{"id":2499,"date":"2015-08-20T09:56:09","date_gmt":"2015-08-20T09:56:09","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2015\/08\/20\/olivia-trummer-classical-to-jazz-one\/"},"modified":"2015-08-20T09:56:09","modified_gmt":"2015-08-20T09:56:09","slug":"olivia-trummer-classical-to-jazz-one","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2015\/08\/20\/olivia-trummer-classical-to-jazz-one\/","title":{"rendered":"Olivia Trummer: Classical to Jazz \u2012 One"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"images\/bilder2015\/NCD4131.jpg\" border=\"0\" alt=\"Cover CD\" width=\"100\" height=\"100\" style=\"float: left; margin: 8px;\" \/><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">14.08.2015 \u2013 Die Kombination ist besetzt: Klavier und Vibraphon als Jazzduo, das misst sich irgendwie unmittelbar an Chick Corea und Gary Burton, egal welchen Stilmix und welche \u00e4sthetischen Ideen diese faszinierende glockenartige Art aus zugleich Misch- und Spaltklang bestimmt. Die beiden Grossen der Jazzgeschichte haben Masst\u00e4be gesetzt, was rhythmische, motorische Energie und was melodische Spiellust und Erfindungsreichtum ausmachen. Das Projekt Olivia Tummers unterschiedet sich da zwar in der zweifelssohne interessanten Grundkonzeption \u2012 klassische Kompositionen wie Jazzstandards als Material f\u00fcr eigene Ideen zu betrachten. Nur wird die Aufgabe dadurch nicht einfacher, sondern schwieriger. Sie muss nicht nur gegen die Benchmarks der zwei Altmeister anspielen, sondern sich auch noch an kompositorisch exzellentem Material messen: Wird dieses nicht auf Augen- (oder Ohren-)h\u00f6he auseinandergenommen, wird man sich fragen m\u00fcssen, was gewonnen ist, wenn aus exzellenten Werken weniger exzellente destilliert werden.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"images\/bilder2015\/NCD4131.jpg\" border=\"0\" alt=\"Cover CD\" width=\"100\" height=\"100\" style=\"float: left; margin: 8px;\" \/>14.08.2015 \u2013 Die Kombination ist besetzt: Klavier und Vibraphon als Jazzduo, das misst sich irgendwie unmittelbar an Chick Corea und Gary Burton, egal welchen Stilmix und welche \u00e4sthetischen Ideen diese faszinierende glockenartige Art aus zugleich Misch- und Spaltklang bestimmt. Die beiden Grossen der Jazzgeschichte haben Masst\u00e4be gesetzt, was rhythmische, motorische Energie und was melodische Spiellust und Erfindungsreichtum ausmachen. Das Projekt Olivia Tummers unterschiedet sich da zwar in der zweifelssohne interessanten Grundkonzeption \u2012 klassische Kompositionen wie Jazzstandards als Material f\u00fcr eigene Ideen zu betrachten. Nur wird die Aufgabe dadurch nicht einfacher, sondern schwieriger. Sie muss nicht nur gegen die Benchmarks der zwei Altmeister anspielen, sondern sich auch noch an kompositorisch exzellentem Material messen: Wird dieses nicht auf Augen- (oder Ohren-)h\u00f6he auseinandergenommen, wird man sich fragen m\u00fcssen, was gewonnen ist, wenn aus exzellenten Werken weniger exzellente destilliert werden.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">Trummer am Klavier und ihrem Partner Jean-Lou Treboux gelingen phasenweise gef\u00e4llige Partien, vor allem dort, wo die Vorbilder kaum noch durchdr\u00fccken und etwa in der \u00abMoz\u00e4rtlichen Suite Part II\u00bb von beiden in klassischer Jazzmanier auf ihren Instrumenten balladenartige Linien ausgesungen werden. An der selbstgestellten Aufgabe \u2012 der Riesenaufgabe, ausgerechnet Werke der Giganten Bach und Mozart zu dekonstruieren \u2012 scheitert die originelle Pianistin allerdings (noch) weitgehend. Schon in der \u00abScarlattacca\u00bb zum Auftakt kl\u00f6ppelt sie raffinierte italienische Eleganz in eher harmlose, klischierte Bluesformeln um. Vom Spirit der Orignalkompositionen des Salzburger Meisters und des Thomaskantors ist dann kaum noch etwas zu sp\u00fcren. Sie bleiben allzu sehr bloss motivische Intros-Stichwortgeber. Barocke und klassische Fakebooks f\u00fcrs Herumpr\u00f6beln. \u00a0\u00a0\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">Vielleicht w\u00e4re es sinnvoll, die Idee zun\u00e4chst eher an Charakterst\u00fccken weniger ambitionierter Melodienschmiede wie Diabelli, Waldvogel, Kreisler, Juon und so weiter buchst\u00e4blich durchzuspielen, um ein Gef\u00fchl daf\u00fcr zu entwickeln, mit welchen gestalterischen Mittel man den Klangkosmen der europ\u00e4ischen Kunstmusik, erfasst durch das Peri\u2019s Scope des Jazz, gerecht werden k\u00f6nnte. Vielleicht w\u00e4re auch weniger mehr. Alleine ein einziger Satz aus einer Bach-Partita b\u00f6te vermutlich genug Herausforderung, versuchte man sein Material wirklich zu durchdringen. <em>(wb)<\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">Info: Olivia Trummer, Classical to Jazz \u2012 One, Olivia Trummer (Klavier, Gesang), Jean-Luc Treboux (Vibraphon), Neuklang NCD 4131.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8211; <br \/><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">Zu diesem Text hat uns folgende Zuschrift erreicht, die wir mit Einwilligung des Autors gerne ungek\u00fcrzt anf\u00fcgen:<br \/><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\"><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00ab<\/span>G\u00fcltige Urteile \u00fcber klingende Musikst\u00fccke\u00a0\u2013 die nicht notiert vorliegen(!)\u00a0\u2013 zu finden, setzt die F\u00e4higkeit voraus, das Geh\u00f6rte im Ged\u00e4chtnis zu speichern, zu verkn\u00fcpfen und dann: zu analysieren\/assoziieren. Und die wichtigste Voraussetzung beim Urteilen \u00fcber klingende Musik: Eine offene, neugierige und vorurteilsfreie Haltung gegen\u00fcber dem Klangereignis. Eben nicht nur das Goethe\u2019sche Prinzip: &#8218;Man sieht (h\u00f6rt) nur was man wei\u00df&#8217;\u2026Eine anspruchsvolle Aufgabe, die eigentlich nur gelingen kann, wenn man selber in der praktischen und kreativen Musikaus\u00fcbung aktiv ist und durchaus in der Lage ist, &#8218;Musik als Sprache&#8216; fl\u00fcssig selber am Instrument zu sprechen. Es sei angemerkt, dass gerade auch die angesprochenen Komponisten Bach, Mozart und Scarlatti ihre Werke quasi aus der Improvisation herausdestillieren konnten: Diese &#8218;Fl\u00fcssigkeit der Erfindung&#8216; und &#8218;das Ma\u00df an unersch\u00f6pflicher Inspiration und Fantasie&#8216; erkl\u00e4ren auch das ungeheure Quantum der hinterlassenen Werke. Nicht das &#8218;Feilschen&#8216; oder &#8218;Abw\u00e4gen&#8216; um jede Note, sondern die F\u00e4higkeit, Musik &#8218;zu sprechen&#8216; war und ist Schl\u00fcssel zum Verst\u00e4ndnis sowohl &#8218;klassischer&#8216; als auch &#8218;jazziger&#8216; Musik\u2026 <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">Beim Lesen Ihrer Rezension \u00fcber die neueste CD von Olivia Trummer sind Sie dabei ganz offensichtlich gescheitert. Mit dem absonderlichen Einstieg, dass eine Duo-Besetzung sich an einer &#8218;Benchmark&#8216; (einem betriebswirtschaftlichen\/technischen Begriff, der gar nicht in den Zusammenhang passt) messen lassen m\u00fcsste, ist schon eine wichtige Voraussetzung f\u00fcr die fachgerechte Beurteilung von NEUEM unter den Tisch gefallen. Es ist einfach v\u00f6llig abwegig, einen ganz neuen musikalisch originellen Ansatz mit einem betriebswirtschaftlich\/ technischen Begriff zu begegnen \u2013 auch wenn er vielleicht bei dem einen oder anderen Leser eine gewisse &#8218;Fachkundigkeit&#8216; vorspiegeln mag \u2013 was Ihnen mit Sicherheit ein gro\u00dfes Anliegen sein d\u00fcrfte\u2026 <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">Auch Ihr sog. &#8218;Werkbegriff&#8216; ist in einem v\u00f6llig falschen Kontext ins Spiel gebracht \u2013 verr\u00e4t aber umso mehr, dass es sich hier um einen Rezensenten handelt, der sich der Musik vor allem &#8218;lesend&#8216; \u2013 gleichsam als &#8218;literarisches Werk&#8216; &#8211; ann\u00e4hert \u2013 vermutlich, weil die F\u00e4higkeit, Musik sprechend und fl\u00fcssig auszu\u00fcben nicht vorhanden ist. Ein verh\u00e4ngnisvoller Mangel! <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">Auch der v\u00f6llig verfehlte Begriff von &#8218;der Riesenaufgabe die Werke der Giganten\u2026 zu dekonstruieren&#8216; ist eine v\u00f6llig irrige Annahme: Das mag f\u00fcr den Rezensenten eine (nicht zu bew\u00e4ltigende) Aufgabe sein \u2013 f\u00fcr das Duo Trummer\/Treboux stand dies \u00fcberhaupt nicht im Focus! Die klangliche Struktur war Grundlage f\u00fcr assoziative Verkn\u00fcpfungen, die zwei begnadet begabte Musiker mit gro\u00dfer Fantasie, Inspiration und au\u00dferordentlichem K\u00f6nnen \u2013 auf Augenh\u00f6he mit ihren Vorbildern! \u2013 umgesetzt haben. Der Vorwurf einer mangelnden &#8218;Durchdringung des Materials&#8216; am Beispiel von Bach l\u00e4sst die beschr\u00e4nkte Wahrnehmung des Rezensenten auf geradezu tragische Weise offenkundig werden: So ist ihm entgangen, welche rhythmischen Assoziationen zum &#8218;Prelude&#8216; in Verbindung mit den Metamorphosen der melodischen und harmonischen Parameter entstanden sind. Unglaubliche klangliche harmonische Vertiefungen entstehen in der Fortf\u00fchrung der Sarabande, die weit \u00fcber die M\u00f6glichkeiten des barocken Vorbilds hinaus weisen. Ein begl\u00fcckender Moment, wenn im 2. Teil der Gigue pl\u00f6tzlich die Bass-Linien aufgebrochen werden und v\u00f6llig \u00fcber sich hinauswachsen. Es lie\u00dfen sich zahllose Beispiele anf\u00fcgen, die von diesen beiden Ausnahme-Talenten in faszinierender Weise gestaltet wurden. Hier \u00f6ffnen sich R\u00e4ume, die nur von h\u00f6chst talentierten Musikern im Spiel geschaffen werden k\u00f6nnen. Dass die Pianistin \u2013 neben ihren Jazz-Diplomen in Stuttgart und New York (!)\u00a0<span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u2013<\/span> eine gro\u00dfe Anzahl von klassischen Wettbewerben gewonnen hat (und auch ein Konzert-Diplom mit Auszeichnung absolviert hat) sei nur nebenbei angemerkt: In ihrem Musikerleben ist sie seit Kindesbeinen an eine v\u00f6llige Ausnahme-Erscheinung: Sie kann Musik aufgrund eines wunderbaren Ged\u00e4chtnisses, eines extrem ausgebildeten musikalischen Geh\u00f6rs und auch einer staunenswerten kreativen Grundbegabung (sprachlich, zeichnerisch und musikalisch) eben fl\u00fcssig und inspiriert &#8217;sprechen&#8216;. In anderen Aufnahmen kann man sie als 19- oder 20-J\u00e4hrige h\u00f6ren, wie sie Mozart- oder Haydn-Klavier-Konzerte exzellent spielt und dann Kadenzen am Ende der S\u00e4tze im Konzert atemberaubend improvisiert. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">Auf jeden Fall sind die Anmerkungen des Rezensenten ein gescheiterter Versuch, einer faszinierenden und assoziativen Ann\u00e4herung an historische Meisterwerke die sprachliche W\u00fcrdigung zu verleihen. Seine g\u00f6nnerhaften Versuche, den beiden K\u00fcnstlern Kleinmeister \u00e0 la Diabelli, Waldvogel oder Kreisler zum \u00dcben zu empfehlen, verr\u00e4t eine pseudo-p\u00e4dagogische und durchaus arrogante Einstellung. Vers\u00e4umt wurde hingegen die tragf\u00e4hige Aussage darauf hinzuweisen, wie die vorliegende CD Br\u00fccken schl\u00e4gt, die f\u00fcr den anspruchsvollen H\u00f6rer Altes mit Neuem verkn\u00fcpfen. Aber vielleicht ist ja die Ursache f\u00fcr diese Missverst\u00e4ndnisse eine besondere Form des &#8218;absoluten Geh\u00f6rs&#8216; seitens des Autors: Vielleicht \u2013 &#8218;absolut nichts&#8216;? Georg Kreislers Lied vom &#8218;Musikkritiker&#8216; ging mir durch den Kopf\u2026\u00a0<span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00bb<\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\"><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\"><em>Enrico Trummer<\/em><br \/><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\"> \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"images\/bilder2015\/NCD4131.jpg\" border=\"0\" alt=\"Cover CD\" width=\"100\" height=\"100\" style=\"float: left; margin: 8px;\" \/><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">14.08.2015 \u2013 Die Kombination ist besetzt: Klavier und Vibraphon als Jazzduo, das misst sich irgendwie unmittelbar an Chick Corea und Gary Burton, egal welchen Stilmix und welche \u00e4sthetischen Ideen diese faszinierende glockenartige Art aus zugleich Misch- und Spaltklang bestimmt. Die beiden Grossen der Jazzgeschichte haben Masst\u00e4be gesetzt, was rhythmische, motorische Energie und was melodische Spiellust und Erfindungsreichtum ausmachen. Das Projekt Olivia Tummers unterschiedet sich da zwar in der zweifelssohne interessanten Grundkonzeption \u2012 klassische Kompositionen wie Jazzstandards als Material f\u00fcr eigene Ideen zu betrachten. Nur wird die Aufgabe dadurch nicht einfacher, sondern schwieriger. 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