz und gar vom gestalterischen K\u00f6nnen Schmidingers, und das ist nun wirklich nicht als gering zu bezeichnen. <em>(wb)<\/em><\/p>\n<p> <em><span class=\"txt-s-black\" style=\"font-size: x-small;\">Patrick S\u00fcskind: Der Kontrabass, H\u00f6rspiel mit Walter Schmdinger, Regie Friedhelm Ortmann, eine Produktion des WDR, Diogenes H\u00f6rbuch. Mit Illustrationen von Semp\u00e9, Z\u00fcrich 2007. <\/span><\/em><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>07.09.2007 &#8212; Der soziale Kosmos von Theater und Orchester wird immer mal wieder als Steinbruch f\u00fcr gesellschaftliche Parabeln genutzt. 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