{"id":2510,"date":"2015-08-27T09:20:01","date_gmt":"2015-08-27T09:20:01","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2015\/08\/27\/wo-sind-die-schweizer-kulturparteien\/"},"modified":"2015-08-27T09:20:01","modified_gmt":"2015-08-27T09:20:01","slug":"wo-sind-die-schweizer-kulturparteien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2015\/08\/27\/wo-sind-die-schweizer-kulturparteien\/","title":{"rendered":"Wo sind die Schweizer Kulturparteien?"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\"><em>von Wolfgang B\u00f6hler<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\"><em>\u00a0<\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\"><img decoding=\"async\" src=\"images\/kolumnewb.jpg\" border=\"0\" alt=\"Portr\u00e4t Wolfgang B\u00f6hler\" style=\"float: left; margin: 8px;\" \/>21.08.2015 &#8212; Die Schweiz w\u00e4hlt diesen Herbst ihr Parlament neu. Der Urnengang wird als Richtungswahl beschworen. Die grossen Themen sind das Verh\u00e4ltnis des Landes zur Europ\u00e4ischen Union, die Migrations- und Fl\u00fcchtlingsstr\u00f6me und die Zukunft der Schweizer Wirtschaft angesichts des starken Frankens. Und die Kultur? Sie ist \u2012 Politiker, die gew\u00e4hlt werden wollen, wissen das \u2012 ein Nichtthema. Wer sich als Kulturpolitiker profiliert, kann sich die Hoffnung, zur ersten Garde ernstgenommener Parlamentarier gez\u00e4hlt zu werden, in den Kamin schreiben. Das hat auch damit zu tun, dass Kultur in der Schweiz kein politischer Problemfall ist. Die Kulturschaffenden sind hierzulande \u00e4hnlich privilegiert wie die Bauern: Hochsubventioniert, \u00fcber ihre faktische gesellschaftliche und wirtschaftliche Bedeutung hinaus unter Heimatschutz gestellt. Und genauso wie mit Blick auf die Landwirtschaft ist dies mit Blick auf die Kultur nicht innovationsf\u00f6rdernd, sondern \u2011hemmend und strukturerhaltend.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\"><em>von Wolfgang B\u00f6hler<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\"><em>\u00a0<\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\"><img decoding=\"async\" src=\"images\/kolumnewb.jpg\" border=\"0\" alt=\"Portr\u00e4t Wolfgang B\u00f6hler\" style=\"float: left; margin: 8px;\" \/>21.08.2015 &#8212; Die Schweiz w\u00e4hlt diesen Herbst ihr Parlament neu. Der Urnengang wird als Richtungswahl beschworen. Die grossen Themen sind das Verh\u00e4ltnis des Landes zur Europ\u00e4ischen Union, die Migrations- und Fl\u00fcchtlingsstr\u00f6me und die Zukunft der Schweizer Wirtschaft angesichts des starken Frankens. Und die Kultur? Sie ist \u2012 Politiker, die gew\u00e4hlt werden wollen, wissen das \u2012 ein Nichtthema. Wer sich als Kulturpolitiker profiliert, kann sich die Hoffnung, zur ersten Garde ernstgenommener Parlamentarier gez\u00e4hlt zu werden, in den Kamin schreiben. Das hat auch damit zu tun, dass Kultur in der Schweiz kein politischer Problemfall ist. Die Kulturschaffenden sind hierzulande \u00e4hnlich privilegiert wie die Bauern: Hochsubventioniert, \u00fcber ihre faktische gesellschaftliche und wirtschaftliche Bedeutung hinaus unter Heimatschutz gestellt. Und genauso wie mit Blick auf die Landwirtschaft ist dies mit Blick auf die Kultur nicht innovationsf\u00f6rdernd, sondern \u2011hemmend und strukturerhaltend.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">Trotzdem: Welche Partei kann guten Gewissens als Partei gelten, welche die Interessen der Kultur vertritt? Das ist komplizierter, als man meinen k\u00f6nnte. Die Linken legen ihren gewerkschaftlichen Genen entsprechend das Gewicht auf den Schutz der K\u00fcnstler und K\u00fcnstlerinnen und weniger der Kunst. F\u00fcr sie wiegt soziale Sicherheit hoch (wogegen ja eigentlich nichts einzuwenden w\u00e4re), sie hemmt damit aber die Innovationskraft der Kulturbranche. F\u00fcr die Grundbedingung dynamischer Kultur \u2012 Abenteuerlust, Aufbruchsstimmung und Neugier \u2012 st\u00fcnden eigentlich die Wirtschaftsliberalen in der Mitte mit ihrem Kampf gegen Regulierungen und f\u00fcr individuelle Freiheiten. Allerdings muss man an ihrer inhaltlichen kulturellen Kompetenz zweifeln. F\u00fcr manchen Wirtschaftsf\u00fchrer ist Kulturschaffen bloss ein Dienstleistungszweig f\u00fcrs Marketing.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">Im Gegensatz zu den Liberalen mit ihrem impliziten Anspruch auf gepflegtes Savoir-vivre (oder was immer sie darunter verstehen), erheben die Nationalkonservativen auf der rechten Seite keinen Anspruch auf kulturelle Kompetenz. Sie gehen konsequent davon aus, dass Kultur gar keine Angelegenheit f\u00fcr Politik und Politiker sein darf, sondern sich frei von staatlicher und politischer Einflussnahme entfalten soll. Das ist eine durchaus ehrbare Position, wenn auch mit Blick auf die materiellen Rahmenbedingungen f\u00fcr hochkar\u00e4tiges Kunstschaffen etwas naiv.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">Versucht man mit Blick auf kulturelle Anliegen eine individuelle, partei\u00fcbergreifende Liste mit Kandidatinnen und Kandidaten zusammenzustellen, geschieht etwas Seltsames: Da finden sich dann Exponenten politischer Richtungen, die sich gegenseitig neutralisieren, weil sie f\u00fcr, respektive gegen den Ausbau des Staates sind, weil sie die Regeldichte erh\u00f6hen wollen, resepektive dagegen ank\u00e4mpfen, weil sie den Schutz des Arbeitsplatzes betonen, respektive die Flexibilit\u00e4t des Arbeitmarktes verteidigen. F\u00fcr alle diese politischen Anliegen gibt es mit Blick auf kulturelles Gedeihen partiell gute Argumente.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">Es ist, als ob ein politischer Grundproblem sich da noch akzentueieren w\u00fcrde. In den grossen Zielen sind sich die Parteien in der Regel einig: Sie k\u00e4mpfen f\u00fcr politische Freiheiten und wirtschaftliches Wohlergehen. Die Rezepte, wie diese gew\u00e4hrleistet werden k\u00f6nnen, sind zum Teil diametral entgegengesetzt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">Was lernen wir daraus? La culture n\u2019existe pas. Bloss Kulturkonzeptionen. Widerspr\u00fcchliche.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\"><em>von Wolfgang B\u00f6hler<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\"><em>\u00a0<\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\"><img decoding=\"async\" src=\"images\/kolumnewb.jpg\" border=\"0\" alt=\"Portr\u00e4t Wolfgang B\u00f6hler\" style=\"float: left; margin: 8px;\" \/>21.08.2015 &#8212; Die Schweiz w\u00e4hlt diesen Herbst ihr Parlament neu. Der Urnengang wird als Richtungswahl beschworen. Die grossen Themen sind das Verh\u00e4ltnis des Landes zur Europ\u00e4ischen Union, die Migrations- und Fl\u00fcchtlingsstr\u00f6me und die Zukunft der Schweizer Wirtschaft angesichts des starken Frankens. Und die Kultur? Sie ist \u2012 Politiker, die gew\u00e4hlt werden wollen, wissen das \u2012 ein Nichtthema. Wer sich als Kulturpolitiker profiliert, kann sich die Hoffnung, zur ersten Garde ernstgenommener Parlamentarier gez\u00e4hlt zu werden, in den Kamin schreiben. Das hat auch damit zu tun, dass Kultur in der Schweiz kein politischer Problemfall ist. Die Kulturschaffenden sind hierzulande \u00e4hnlich privilegiert wie die Bauern: Hochsubventioniert, \u00fcber ihre faktische gesellschaftliche und wirtschaftliche Bedeutung hinaus unter Heimatschutz gestellt. 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