{"id":254,"date":"2014-01-10T10:53:10","date_gmt":"2014-01-10T10:53:10","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/10\/suite-aus-lady-macbeth-von-mzensk\/"},"modified":"2014-01-10T10:53:10","modified_gmt":"2014-01-10T10:53:10","slug":"suite-aus-lady-macbeth-von-mzensk","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/10\/suite-aus-lady-macbeth-von-mzensk\/","title":{"rendered":"Suite aus \u00abLady Macbeth von Mzensk\u00bb"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2007\/070630schostakowitsch.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/><em>30.06.2007 &#8212;<\/em> Wohl kaum ein Werk hat das Schicksal des russischen Komponisten Dmitri Schostakowitsch derart beeinflusst wie die Oper \u00abLady Macbeth von Mzensk\u00bb. Sie bot 1936 den Anlass f\u00fcr den ber\u00fcchtigten, vermutlich von Stalin veranlassten Artikel in der Parteizeitung \u00abPrawda\u00bb, in dem Schostakowitsch \u00ablinksradikale Z\u00fcgellosigkeit\u00bb, \u00abkleinb\u00fcrgerliches Neuerertum\u00bb und \u2013 am schlimmsten \u2013 \u00abFormalismus\u00bb vorgeworfen wurde. Von diesem Moment an schlief Schostakowitsch in st\u00e4ndiger Angst vor einer Deportation mit einem kleinen Koffer unter dem Bett. Erst Ende der f\u00fcnfziger Jahre konnte sich der Tonsch\u00f6pfer des Respektes und der Anerkennung von offizieller Seite wieder sicher sein.<\/p>\n<p> In der Oper reisst die untreue und von ihrem Liebhaber wiederum selber betrogene Katerina Ismailowa zuerst ihren Schwiegervater und sp\u00e4ter sich selber und die Nebenbuhlerin in den Tod. Die tragische Geschichte wird von Zwischenspielen formal geklammert, die weit mehr sind als bloss harmlose atmosph\u00e4rische Einstimmung des Publikums.<\/p>\n<p> Drei dieser Charakterst\u00fccke f\u00fcr Orchester hat Schostakowitsch vermutlich bereits kurz nach Vollendung des B\u00fchnenwerkes umarrangiert und zu einer Suite zusammengestellt. Das Opus 29a d\u00fcrfte in der Zeit des politischen Bannes allerdings auch kaum je zur Auff\u00fchrung gelangt sein.<\/p>\n<p> Auf Tontr\u00e4ger ist es bislang nie eingespielt worden. Dieses Verdienst kommt dem Radio-Sinfonieorchester Stuttgart des SWR unter der Leitung des in Bern als Chefdirigenten amtenden Andrey Boreyko zu. Was nun auf den Markt kommt, ist die Aufnahme eines Konzertes, welches das Orchester im Juni 2005 in der Stuttgarter Liederhalle realisiert hat. <\/p>\n<p> Die Erstaufnahme ist verdienstvoll, dennoch \u00fcbernimmt sie auf der Silberscheibe mit ihrer Dauer von gut sieben Minuten bloss die Funktion eines Epiloges zum Hauptwerk, der \u00fcber eine Stunde in Anspruch nehmenden vierten Sinfonie ihres Sch\u00f6pfers, die in der gleichen Zeit entstanden ist wie die Oper und deshalb ein \u00e4hnliches Schicksal erfahren hat.<\/p>\n<p> Mit dem Werk, das eine Synthese aus russischer Avantgarde und mahlerschem Formdenken wagt, hat sich Schostakowitsch \u00e4sthetisch weit aus dem Fenster gelehnt \u2013 so dass nach dem \u00abPrawda\u00bb-Artikel an eine Auff\u00fchrung nicht mehr zu denken war.<\/p>\n<p> Erst die weit mildere und volkst\u00fcmliche f\u00fcnfte Sinfonie erlaubte eine weitere Pr\u00e4senz im kommunistischen Heimatland. Die Vierte konnte erst am 30. Dezember 1961 zur Urauff\u00fchrung gebracht werden. Sie wurde von den russischen Musikliebhabern daf\u00fcr umso st\u00fcrmischer beklatscht. <\/p>\n<p> Das erstklassige, von seinem ehemaligen Chef Roger Norrington klanglich in Hochform gebrachte Stuttgarter Orchester leuchtet die Partitur auch in den Extremen aus und liefert eine spannungsreiche, vitale und differenzierte Wiedergabe beider Werke. <em>(wb)<\/em><\/p>\n<p> <span style=\"font-size: x-small;\"><em><span class=\"txt-s-black\">Dmitri Schostakowitsch: Symphony Nr. 4, Suite from the Opera \u00abLady Macbeth of Mzensk\u00bb (World Premiere Recording), Radio-Sinfonieorcheser Stuttgart des SWR, Andrey Boreyko (Conductor), H\u00e4nssler Classic, CD 93.193.<\/span> <\/em><\/span><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>30.06.2007 &#8212; Wohl kaum ein Werk hat das Schicksal des russischen Komponisten Dmitri Schostakowitsch derart beeinflusst wie die Oper \u00abLady&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4],"tags":[],"class_list":["post-254","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-im-gespraech","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/254","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=254"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/254\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=254"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=254"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=254"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}