{"id":253,"date":"2014-01-10T10:52:26","date_gmt":"2014-01-10T10:52:26","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/10\/dinu-lipatti-spielt-chopin-und-enescu\/"},"modified":"2014-01-10T10:52:26","modified_gmt":"2014-01-10T10:52:26","slug":"dinu-lipatti-spielt-chopin-und-enescu","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/10\/dinu-lipatti-spielt-chopin-und-enescu\/","title":{"rendered":"Dinu Lipatti spielt Chopin und Enescu"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2007\/070714lipatti.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/><em>13.07.2007 &#8212;<\/em> EMI, eines der traditionsreichsten Labels der klassischen Musik, hat die durchaus gute Idee gehabt, einige \u00fcberragende (um das inflation\u00e4r benutzte Wort \u00abhistorisch\u00bb hier mal zu vermeiden) Aufnahmen aus den goldenen Zeiten der Schallplatte neu verf\u00fcgbar zu machen \u2013 unter dem Titel \u00abGreat Recordings of the Century\u00bb werden sie auf CD erneut unter die Leute gebracht, und f\u00fcr einmal kann man sich wirklich nicht daran st\u00f6ren, dass eine Plattenfirma ihren Backup-Katalog zum x-ten Mal in klingende M\u00fcnze umzusetzen versucht. In der Reihe finden sich auch Einspielungen des leider viel zu fr\u00fch verstorbenen rum\u00e4nischen Pianisten Dinu Lipatti (1917-1950). Neben seinen vollendeten und k\u00fcnstlerisch konzessionslosen Interpretationen hat vor allem sein letztes Konzert Geschichte geschrieben: Im September 1950 musste er in Besan\u00e7on wegen seiner fortgeschrittenen Hodgkinschen Krankheit \u2013 einem b\u00f6sartigen Tumor des Lymphsystems \u2013 die Wiedergabe eines Chopin-Walzers unvollendet lassen. Mit einer schlichten Version des Bach-Chorals \u00abJesu bleibet meine Freude\u00bb verabschiedete er sich statt dessen spontan und f\u00fcr immer von seinem Publikum.<\/p>\n<p> Die in den Londoner Abbey Road Studios digital aufbereiteten EMI-Aufnahmen sind urspr\u00fcnglich 1937 in Paris, 1947 in London und \u2013 mitten im Zweiten Weltkrieg \u2013 1943 im Radiostudio Bern eingespielt worden. Als Produzent amtete unter anderem Walter Legge, der sp\u00e4tere Ehemann Elisabeth Schwarzkopfs, EMIs pr\u00e4gende Produzentenpers\u00f6nlichkeit. Sie umfassen Chopins dritte Klaviersonate (h-Moll), Liszts Petrarca-Sonett 104, Ravels \u00abAlborada del gracioso\u00bb, einige Brahms-Walzer (Op. 39), bei denen Lipatti die nicht minder legend\u00e4re Nadia Boulanger sekundiert, sowie Enescus dritte Klaviersonate (D-Dur). <\/p>\n<p> Den historischen Dokumenten fehlt alles, was heutige Aufnahmen auszeichnet: Statt eines breiten und differenzierten Klangbildes mit subtilem Raumambiente handelt es sich um verrauschte, trockene Mono-Spuren, und dennoch ist ihnen eigenartige Plastizit\u00e4t, Durchh\u00f6rbarkeit und Lebendigkeit eigen, die Lipattis charakteristischem Klavierstil zuzuschreiben sind. Seinem Stil ist ab und an ein Mangel an Dramatik vorgeworfen worden. Die unpr\u00e4tenti\u00f6se und jeglicher exhibitionistischen Virtuosit\u00e4t abschw\u00f6rende Wiedergabe der Chopin-Sonate wirkt jedoch so vollendet, dass alle sp\u00e4teren Einspielungen durch Lipattis Kolleginnen und Kollegen \u00fcberfl\u00fcssig anmuten. Und Nadia Boulanger, bei welcher Lipatti einst Komposition studiert hat, wirkt in einer vergleichbar spr\u00f6den Art wie eine Herzensgenossin. <\/p>\n<p> Ebenfalls zugute kommt Lipattis pr\u00e4zises, transparentes und gleichzeitig von wacher Lebendigkeit gepr\u00e4gtes Spiel aber auch dem \u00abAlborada\u00bb aus Ravels \u00abMiroirs\u00bb, das wie ein zu magischem Leben erwachtes mechanisches Glockenspiel wirkt und die Kabinettst\u00fccklein der heutigen Virtuosengeneration am Steinway-Fl\u00fcgel doch stark relativiert. <em>(wb)<\/em><\/p>\n<p> <em><span class=\"txt-s-black\" style=\"font-size: x-small;\">Dinu Lipatti: Chopin, Enescu, Ravel, Liszt, Brahms, EMI \u00abGreat Recordings of the Ccentury\u00bb, 7243 5 67566 2 5. <\/span><\/em><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>13.07.2007 &#8212; EMI, eines der traditionsreichsten Labels der klassischen Musik, hat die durchaus gute Idee gehabt, einige \u00fcberragende (um das&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4],"tags":[],"class_list":["post-253","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-im-gespraech","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/253","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=253"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/253\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=253"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=253"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=253"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}